Sie haben beide einen naturwissenschaftlichen Hintergrund. Ist das ein Vorteil für das Amt?
Kaschke: Geschadet hat es jedenfalls nicht (lacht). Es gab ja auch schon Präsidenten mit einem anderen beruflichen Hintergrund, die sehr prägend waren. Jede Zeit hat ihre spezifischen Herausforderungen, denen der Stifterverband begegnen muss, und deshalb ändern sich auch die Anforderungen an die Präsidenten. Im Moment sind in Deutschland die Themen Bildung und Innovation wirklich mit die drängendsten Probleme – und bei diesen Themen hilft ein naturwissenschaftlich-technischer Hintergrund sicher.
Sie haben noch eine Gemeinsamkeit: Sie waren beide während Ihrer Karriere für einige Jahre im Ausland …
Maas-Brunner: … und ich bin überzeugt davon, dass der Blick über den Tellerrand immer hilft. Ich war fünf Jahre in Hongkong, und was mir dort gut gefallen hat, ist der Pragmatismus, die Aufbruchsstimmung. Ich habe dort öfters in meinem Team erlebt, dass man eine Sache nicht zu Tode analysiert, sondern einfach mal macht und hinterher im Zweifelsfall noch feinjustiert. Das ist eine Herangehensweise, die ich mir für Deutschland sehr wünsche, wenn ich mir unsere jetzige Lage anschaue.
Wie kann sich der Stifterverband da einbringen?
Kaschke: Die Stärke des Stifterverbandes ist, dass er bei allen Themen eine gute Analyse als Grundlage heranzieht, sie sauber zusammenfasst und daraus Vorschläge entwickelt. Und ich habe in den vergangenen Jahren durchaus die Erfahrung gemacht: Wenn wir damit auf die Politik, auf Verbände, auf Stiftungen und andere Organisationen zugehen, dann werden wir gehört und geschätzt. Wir finden offene Türen vor. Das liegt sicher auch daran, dass wir neutral sind und unsere Positionen eher leise, aber nachdenklich vertreten; wir vertreten keine Brancheninteressen, sondern sind dem Innovations- und Bildungssystem verpflichtet.
Maas-Brunner: An genau dieser Stelle würde ich gern in meiner Präsidentschaft anknüpfen: Wir müssen im Innovationssystem erfolgreicher werden. Die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft funktioniert nicht gut genug: Der Transfer von Innovationen in tatsächliche Geschäftsmodelle gelingt zu selten.
Woran liegt das?
Maas-Brunner: Das ist eine Frage der Perspektive. Zuerst der Blick der Wirtschaft: Unternehmen haben den Anspruch, aus dem eingesetzten Geld das Maximum herauszuholen. Angesichts der Milliardenbeträge, die für Forschung und Innovation ausgegeben werden, kann man sich fragen, ob da wirklich die richtigen Innovationen entstehen, die sich in ein Wachstum für Deutschland umsetzen lassen. Und der Blick aus der Wissenschaft: Wir haben großartige Forscherinnen und Forscher, ausgezeichnete Einrichtungen – kann es also sein, dass die Wirtschaft selbst Schuld ist, wenn sie nicht richtig mit der Wissenschaft kooperiert? Oder liegt es auch an nicht gerade förderlichen Rahmenbedingungen?
Wie lässt sich das auflösen?
Maas-Brunner: Da sehe ich die Rolle des Stifterverbandes. Er ist ein neutraler Akteur mit Partnern auf allen Seiten, der überall Einblicke bekommt – in die Wissenschaft, in die Wirtschaft, in die Politik. Das ist eine hervorragende Ausgangslage für präzise Analysen und für die Ideenentwicklung.
Kaschke: Genau das ist ja unsere Stärke: Wir schaffen Best-Practice-Beispiele, die als Modell dienen können und sich skalieren lassen. Unser Anspruch ist, möglichst viel Wirkung zu erzielen. Wir müssen noch besser darin werden, dass die Marke Stifterverband mit den richtigen Assoziationen verbunden wird.