Wissenschaftspreis für
Leibniz-Forscher Eckhard Klieme

Prof. Dr. Eckhard Klieme vom Deutschen Institut für Internationale

Pädagogische Forschung (DIPF) erhält den Wissenschaftspreis des

Stifterverbandes „Gesellschaft braucht Wissenschaft“ 2010.


24. November 2010

Eckhard KliemeMit dieser Auszeichnung werden die Beiträge des 56-jährigen Bildungsforschers gewürdigt, der das deutsche Bildungssystem mit einer Vielzahl vor allem empirisch angelegter Forschungsarbeiten wie kaum ein Zweiter beeinflusste. Der Preis wird am 25. November anlässlich der Jahrestagung der Leibniz-Gemeinschaft in Düsseldorf verliehen.

Ganztagsschule, Curriculumreform, PISA – an all diesen und zahlreichen weiteren zentralen bildungspolitischen und bildungspraktischen Projekten der jüngeren Vergangenheit war Eckhard Klieme maßgeblich beteiligt. Dabei verknüpft der Leibniz-Wissenschaftler, wie es in der Begründung der Jury heißt, Theorie und Praxis "in geradezu exemplarischer Weise", seine Arbeiten "reflektieren höchste wissenschaftliche Standards" und "haben die Praxis des deutschen Bildungswesens in den vergangenen Jahren beeinflusst wie die kaum eines anderen Wissenschaftlers".

An der PISA-Studie der OECD wirkte Klieme seit dem ersten Projektzyklus im Jahr 2000 in verschiedenen Rollen auf nationaler und internationaler Ebene mit, unter anderem als Sprecher des nationalen Konsortiums für PISA 2009. Unter der Leitung Kliemes ist das DIPF zudem in den internationalen Konsortien für PISA 2009 und 2012 vertreten sowie an weiteren Studien der OECD beteiligt. Derzeit leitet Klieme im Auftrag der OECD die internationale Expertengruppe, die für die Fragebogenentwicklung bei PISA zuständig ist.

Eckhard Klieme ist außerdem seit 2005 in leitender Funktion an der „Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen“ beteiligt, dem zentralen, länderübergreifenden Forschungsprogramm Deutschlands zur Entwicklung von Ganztagsschulen und -angeboten. Als Sprecher des Konsortiums der DESI-Studie (Deutsch Englisch Schülerleistungen International) arbeitete Eckhard Klieme an der Erfassung sprachlicher Kompetenzen sowie an der Erforschung von Qualitätsmerkmalen des Deutsch- und Englischunterrichts.

Eine Umsetzung der Arbeiten des Preisträgers hat in der Praxis des deutschen Bildungssystems in mehreren Bereichen stattgefunden. Zentral sind hier die konzeptionellen Grundlagen für die Entwicklung und Implementierung von Bildungsstandards für die schulische Bildung. Die von Eckhard Klieme formulierten Bildungsstandards bilden die Grundlage für die durch die Kultusministerkonferenz eingeführte Output-Orientierung im deutschen Schulsystem.

Prof. Dr. Andreas Schlüter, Generalsekretär des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft würdigt die große Relevanz von Kliemes Arbeiten für die Bildungspraxis: "Prof. Eckhard Klieme ist ein überaus würdiger Preisträger, der zur Weiterentwicklung des deutschen Bildungssystems maßgebliche Beiträge leistet. Ich beglückwünsche die Leibniz-Gemeinschaft zu dieser Wahl für den Wissenschaftspreis des Stifterverbands in der Kategorie Gesellschaft braucht Wissenschaft. Denn Bildung ist der Schlüssel schlechthin für die zukünftige Entwicklung unserer Gesellschaft."

Für Prof. Karl Ulrich Mayer, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, besteht Kliemes Verdienst auch in einer Versachlichung der Bildungspolitik: "Die Bildungsforschung ist eines der großen Schwerpunktthemen der Leibniz-Gemeinschaft, von der frühkindlichen Bildung bis zum lebenslangen Lernen der Erwachsenenbildung, von der Pädagogik über die Bildungsökonomie bis zur Neurologie des Lernens. Die vergleichenden Schulleistungsstudien, für welche Prof. Klieme den diesjährigen Wissenschaftspreis erhält, haben ganz wesentlich dazu beigetragen, bildungspolitische Grabenkämpfe zu überwinden und auf der Grundlage herausragender empirischer Forschung Bildungsdefizite abzubauen. Den Wissenschaftspreis für Prof. Klieme sehe ich neben der persönlichen Auszeichnung auch als Anerkennung für die Bildungsforschung in der Leibniz-Gemeinschaft insgesamt, die damit eines der wichtigsten gesellschaftlichen Themen überhaupt zum Nutzen der Menschen bearbeitet."

Der Preisträger
Eckhard Klieme, Jahrgang 1954, studierte Mathematik, Psychologie, Kommunikationsforschung und Pädagogik an der Universität Bonn, wo er 1988 in Psychologie promovierte. Die Habilitation in Erziehungswissenschaften folgte im Jahr 2000 an der Freien Universität Berlin. Eckhard Klieme ist seit 2001 Leiter der Arbeitseinheit "Bildungsqualität und Evaluation" am DIPF und war von 2004 bis 2008 dessen Direktor.

Der Preis
Hervorragende Forschungsleistungen, die sich durch ihre gesellschaftliche Relevanz und gute Umsetzbarkeit auszeichnen, zeichnet der Stifterverband gemeinsam mit der Leibniz-Gemeinschaft mit dem Wissenschaftspreis "Gesellschaft braucht Wissenschaft" aus. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre vergeben. Preiswürdig sind Forschungsarbeiten, deren Ergebnisse die Grundlagen für praktische Umsetzungen in Wirtschaft, Politik, Gesellschaft oder Forschung bilden. Neben der wissenschaftlichen Qualität der Arbeit ist die anschließende zumindest teilweise Anwendung der Ergebnisse gleichwertiges Auswahlkriterium.

Foto: DIPF/fotorismus Britta Hüning