Erwin-Schrödinger-Preis: Forschung zwischen den Disziplinen

Der Erwin-Schrödinger-Preis, den der Stifterverband auf Vorschlag der Helmholtz-Gemeinschaft vergibt, zeichnet wissenschaftliche oder technisch innovative Leistungen aus, die in Grenzgebieten zwischen verschiedenen Fächern der Medizin, Natur- und Ingenieurwissenschaften erzielt worden sind.


Vertreter von mindestens zweier Fachrichtungen müssen an den Arbeiten mitgewirkt haben. Der Namensgeber des Preises, Erwin Schrödinger (1887 bis 1961) war Physik-Nobelpreisträger, hat aber gleichzeitig die Entwicklung der Biologie nachhaltig beeinflusst.

Der Preis wird jährlich im Rahmen der Helmholtz-Jahrestagung übergeben und abwechselnd vom Stifterverband und der Helmholtz-Gemeinschaft mit 50.000 Euro dotiert.


2014: Allein gegen das Fett

  • Prof. Dr. Matthias Tschöp, Institut für Diabetes und Adipositas, Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt und Technische Universität München
  • Prof. Dr. Richard DiMarchi, Standiford H. Cox Distinguished Professor of Chemistry, Linda & Jack Gill Chair in Biomolecular Sciences, Department of Chemistry, Indiana University
  • Dr. Kerstin Stemmer, Division of Metabolism and Cancer, Institut für Diabetes und Adipositas, Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt
  • Dr. Brian Finan, Division of Molecular Pharmacology, Institut für Diabetes und Adipositas, Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

Ein einzelnes Molekül kann Hoffnungsträger für Millionen Menschen werden: Ein Forscherteam aus Chemikern, Pharmazeuten, Hormon- und Krebsforschern hat zwei Hormone, die im Darm gebildet werden, zu einem einzigen Molekül zusammenfügt. Diese Hormonkombination wirkt an den Rezeptoren der Insulin-stimulierenden Hormone und kann so bei Patienten mit Fettsucht oder Typ-2-Diabetes den Blutzuckerwert senken. Durch den neuen therapeutischen Ansatz könnten in den kommenden Jahren beide Krankheiten, die die Vereinten Nationen und die WHO zu den größten medizinischen Herausforderungen für die moderne Gesellschaft zählen, erfolgreich behandelbar werden.



2013: Viehhaltung in Steppen- und Präriegebieten reduziert die Emission von Treibhausgas

  • Forscherteam um Klaus Butterbach-Bahl vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT)


Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass großflächige Beweidung zur stetig wachsenden Lachgaskonzentration in der Atmosphäre und damit zur globalen Erderwärmung beiträgt. Doch im Gegenteil: Dass Viehhaltung in Steppen- und Präriegebieten die Emission des Treibhausgases verringert, konnte ein fünfköpfiges Forscherteam um Klaus Butterbach-Bahl in einer Langzeitstudie nachweisen.




2012: Entwicklung eines gedankengesteuerten Roboter-Arms

  • Prof. Dr. Patrick van der Smagt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
  • Prof. Dr. John P. Donoghue von der Brown University, USA

Das von van der Smagt und Donoghue entwickelte Assistenz-System ist weltweit einzigartig: Querschnittsgelähmte Patienten können allein durch ihre Gedanken einen Greifarm steuern. Dafür haben die Forscher eine lernende Software entwickelt, die Signale aus dem Gehirn des Patienten in Steuerungssignale für den Greifarm übersetzt. 2011 gelang es einer Patientin, die seit 15 Jahren vom Hals abwärts gelähmt ist, mit der neuen Armprothese einen Strohhalm zum Mund zu führen. So konnte die Patientin erstmals seit ihrem Schlaganfall wieder selbstständig trinken. Zur Steuerung des Greifarms musste sie kein aufwendiges Training absolvieren, sondern sich nur vorstellen, ihren eigenen Arm entsprechend zu bewegen. Diese Vorstellung erzeugte Signale im motorischen Kortex, dem Bereich des Gehirns, der für die Steuerung der Bewegung zuständig ist. Ein kleines, mit der Brown University entwickeltes Implantat im Schädel der Patientin leitete diese Signale weiter. 



2011: Molekulares Echtzeit-Bildgebungsverfahren für Tumorzellen

  • Prof. Vasilis Ntziachristos, Institut für biologische und medizinische Bild-
    gebung am Helmholtz Zentrum München
  • Prof. Gooitzen Michell van Dam, University Medical Center Groningen


Operationen und endoskopische Eingriffe werden bis heute größtenteils vom menschlichen Auge geleitet. Die Sicht in den Körper ist dabei sehr begrenzt, denn selbst mit modernen Techniken kann der Chirurg nur in obere Gewebeschichten schauen. Sehr kleine, verborgene Tumore bleiben praktisch unsichtbar. Die neue Technik basiert auf einer Echtzeitkamera, die Fluoreszenz im Gewebe erfassen kann. Dadurch lassen sich winzige Tumore im Innern des Körpers aufspüren, ohne dabei umliegendes Gewebe zu verletzen. Nun können die Chirurgen schon während der Operation die Ergebnisse auswerten.