Studieren ohne Abitur

Die Nachfrage nach dem Studium ohne Abitur ist in Deutschland so hoch wie nie zuvor: Sie umfasst jetzt einen Anteil von 2,1 Prozent der Studienanfänger. Damit hat sich die Quote gegenüber 2007 nahezu verdoppelt.


Hauptgründe für diesen Aufwärtstrend sind vor allem erleichterte Zugangs-
bedingungen und die vermehrte Einrichtung spezifischer Studienangeboten für diese Zielgruppe. In den letzten drei Jahren haben 14 von 16 Bundesländern ihre Zugangsbedingungen zum Studium ohne Abitur deutlich gelockert.

So sind Personen mit Meistertitel und ähnlichen hochqualifizierten Berufsbildungsabschlüssen nunmehr Personen mit allgemeiner Hochschulreife gleichgestellt. Das bedeutet, sie können sich für jeden Studiengang an jeder Hochschule ihrer Wahl bewerben. Auch Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und mehrjähriger Berufspraxis haben es nun leichter, den Weg an die Hochschule zu finden. In 16 Bundesländern erhalten sie einen fachlich beschränkten Hochschulzugang, d.h. sie können sich um Plätze in Studienfächern bewerben, die eine fachliche Nähe zu ihrer beruflichen Tätigkeit haben.

  1997 2002 2007 2010
Studienanfänger ohne Abitur             1.568 3.240 3.940 9.241
Studierende ohne Abitur 8.447 13.609 15.494 25.706
Absolventen ohne Abitur 528 1.288 1.895 2.856


Eine Hürde bleibt jedoch bestehen: In allen Bundesländern gibt es trotz der übergreifenden Verbesserungen weiterhin sehr viele unterschiedliche Detail- und Ausnahmeregelungen. Studierwillige ohne Abitur müssen sich entsprechend intensiv durch den Dschungel der Verordnungen wühlen, um über die Bedingungen in den einzelnen Bundesländern im Bilde zu sein.

Der Boom beim Studium ohne Abitur wirkt sich in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich aus. So besitzen in Nordrhein-Westfalen, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern zwischen 2,2 Prozent und 4,2 Prozent aller Studienanfänger kein Abitur. Mit diesen Quoten nehmen diese Bundesländer im deutschlandweiten Vergleich die drei Spitzenplätze ein. Thüringen, Sachsen und das Saarland bilden mit Anteilen zwischen 0,9 Prozent und 0,4 Prozent hingegen die Schlusslichter.


Bundesländer-Detailanalyse

  • Nachdem sich Nordrhein-Westfalen bis 2009 eher zögerlich für das Studium ohne Abitur öffnete, hat sich diese Situation nun grundlegend gewandelt. Nunmehr ist die Quote der Studienanfänger ohne Abitur immens nach oben geschnellt und zwar von 1 Prozent im Jahr 2007 auf 4,2 Prozent im Jahr 2010. Dieser Wert übersteigt den Bundesdurchschnitt um das Doppelte und liegt damit im Bundesländervergleich ganz vorne.

  • Berlin weist seit Jahren einen ansteigenden Trend beim Studieren ohne Abitur auf. Nach den jüngsten Zahlen kann der Stadtstaat hier sogar noch weiter zulegen und weist mit 3,7 Prozent die zweithöchste Quote an Studienanfängern ohne Abitur auf.

  • In den ostdeutschen Bundesländern sind die Anfängerquoten beim Studium ohne Abitur mit einem Durchschnittswert von 1,1 Prozent nur halb so hoch wie der Durchschnittswert der westdeutschen Bundesländer. Die große Ausnahme bildet Mecklenburg-Vorpommern. Mit einer Quote von 2,2 Prozent Studienanfängern ohne Abitur liegt der Anteil doppelt so hoch wie der ostdeutsche Durchschnitt. Zudem zeigen sich gegenüber 2007 auch hohe Zuwachsraten. Damit gehört Mecklenburg-Vorpommern zu den drei erfolgreichsten Bundesländern beim Studieren ohne Abitur.


Studienanfänger ohne Abitur nach Bundesländern 2010

(Quote/absolute Zahl)
Baden-Württemberg 0,93% 626
Bayern 1,33% 860
Berlin 3,68% 1.062
Brandenburg 1,78% 169
Bremen 1,70% 119
Hamburg 1,87% 296
Hessen 1,84% 677
Mecklenburg-Vorpommern 2,19% 154
Niedersachsen 1,44% 446
Nordrhein-Westfalen 4,23% 4.134
Rheinland-Pfalz 1,12% 249
Saarland 0,38% 22
Sachsen 0,60% 122
Sachsen-Anhalt 1,26% 127
Schleswig-Holstein 0,94% 91
Thüringen 0,86% 96


Betrachtet man pro Bundesland die drei Hochschulen, die bei Studierenden ohne Abitur am stärksten nachgefragt sind, zeigt sich folgendes Bild:

33 Fachhochschulen, 16 Universitäten und zwei künstlerische Hochschulen weisen auf diesem Sektor besonders hohe Zahlen auf. Dabei sticht die FernUniversität Hagen besonders heraus. Sie ist mit 2.502 Studienanfängern ohne Abitur im Jahr 2010 deutschlandweit die mit Abstand beliebteste Hochschule bei dieser Zielgruppe. Zum Vergleich: Die Hochschule, die nach der FernUniversität Hagen im Bundesgebiet im Jahr 2010 die zweitmeisten Studienanfängern ohne Abitur aufgenommen hat, ist mit 433 beruflich qualifizierten Erstsemestern die Steinbeis-Hochschule in Berlin.


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Studium ohne Abitur

Monitoring der Entwicklungen in Bund, Ländern und Hochschulen

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