Deutscher Zukunftspreis 2011
Nominiertes Team 1:
Autofahren mit 6D-Vision

Nach wie vor sterben viele Menschen im Straßenverkehr – wie lässt sich

das Autofahren künftig noch sicherer machen? Eine Antwort liefert die

6D-Vision-Technologie, die Gefahren schneller erkennt als der Mensch.


Dr. Uwe Franke, Dr. Stefan Gehrig und Dr. Clemens Rabe sind überzeugt:
Intelligente Fahrerassistenzsysteme können die Zahl der Toten und Verletzten
auf den Straßen drastisch reduzieren. Sie haben dazu eine Technologie ent-
wickelt, die ganz neue Möglichkeiten zur Unterstützung der Autofahrer bietet.
Gefahren lassen sich damit erkennen, und viele Unfälle können durch eine
rasche Reaktion des Wagens vermieden werden. Uwe Franke leitet die Ar-
beitsgruppe "Bildverstehen" der Daimler Forschung und Vorentwicklung in
Sindelfingen, der auch Stefan Gehrig und Clemens Rabe angehören.

Um dem Fahrer in komplizierten Verkehrssituationen beistehen zu können,
müssen künstliche Sinne des Wagens zuverlässig erkennen, was um ihn herum
geschieht. Und der elektronische Assistent muss in der Lage sein, zu "ahnen",
wie sich andere Verkehrsteilnehmer weiter verhalten werden – etwa, ob ein
anderes Auto mit dem eigenen Wagen kollidieren oder ein spielendes Kind auf
die Fahrbahn laufen wird. Bisherige Systeme konnten viele kritische Situationen
nicht erfassen und waren mit der Auswertung von Messdaten zu lange be-
schäftigt, um schnell genug reagieren zu können.

Nominiertes Team 1 (Foto: Ansgar Pudenz/Deutscher Zukunftspreis) Nominiertes Team 1:
 Dr. rer. nat. Stefan Gehrig, Dr.-Ing. Uwe Franke, Dr.-Ing. Clemens Rabe (v.li.)


Den Forschern bei Daimler gelang es, das Geschick der technischen Gefahrener-
kennung enorm zu verbessern. Dazu nahmen sie die Funktion der menschlichen
Augen und des Gehirns zum Vorbild, deren Fähigkeiten sie sogar übertreffen
konnten. So gelingt es der neuen 6D-Vision-Technologie, tollende Kinder am
Straßenrand in weniger als 0,2 Sekunden zu erkennen – ein Mensch braucht dazu
mehr als doppelt so lang.

Um solche Meisterleistungen zu schaffen, nimmt eine Stereokamera in rascher
Folge dreidimensionale Bilder der Umgebung vor und neben dem Fahrzeug auf.
Ein eigens dafür entwickelter Algorithmus wertet sie blitzschnell aus. Durch den
Vergleich aufeinanderfolgender Bilder erkennt er auch, ob und wie schnell sich
Objekte wie Radfahrer, Fußgänger oder Autos bewegen. Das funktioniert selbst
bei schlechtem Wetter und Dämmerlicht sehr zuverlässig.

6D-VisionDaimler wird 6D-Vision schon bald serien-
mäßig in Mercedes-Fahrzeugen einsetzen
– als Basis innovativer Assistenzsysteme,
die Fußgänger erkennen, dem Fahrer
beim Passieren unübersichtlicher Kreu-
zungen helfen oder durch enge Auto-
bahnbaustellen lotsen. Die Forscher
aus Sindelfingen hoffen, dass ihre In-
novationen eine weite Verbreitung in
der Automobilindustrie finden – damit möglichst vielen Verkehrsteilnehmern zusätzliche Sicherheit gegeben ist. Um das zu gewährleisten, beabsichtigt das Unternehmen die 6D-Vision-Technologie auch anderen Herstellern zugänglich zu machen.

6D-Vision hat das Potenzial, das elektronische Sehen nicht nur in Autos zu
revolutionieren, sondern etwa auch bei autonom agierenden Servicerobo-
tern. Die sollen künftig als Helfer im Haushalt dienen oder bei der Pflege
von gebrechlichen Menschen assistieren. Dazu müssen sie in der Lage
sein, ihr Umfeld zu überschauen und zu erkennen, wo und wie sich ihr
Pflegling bewegt. Der sechsdimensionale Blick aus der Automobilforschung
ermöglicht das.


Fotos: Ansgar Pudenz/Deutscher Zukunftspreis