Communicator-Preis:
Preisträger 2002

Prof. Dr. Wolfgang Heckl

Ludwig-Maximilians-Universität München


Wolfgang HecklDer Münchener Physiker und Nanowissen-
schaftler ist seit 1993 Professor für Experi-
mentalphysik an der Ludwig-Maximilians-
Universität München und leitet dort am
Department für Geo- und Umweltwissen-
schaften eine Arbeitsgruppe im Bereich Nanowissenschaften. Heckl schlägt mit seiner fächerübergreifenden Forschung eine Brücke von den Nano- zu den Geowissenschaften sowie zur Biologie und Physik. Aktuell beschäftigt er sich mit dem Thema "Ursprung des Lebens" und untersucht in diesem Zusammenhang die Kristallisation und Selbstordnung von organischen Molekülen auf Mineraloberflächen.

Die von Heckl entwickelten Techniken zur Suche nach Lebensspuren im Nanobereich werden künftig auch in der Erforschung von Leben auf anderen Planeten eingesetzt: Mit Hilfe des mobilen Rastersondenmikroskops, das Heckl kürzlich mit seiner Forschergruppe entwickelt hat, sollen bei einer der nächsten Marsmissionen Oberflächensedimente nach Spuren von Wasser aus der Frühzeit der Marsgeschichte abgesucht werden.

Wolfgang Heckl engagiert sich seit über zehn Jahren für die Vermittlung seiner Forschungsergebnisse in die breite Öffentlichkeit. Bereits Anfang der 1990er- Jahre wurde er durch verschiedene Fernsehbeiträge mit seinen rastertunnelmikroskopischen Untersuchungen am menschlichen Erbgut bekannt, die erstmals eine Darstellung der DNA-Basen als Bausteine des genetischen Codes ermöglichten. In zahlreichen Wissenschaftssendungen, darunter "Abenteuer Forschung" (ZDF) und "Nano" (3sat), hat Heckl seitdem der Öffentlichkeit Einblicke in die Welt der Nanotechnologie eröffnet. Dabei ermöglichten Lifeschaltungen in sein Labor und der Einsatz eigens angefertigter Videofilme zu rastertunnelmikroskopischen Untersuchungen vielen Menschen, diese komplexe Forschungsarbeit unmittelbar mitzuerleben.

In seinen Bemühungen um ein besseres Verständnis der Nanotechnologie nutzt Heckl vielfältige Möglichkeiten der Vermittlung und will Menschen jeden Alters und jeder Gesellschaftsschicht ansprechen. Neben zahlreichen Beiträgen und Interviews in Rundfunk und Fernsehen hat Heckl den Nanokosmos einer breiten Öffentlichkeit auch in Zeitungsartikeln, Vorträgen und in Buchform näher gebracht. Heckl sucht aber besonders den direkten Kontakt und engagiert sich daher verstärkt in Ausstellungsprojekten und Messen zu naturwissenschaftlichen Themen. So präsentierte er als wissenschaftlicher Leiter der Ausstellung "Physik und Leben", die 2001 im Deutschen Museum München gezeigt wurde, deutsche Spitzenforschung für über 6000 Besucher. Dabei galt seine besondere Aufmerksamkeit den über 30 Schulklassen, denen Heckl mit persönlichen Führungen die Highlights der Physik nahe brachte. Heckls Motto "hinein in die Menschenherzen" wird besonders in seiner Vermittlungsarbeit für Kinder und Jugendliche deutlich.

Mit pädagogisch und wissenschaftlich anspruchsvollen Konzepten will er vor allem eines erreichen: Kinder sollen Spaß an der Wissenschaft haben und einen spielerischen, vorurteilsfreien Zugang zu wissenschaftlichen Themen finden. Heckl engagiert sich daher nicht nur für Schülerwettbewerbe, wie "Jugend forscht", "Physics on Stage" und "Life in the Universe", sondern setzt sich mit seiner Kommunikationsarbeit auch für neue Wege in der Didaktik der Naturwissenschaften ein. Wolfgang Heckl bemüht sich bei der Vermittlung seiner Forschungsergebnisse nicht zuletzt auch um die Akzeptanz des wissenschaftlichen Fortschritts in der Gesellschaft und sucht daher immer wieder auch den Dialog mit Skeptikern der Wissenschaft. Sein Einsatz für Public Understanding of Science schließt auch die Politik mit ein; hier, wie bei der Arbeit mit Jugendlichen, sieht Heckl seine Bemühung um Verständnis und Begeisterung für die Wissenschaft als Investition in die Zukunft.

Wolfgang Heckl wurde 1958 in der Oberpfalz geboren und studierte nach dem Abitur an der TU München Physik. Nach der Promotion im Fach Biophysik ging er 1989 als Postdoktorand zunächst für ein Jahr nach Kanada an die University of Toronto und anschließend in die Schweiz zu Prof. Gerd Binnig an das IBM Research Laboratory. Nach einer dreijährigen Tätigkeit als Assistent an der LMU München schloss er dort 1993 seine Habilitation in Physik ab und nahm im gleichen Jahr den Ruf auf die Professur für Experimentalphysik an. Privat beschäftigt sich der Familienvater Heckl am liebsten mit dem Sammeln alter Maschinen, dem Tanzen und Skifahren. Die Verbindung zur Wissenschaft sucht er auch in der Freizeit: Mit Begeisterung widmet er sich dem Malen von Bildern mit Forschungsbezug.

Stand: 2002