Deutscher Zukunftspreis 2003:
Flüssigkristalle für Fernsehbildschirme

Leichter, heller, schneller: Im Vergleich zur Bildröhre benötigt der LCD-

Fernseher nur rund 50 Prozent der Energie und hat eine doppelt so

lange Lebensdauer.


Ein Fernsehbild verlangt im Gegensatz zum Computermonitor besondere
Qualitäten: Das Bild muss sehr hell und der Kontrast hoch sein, und rasche
Bewegungen müssen natürlich wirken. Diese Anforderungen erfüllten bisher
nur die klassischen Bildröhren-Fernsehgeräte. Seit kurzem sind die ersten
großformatigen Fernseher auf Flüssigkristall-Basis auf dem Markt.

Das Team um Dr. Kazuaki Tarumi hat an dieser Entwicklung entscheidenden
Anteil: Es hat seit Mitte der 90er Jahre systematisch zahlreiche flüssigkristal-
line Substanzen synthetisiert, verbessert und in immer wieder neuen Mi-
schungen getestet, bis Flüssigkristall-Mischungen gefunden waren, die es
ermöglichten, die neuen großen LCD-Fernsehbildschirme zu realisieren.

Gewinner des Deutschen Zukunftspreises 2003 (Foto: Ansgar Pudenz/Deutscher Zukunftspreis) Gewinner des Deutschen Zukunftspreises 2003
 Dr. Kazuaki Tarumi, Dr. Melanie Klasen-Memmer und Dr. Matthias Bremer
 (Merck KGaA, Darmstadt) (v.li.)


Flüssigkristalle sind stäbchenförmige Moleküle, die sich in Schichten parallel zu-
einander orientieren. Unter dem Einfluss einer elektrischen Spannung lässt sich
diese Ausrichtung verändern. 1971 entdeckten die Schweizer Schadt und Helfrich,
dass sich dieses Prinzip für die Herstellung von Displays nutzen lässt. In einer
transparenten Zelle verändert eine Schicht aus Flüssigkristallen durch Anlegen
elektrischer Spannung ihre Orientierung derart, dass kein Licht mehr durchgelas-
sen wird. Liegt keine Spannung an, nehmen die Flüssigkristalle ihre ursprüngliche
Anordnung wieder ein. Ein schaltbares Lichtventil war erfunden.

Diese Entdeckung wurde zunächst in einfachen Displays, später in PC-Monitoren
umgesetzt. Dabei können die für Displays notwendigen physikalischen Eigenschaf-
ten nicht durch eine einzige flüssigkristalline Substanz realisiert werden. Meist
kommen Mischungen aus 20 bis 30 Komponenten zum Einsatz. Die Herausfor-
derung besteht darin, dieses Bouquet so aufeinander abzustimmen, dass es
den Anforderungen der Elektronikhersteller genügt. Das gelang dem Team
um Dr. Tarumi.


Foto: Ansgar Pudenz/Deutscher Zukunftspreis