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Stifterverband

Von Gipfel zu Gipfel

Bergsteigen im Hochgebirge
Foto: unsplash/ Luke Helgeson

Frau Maas-Brunner, Sie haben als Bergsteigerin schon den Kilimandscharo bezwungen. Wie sehen Sie Ihre neue Aufgabe beim Stifterverband: Ist das eher die Besteigung eines Viertausenders oder doch eines Achttausenders?
Melanie Maas-Brunner: Ich glaube, beim Stifterverband geht es darum, viele kleinere Gipfel zu erstürmen. Es geht ja auch beim Bergsteigen nicht immer nur um den einen großen Gipfel. Für mich ist der schönste Moment, wenn man oben angekommen ist, die Hand an das Gipfelkreuz legt und sagt: „Jetzt haben wir es geschafft!“ Und je mehr man von diesen Erfolgen hat, desto besser ist es.

Herr Kaschke, auf wie vielen kleinen Gipfeln haben Sie in den vergangenen Jahren mit dem Stifterverband gestanden?
Michael Kaschke: (lacht) Ich habe nicht mitgezählt, es waren einige. Aber zwei Berge ragen auf jeden Fall heraus.

Welche waren das?
Kaschke: Zum einen haben wir den Forschungsgipfel – der heißt tatsächlich so, da passt das Bergsteigerbild also besonders gut! – in einen Gipfel für Forschung und Innovation überführt und zu einem Highlight im Jahresverlauf des Stifterverbandes und der Wissenschafts- und Innovationscommunity gemacht. Und der zweite Berg: Wir haben die Zukunftsmission Bildung ins Leben gerufen, in der wir als Stifterverband mit mehr als 700 Initiativen, Stiftungen und Unternehmen die Kräfte für eine bessere Bildung in Deutschland bündeln. 

Porträt Melanie Maas-Brunner
Foto: Stifterverband/Ausserhofer
Melanie Maas-Brunner ist seit 24. Juni 2026 die neue Präsidentin des Stifterverbandes.
Michael Kaschke (Foto: David Ausserhofer)
Michael Kaschke (Foto: David Ausserhofer)
Michael Kaschke führte den Stifterverband seit 2022 als Präsident.

Frau Maas-Brunner, was wollten Sie von Ihrem Vorgänger wissen, bevor Sie sich entschieden haben, das Präsidentenamt anzutreten?
Maas-Brunner: Mir war wichtig, dass man im Stifterverband und mit dem Stifterverband tatsächlich etwas bewegen kann. Das hat Herr Kaschke entschieden bestätigt und die genannten Fakten sprechen ja für sich. Und mir liegt am Herzen, dass man gemeinsam agiert – mit einem Präsidium, einem Vorstand, einer Geschäftsführung und natürlich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die allesamt engagiert an einem Strang ziehen. Genau darauf freue ich mich jetzt für die nächsten Jahre.

War Ihnen gleich klar, dass das ein Amt für Sie ist?
Maas-Brunner: In mir ist seit einigen Jahren schon der Wunsch gereift, mich für Wissenschaft und Bildung zu engagieren. Und der Stifterverband hat in Deutschland die prägendste Rolle dabei, Wissenschaft, Innovation und Bildung voranzubringen. Deshalb haben alle, die mich gut kennen, auch gleich gesagt: „Mach das, das passt zu dir!“ Und gleichzeitig habe ich Respekt davor, dass der Stifterverband eine Institution mit einer mehr als 100 Jahre langen Tradition ist.

„Ich habe in Hongkong erlebt, dass man eine Sache nicht zu Tode analysiert, sondern einfach mal macht und hinterher im Zweifelsfall noch feinjustiert. Das wünsche ich mir auch für Deutschland sehr.“

Dr. Melanie Maas-Brunner, designierte Präsidentin des Stifterverbandes (Foto: David Ausserhofer)
Dr. Melanie Maas-Brunner, designierte Präsidentin des Stifterverbandes (Foto: David Ausserhofer)
Melanie Maas-Brunner
Ehemalige Vorständin der BASF SE

Sie haben beide einen naturwissenschaftlichen Hintergrund. Ist das ein Vorteil für das Amt?
Kaschke: Geschadet hat es jedenfalls nicht (lacht). Es gab ja auch schon Präsidenten mit einem anderen beruflichen Hintergrund, die sehr prägend waren. Jede Zeit hat ihre spezifischen Herausforderungen, denen der Stifterverband begegnen muss, und deshalb ändern sich auch die Anforderungen an die Präsidenten. Im Moment sind in Deutschland die Themen Bildung und Innovation wirklich mit die drängendsten Probleme – und bei diesen Themen hilft ein naturwissenschaftlich-technischer Hintergrund sicher.

Sie haben noch eine Gemeinsamkeit: Sie waren beide während Ihrer Karriere für einige Jahre im Ausland …
Maas-Brunner:  … und ich bin überzeugt davon, dass der Blick über den Tellerrand immer hilft. Ich war fünf Jahre in Hongkong, und was mir dort gut gefallen hat, ist der Pragmatismus, die Aufbruchsstimmung. Ich habe dort öfters in meinem Team erlebt, dass man eine Sache nicht zu Tode analysiert, sondern einfach mal macht und hinterher im Zweifelsfall noch feinjustiert. Das ist eine Herangehensweise, die ich mir für Deutschland sehr wünsche, wenn ich mir unsere jetzige Lage anschaue.

