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KI-Masterplan 2030

Szenarien zur Entwicklung von Hochschulen in der KI-Transformation

KI-Masterplan 2030 (Cover der Publikation)
KI-Masterplan 2030 (Cover der Publikation)

Der im März 2026 veröffentlichte KI-Masterplan 2030 ist ein Impulspapier zur Auseinandersetzung mit möglichen Zukunftsszenarien zu KI in der Hochschul­bildung. Dabei wird aufgezeigt, wie sich strategische Positionierungen der Hochschulen zu Fragen der KI-Nutzung in der nächsten Zukunft auswirken könnten und welche Schlüsse daraus jetzt gezogen werden sollten.

Die zentrale Empfehlung lautet, KI in der Hochschulbildung strategisch zu planen sowie Prioritäten, Systeme, Prozesse und Fähigkeiten gezielt zu entwickeln. Das ermöglicht es mit mehreren möglichen Szenarien konstruktiv umzugehen und die Zukunft verantwortungsvoll mitgestalten zu können. Es soll ein Anstoß für notwendige strategische Diskurse entstehen. Zentrale Frage ist dabei, wie wünschenswerte Zukünfte der Hochschulbildung im Kontext der KI-Transformation aussehen könnten.

Aktuelle Dynamiken, aber auch Unsicherheiten sollen produktiv genutzt und Hochschulen ermutigt werden, Handlungsoptionen zu erkennen, eigene Lösungen zu finden und souverän wie auch aktiv gestaltungsorientiert in die KI-Zukunft zu blicken.

Es werden dazu vier zugespitzte Zukunftsszenarien entworfen und diskutiert. Diese unterscheiden sich im Grad der KI-Integration (hochintegriert, teilintegriert, KI-frei) und im Grad der Kooperation (gering vernetzt, lokal vernetzt, überregional vernetzt). Die Szenarien wurden auf Grundlage identischer Schlüsselfaktoren entworfen und hinsichtlich ihrer jeweiligen Besonderheiten ausgeführt und hinterfragt.

 

Die vier Szenarien

  • Szenario A: Die kooperative Hochschule
    Ausprägung des Szenarios: im Verbund/KI teilintegriert
    Hochschulen arbeiten in Verbünden zusammen, KI wird bedarfsorientiert eingesetzt.
     
  • Szenario B: Die KI-freie Hochschule
    Ausprägung des Szenarios: lokal organisiert/KI-frei
    Die Hochschule positioniert sich bewusst als KI-freie Gegenwelt zur digitalen Transformation.
     
  • Szenario C: Der digitalisierte Solitär
    Ausprägung des Szenarios: lokal/KI hochintegriert
    Die Hochschule setzt KI maximal ein und organisiert Lehre, Forschung und Verwaltung vollständig digitalisiert.
     
  • Szenario D: Das europäische Bildungsnetzwerk
    Ausprägung des Szenarios: zentral/KI hochintegriert
    KI ist europaweit reguliert und tief integriert – Die Hochschulen sind Teil eines strukturierten, datengetriebenen Systems.
     
Die für den KI-Masterplan 2030 betrachteten Szenarien (Grafik)
Die für den KI-Masterplan 2030 betrachteten Szenarien

 
In der Gegenüberstellung kontrastierender Entwicklungsszenarien werden unterschiedliche Handlungs- und Entscheidungsoptionen sichtbar, die Hochschulen bereits heute offenstehen. Dabei wird deutlich, welche Konsequenzen sich aus richtungsweisenden Entscheidungen ergeben können und welche Risiken und Chancen daraus resultieren. Als Fundament für die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Szenarien wurden handlungsleitende Grundsätze formuliert, die Hochschulleitungen dabei unterstützen können, ihre strategischen Positionierungen zum KI-Einsatz zu schärfen. Übergreifend will der Masterplan Folgendes leisten:

  • Orientierung bieten – durch strukturierte Szenarien als gemeinsamer Ausgangspunkt für strategische Abstimmungen
  • Reflexion anregen – über strategische Entscheidungen in der Hochschulbildung, insbesondere auf den Handlungsfeldern "Governance & Recht", "Infrastruktur & Bildungsressourcen", "Kompetenzen & Curricula" sowie "Internationalisierung"
  • Handlungsfähigkeit stärken – indem Empfehlungen dazu formuliert werden, wie Hochschulen die Transformation aktiv und kollaborativ gestalten können.

 

Die Empfehlungen

Die Szenarien können Hochschulen dabei helfen, eigene Annahmen sichtbar zu machen, Handlungsoptionen systematisch zu vergleichen und Zielkonflikte frühzeitig zu erkennen.

Empfehlung:
Hochschulen können Szenarien als initiales Reflexions- und Planungsinstrument in Strategieprozesse integrieren – etwa zur Überprüfung bestehender KI-Strategien, Governance-Modelle oder Investitionsentscheidungen. Szenarien sind dabei kein Ersatz für Entscheidungen, sondern eine strukturierte Vorbereitung auf sie.

Schlussfolgerungen aus den Szenarien:
Allen Szenarien ist gemein, dass Hochschulen eine aktive KI-Strategie verfolgen. Dies vermeidet die Gefahr von Ad-hoc-Entscheidungen und rein reaktivem Verhalten ohne übergeordnete Gesamtstrategie.

Die Szenarien verdeutlichen, dass je nach Voraussetzungen unterschiedliche Positionierungen möglich und sinnvoll sind, abhängig von Größe, Profil, regionalem Umfeld und strategischem Anspruch der Hochschulen. Auch innerhalb der Hochschulen existieren unterschiedliche fachliche und strukturelle Kontexte.

