Entschleunigt in die Exzellenzgesellschaft

Neu im Stifterverband-webTV: „Die kommenden Tage“  gehen in

die nächste Runde – Hartmut Rosa und Gunter Dueck im Interview


21. Juni 2011

Zwei neue Interviews in der Video-Reihe "Die kommenden Tage" sind online.
Der Jenaer Soziologe Hartmut Rosa und der Forschungschef von IBM Deutsch-
land, Gunter Dueck, geben Antworten auf die Frage nach den Chancen und
Risiken der vielbeschworenen Wissensgesellschaft. Der Stifterverband hatte
die Reihe vor einigen Wochen mit Peter Kruse, Claus Leggewie und Franz
Josef Radermacher gestartet.





Interview mit Hartmut Rosa,
Professor für Soziologie an der Universität Jena
Ein Gespräch über unsere nur vermeintlich souveräne Nutzung von Technologien
und über endlose Datenströme, eren Dynamik unser ganzes Leben erfasst hat.
Nach Hartmut Rosa ist die allgegenwärtige Steigerungs- und Beschleunigungs-
logik strukturell in unserer Gesellschaft verankert. Wir müssen uns aber ent-
scheiden, ob wir die unablässigen Daten-, Waren- oder Geldströme, die wir
entfesselt haben, unter Kontrolle bringen wollen oder nicht. Sie unter Kontrolle
zu bringen hieße allerdings, die Ströme zu verlangsamen. Dies geschieht aber
nicht. Im Gegenteil: Selbst die politische Klasse wird immer öfter von Erre-
gungswellen erfasst, die binnen kürzester Zeit zu grundstürzenden Verände-
rungen führen, wie beispielsweise bei der "Energiewende" in Deutschland.

Die sich immer schneller wandelnde Gesellschaft hat auch das Selbstverständnis
des Bürgertums erfasst. Während der Bürger vergangener Tage seine Position
in der Gesellschaft erarbeitet hat, seinen Platz in der Welt verankert hat, wird
er nun zum Surfer, dessen Hauptanstrengung darin besteht "oben" zu bleiben.
Da der Platz in der Gesellschaft für den Bürger nicht mehr festgeschrieben ist,
gilt es, die sich verändernde Welt ununterbrochen zu beobachten und bereit zu
sein, auf die nächste Welle aufzuspringen. Wer ökonomisch und sozial gut ge-
sichert ist, bewältigt dies einfacher als die weniger Privilegierten. Diese müssen
sich als "Drifter" Wind und Wellen aussetzen und sich dort zurechtfinden, wo
sie hingespült werden.






Interview mit Gunter Dueck,
Chief Technology Officer, IBM Deutschland GmbH

Ein Gespräch über den Abstieg des einstigen Superstars Deutschland in die Mit-
telmäßigkeit und die Notwendigkeit, sich ständig neu zu erfinden. Gunter Dueck
kritisiert die Tendenz in Deutschland, die überkommenen Industrien zu retten,
statt sich auf die neuen Zukunftsfelder auszurichten. Immer mehr Berufe, so
Dueck, werden industrialisiert und also automatisiert. Einstmals beratungsinten-
sive Berufe wandeln sich immer mehr zu Abwicklungsberufen. Die Aufgabe der
Gesellschaft und der Unternehmen wird sein, deutlich mehr Menschen für an-
spruchsvollere Berufe zu qualifizieren, um so den Wandel von der Dienstleis-
tungs- zur Exzellenzgesellschaft zu gestalten.

Dem Bildungswesen kommt dabei eine besondere Aufgabe zu: Es muss viel
stärker als bisher auf die Persönlichkeitsbildung setzen. Projekte können in Zu-
kunft nur von solchen Menschen erfolgreich bewältigt werden, die mit Charme,
Umsicht und großer sozialer Kompetenz an ihre Aufgaben herangehen. Bil-
dungsinstitutionen können sich in Zukunft, so Dueck, nicht mehr darauf zu-
rückziehen, den Nachwuchs lediglich mit Wissen zu 'befüllen'. Revolutioniert
wird das Bildungswesen in Zukunft durch das Internet. Hier bieten sich unend-
lich viele neue Möglichkeiten, das Wissen der Welt auf viele Schultern zu ver-
teilen und damit neu zu organisieren.


Pressekontakt

Michael Sonnabend

Michael Sonnabend

Leiter
Öffentlichkeitsarbeit
T: (0201) 8401-181
F: (0201) 8401-459

E-Mail senden

Weitere Videos