Wie kann sich der Stifterverband da einbringen?
Kaschke: Die Stärke des Stifterverbandes ist, dass er bei allen Themen eine gute Analyse als Grundlage heranzieht, sie sauber zusammenfasst und daraus Vorschläge entwickelt. Und ich habe in den vergangenen Jahren durchaus die Erfahrung gemacht: Wenn wir damit auf die Politik, auf Verbände, auf Stiftungen und andere Organisationen zugehen, dann werden wir gehört und geschätzt. Wir finden offene Türen vor. Das liegt sicher auch daran, dass wir neutral sind und unsere Positionen eher leise, aber nachdenklich vertreten; wir vertreten keine Brancheninteressen, sondern sind dem Innovations- und Bildungssystem verpflichtet.

Maas-Brunner: An genau dieser Stelle würde ich gern in meiner Präsidentschaft anknüpfen: Wir müssen im Innovationssystem erfolgreicher werden. Die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft funktioniert nicht gut genug: Der Transfer von Innovationen in tatsächliche Geschäftsmodelle gelingt zu selten. 

Woran liegt das?
Maas-Brunner: Das ist eine Frage der Perspektive. Zuerst der Blick der Wirtschaft: Unternehmen haben den Anspruch, aus dem eingesetzten Geld das Maximum herauszuholen. Angesichts der Milliardenbeträge, die für Forschung und Innovation ausgegeben werden, kann man sich fragen, ob da wirklich die richtigen Innovationen entstehen, die sich in ein Wachstum für Deutschland umsetzen lassen. Und der Blick aus der Wissenschaft: Wir haben großartige Forscherinnen und Forscher, ausgezeichnete Einrichtungen – kann es also sein, dass die Wirtschaft selbst Schuld ist, wenn sie nicht richtig mit der Wissenschaft kooperiert? Oder liegt es auch an nicht gerade förderlichen Rahmenbedingungen?

Wie lässt sich das auflösen?
Maas-Brunner: Da sehe ich die Rolle des Stifterverbandes. Er ist ein neutraler Akteur mit Partnern auf allen Seiten, der überall Einblicke bekommt – in die Wissenschaft, in die Wirtschaft, in die Politik. Das ist eine hervorragende Ausgangslage für präzise Analysen und für die Ideenentwicklung. 

Kaschke: Genau das ist ja unsere Stärke: Wir schaffen Best-Practice-Beispiele, die als Modell dienen können und sich skalieren lassen. Unser Anspruch ist, möglichst viel Wirkung zu erzielen. Wir müssen noch besser darin werden, dass die Marke Stifterverband mit den richtigen Assoziationen verbunden wird. 

„Unser Anspruch ist, möglichst viel Wirkung zu erzielen.“

Michael Kaschke (Foto: David Ausserhofer)
Michael Kaschke (Foto: David Ausserhofer)
Michael Kaschke

Mit welchen denn?
Kaschke: Mit dem Wort Stiftung verbinden viele etwas Langfristiges, etwas Nachhaltiges. Aber manchmal auch etwas eher Behäbiges. Dass der Stifterverband hochdynamisch und von großer Tatkraft ist, das haben wir immer wieder bewiesen und müssen es auch in Zukunft tun.

Tatsache ist: Der Stifterverband ist schon mehr als 100 Jahre alt. Ist er der gleiche geblieben?
Kaschke: Das wäre schlecht! In 100 Jahren muss man sich mindestens vier-, fünfmal neu erfunden haben, sonst wird es kritisch – das gilt übrigens für jedes Unternehmen und jede Organisation. Aber die Ur-Idee ist immer noch aktuell. Denken wir zurück an die Gründungsmotivation nach dem Ersten Weltkrieg: Wenn wir nicht in Wissenschaft und Bildung investieren, wird die Wirtschaft nie wieder gedeihen. Und da kann man ja durchaus Parallelen zur heutigen Zeit ziehen.

Maas-Brunner: Der Stifterverband hat sich damals gefragt, wie er als Gemeinschaftsinitiative zur Lösung der Not beitragen kann. Und das tun wir immer wieder aufs Neue.

Was wird Ihre erste Amtshandlung als Präsidentin sein, Frau Maas-Brunner?
Maas-Brunner: Ich freue mich sehr auf den Gipfel für Forschung und Innovation, von dem ja eingangs schon die Rede war. Da werde ich viele Partner und Akteure kennenlernen und ein besseres Gespür bekommen für die vielen Zahnräder, die beim Thema Innovation ineinandergreifen. Das wird also direkt der erste Berg, den ich beim Stifterverband besteige.

Jahresbericht: Einfach mal machen!

Jahresbericht des Stifterverbandes 2025/26
Jahresbericht des Stifterverbandes 2025/26

Das vorliegende Interview mit Melanie Maas-Brunner und Michael Kaschke ist Teil unseres neuen Jahresberichts. Der Stifterverband veröffentlicht diesen nicht mehr in gedruckter Form, sondern exklusiv als digitales, interaktives Format. Der Bericht gibt kurzweilige Einblicke in seine Arbeit als Gestalter der Gesellschaft durch Bildung, Wissenschaft und Innovationen.

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