Empfehlung:
Statt nach einer universellen „Best Practice“ zu suchen, sollten Hochschulen prüfen: Welche spezifischen Anforderungen an der eigenen Hochschule existieren, welche Lösungsansätze für den jeweiligen Hochschultyp besonders geeignet erscheinen und wo hochschulübergreifende Kooperation möglich ist.

Schlussfolgerungen aus den Szenarien:
Die Szenarien machen deutlich, welche Potentiale und Risiken sich für Hochschulen bei den verschiedenen strategischen Zielbildern ergeben. Es liegt bei der einzelnen Hochschule, diese Implikationen für ihre eigenen Prozesse abzuwägen und richtungsweisende Entscheidungen zu treffen.

Die Szenarien stellen verschiedene Kooperationsgrade dar. An ihnen zeigt sich, dass die Aufwände einzelner Hochschulen für KI-Infrastruktur, Bildungsressourcen und Kompetenzaufbau je nach Kooperationsgrad unterschiedlich ausfallen können.

Empfehlung:
Hochschulen sollten strategisch entscheiden, welche Leistungen sie selbst erbringen wollen, welche sie im Verbund besser und effizienter umsetzen können und wo gemeinsame Standards notwendig sind (zum Beispiel Infrastruktur, Datenschutz, Qualifizierung). Kooperation sollte dabei nicht projektförmig, sondern strukturell und langfristig angelegt sein – analog zu etablierten strategischen Hochschulverbünden oder Modellen im Bereich Learning Management System (LMS), HPC oder Forschungsdatenmanagement.

Schlussfolgerungen aus den Szenarien:
Die Szenarien zeigen, dass fehlende Verbundstrukturen entweder zu Abhängigkeiten von kommerziellen Anbietern oder zu ineffizienten Mehrfachbefassungen und Redundanzen führen können. Gleichzeitig können Kooperationen zu erhöhten Koordinationsaufwänden führen.

Die Szenarien machen deutlich: Digitale Souveränität ist kein rein technisches Infrastrukturthema, sondern umfasst rechtliche, organisatorische, didaktische und kulturelle Dimensionen.

Empfehlung:
Strategische Entscheidungen zu KI sollten immer ganzheitlich betrachtet werden. Unbedingt einzubeziehen sind dabei Infrastruktur & Hosting (insb. Datenflüsse und physische Verortung der Rechenhardware), rechtliche Verantwortung (zum Beispiel Anbieter- und Betreiberrollen), Kompetenzaufbau bei Betreibenden und Nutzenden (insbesondere Lehrenden, Studierenden und Führungskräften), didaktische Gestaltungsspielräume (insbesondere Ausrichtung der Infrastruktur auf didaktische Anforderungen), sowie ökologische und soziale Auswirkungen.

Schlussfolgerung aus den Szenarien:
Reduktion auf einzelne Dimensionen (zum Beispiel Technik oder Recht) greift in allen Szenarien zu kurz, um langfristig und umfassend digitale Souveränität sicherzustellen.

Durch die Szenarien wird ersichtlich, dass viele Herausforderungen nicht neu sind, sondern Parallelen zu weiteren Digitalisierungsprozessen aufweisen.

Empfehlung:
Hochschulen sollten bewusst an vorhandene Erfahrungen aus digitalen Transformationsvorhaben anknüpfen und bestehende Expertise, Strukturen, Prozesse sowie Systeme nutzen. So können Governance- und Beteiligungsstrukturen für Strategie- und Umsetzungsprozesse übernommen werden. Die Beteiligung aller Stakeholder inkl. Studierender an Entscheidungsprozessen kann Akzeptanz und aktive Mitarbeit sichern und so die Weiterentwicklung der Hochschulen fördern.

Schlussfolgerung aus den Szenarien:
Ziel ist es, nicht bei null zu beginnen, sondern vorhandenes Wissen aus institutionellen Lernprozessen strategisch zu nutzen.

Zukunftsmission Bildung (Logo)
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Die Taskforce "KI in der Hochschulbildung"
in der Allianz für Future Skills
 
Zur Ausarbeitung von Empfehlungen zu KI in der Hochschulbildung an Hochschulen und Politik wurde 2025 durch den Stifterverband im Rahmen seiner Zukunftsmission Bildung eine Taskforce eingerichtet, die den gesamten Prozess bis zur Veröffentlichung des Diskussionspapiers maßgeblich gestaltete.

Die Taskforce wurde durch den Stifterverband koordiniert und bestand aus 16 externen Mitgliedern. Diese wurden aufgrund ihrer ausgewiesenen Expertise aus mehr als 500 Mitgliedern der Allianz für Future Skills berufen. Sie haben unterschiedliche Funktionen in Hochschulen, Forschungs­einrichtungen und Verbünden. Mitglieder waren unter anderem Hochschulleitungen, Leitungen von zentralen Einrichtungen und von innovativen KI-Projekten. Die Arbeit der Taskforce wurde im Rahmen des Projekts "KI-Masterplan" durch die Dieter Schwarz Stiftung gefördert.

Kontakt

Florian Rampelt
Florian Rampelt

Florian Rampelt

leitet im Stifterverband den Programmbereich "Future Skills & KI" und ist Geschäftsstellenleiter des KI-Campus.

T 0162 1053088

Stefan Göllner
Stefan Göllner

Stefan Göllner

ist Innovationmanager im Stifterverband.

T 0170 2694182

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