Wissenschaftspreis:
Gesellschaft braucht Wissenschaft

Hervorragende Forschungsleistungen, die sich durch ihre gesellschaftliche Relevanz und gute Umsetzbarkeit auszeichnen, zeichnet der Stifterverband gemeinsam mit der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL) alle zwei Jahre aus.


Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert. Preiswürdig sind Forschungsarbeiten, deren Ergebnisse die Grundlagen für praktische Umsetzungen in Wirtschaft, Politik, Gesellschaft oder Forschung bilden. Neben der wissenschaftlichen Qualität der Arbeit ist die anschließende zumindest teilweise Anwendung der Ergebnisse gleichwertiges Auswahlkriterium.



Preisträger 2012:
Prof. Dr. med. K. Lenhard Rudolph
Leibniz-Institut für Altersforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI), Jena


Erforschung der molekularen Ursachen des Alterns


K. Lenhard RudolphDie Schwerpunkte der Forschung von Professor Rudolph liegen auf dem Gebiet der Stammzell- alterung. Adulte Stammzellen sind in fast allen Geweben des Menschen vorhanden und tragen grundlegend zum Erhalt und zur Regeneration von Organen und Geweben bei. Im Verlauf des Alterns lässt die Funktion dieser Zellen nach, was zum Funktionsverlust einer Reihe von Organen und Geweben führt. Die Folge ist eine eingeschränkte Lebensqualität. Rudolph klärt in seinen Arbeiten grundlegende Mechanismen auf, die zum Funktionsverlust von Stammzellen im Rahmen der Alterung führen. Auf dieser Basis könnten Therapien entwickelt werden, die darauf zielen, den Organerhalt und die Lebensqualität im Alter zu verbessern.

Molekulare Mechanismen der Stammzellalterung scheinen darüber hinaus von grundlegender Bedeutung für Tumorerkrankungen. Das Krebsrisiko steigt im Rahmen der Alterung exponentiell an. Dabei scheint ein Zusammenhang zwischen Krebsentstehung und Stammzellen im Körper zu bestehen: Die lange Lebensdauer der Stammzellen birgt das Risiko, dass die alternden Stammzellen Mutationen anhäufen, so dass Krebs entstehen kann. Rudolphs Arbeiten zeigen, dass Telomerverkürzungen (DNA-Sequenzen an den Chromosomenenden) in alternden Stammzellen diesen Prozess beschleunigen und zur Entstehung von Tumoren beitragen.

Prof. Dr. med. K. Lenhard Rudolph, Jahrgang 1969, studierte Medizin an der Georg-August-Universität Göttingen, wo er auch promovierte. Nach Aufenthalten in New York und Boston leitete er eine Emmy-Noether-Arbeitsgruppe und eine Heisenberg-Professur an der Medizinischen Hochschule Hannover. 2007 wurde er als Leiter des Instituts für Molekulare Medizin und der Max-Planck-Forschergruppe für Stammzellalterung an die Universität Ulm berufen. Seit Februar 2012 ist er Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Altersforschung - Fritz-Lipmann-Institut e.V. in Jena, seit Oktober 2012 Professor an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Foto: W. Briest/FLI


Der Preis wurde am 29. November 2012 im Roten Rathaus Berlin durch Dr. Johannes Teyssen, Vorstandsvorsitzender der E.ON AG und Vizepräsident des Stifterverbandes, feierlich überreicht. Teyssen: "Die Ausrichtung auf die gesellschaftliche Bedeutung der Forschung ist für den Stifterverband und seine Mitglieder besonders wichtig. Über den Stifterverband fördern die deutschen Unternehmen die Wissenschaft, weil sie wissen, dass ihr Erfolg zu einem großen Teil auf Forschung und Entwicklung beruht. Und auf einer Wissenschaft, die gesellschaftliche Herausforderungen erkennt, aufgreift und für die Probleme Lösungen entwickelt. All das trifft auf die bisherige Arbeit von Lenhard Rudolph im Rahmen seiner Forschungslaufbahn in besonderem Maße zu."

Die Preisträger der zurückliegenden Jahre