Wissenschaftspreis: Forschung in Verantwortung

 
Der Wissenschaftspreis des Stifterverbandes "Forschung in Verantwortung" wird auf Vorschlag der Leibniz-Gemeinschaft für hervorragende Forschungsleistungen vergeben. Mit dem Preis werden wegweisende wissenschaftliche Arbeiten gewürdigt, die von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eines Leibniz-Instituts maßgeblich durchgeführt wurden. Zusätzlich können Partner von außerhalb der Leibniz-Gemeinschaft beteiligt gewesen sein. Der Preis ist mit 30.000 Euro dotiert.

 

Wissenschaftspreis "Forschung in Verantwortung" (Logo)

Ausgezeichnet werden Forschungsarbeiten, deren Ergebnisse die Grundlagen für innovative Anwendungen in Wirtschaft, Politik oder Gesellschaft bilden. Neben der wissenschaftlichen Qualität der Arbeit ist die gesellschaftliche Relevanz und der – zumindest teilweise – Nutzen für potentielle Anwender der Ergebnisse gleichwertiges Auswahlkriterium. Vorschlagsberechtigt sind die Direktorinnen und Direktoren der Leibniz-Einrichtungen sowie die Mitglieder des Senats der Leibniz-Gemeinschaft. Selbstbewerbungen sind nicht zugelassen.

Preisträger 2022: Jörg Overmann

Jörg Overmann (Foto: Michael Hübner/DSMZ)
Foto: DSMZ

Jörg Overmann ist wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts DSMZ – Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen sowie Professor an der Technischen Universität Braunschweig. Er gehört zu den renommiertesten deutschen Mikrobiologen. Er erhält den Wissenschaftspreis in Würdigung seiner wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der mikrobiellen Diversität und seines Engagements für die Biodiversitätsforschung.

Overmanns wissenschaftliches Werk spannt sich von Tiefseebakterien und ihrer Rolle im Kohlenstoffkreislauf bis zum Einfluss von Bakteriengemeinschaften an Pflanzenwurzeln. Seine Forschungsergebnisse schlagen sich in mehr als 300 Publikationen in wissenschaftlichen Fachzeitschriften nieder. Jörg Overmann ist es zudem vielfach gelungen, zuvor nicht kultivierbare Bakterienarten im Labor zu vermehren und sie damit überhaupt erst für die Forschung und Entwicklung zugänglich zu machen. Damit verkörpert er zugleich die Mission des von ihm geleiteten Leibniz-Instituts DSMZ – Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen: Neben der Forschung zu Mikroorganismen widmet sich das Institut der wichtigen Aufgabe, diese zu sammeln, zu kultivieren und sowohl für die akademische Forschung als auch für die wirtschaftliche Entwicklung zugänglich zu machen. Dazu wurde an der DSMZ die Datenbank BacDive etabliert, die die weltweit einzige öffentliche Ressource mit standardisierten und qualitätskontrollierten phänotypischen Daten zu allen bekannten Bakterienarten ist. 

Die Erforschung und Nutzung genetischer Ressourcen steht vor rechtlichen und ethischen Herausforderungen, wenn es um einen geregelten Zugang, einen gerechten Vorteilsausgleich sowie die Berücksichtigung des Artenschutzes geht. Diese Ziele, die völkerrechtlich im Übereinkommen über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) und dem darauf aufbauenden Nagoya-Protokoll geregelt sind, gestalten sich für Mikroorganismen oft komplizierter als für sonstige Lebewesen. Auf der Grundlage seiner eigenen langjährigen Forschungstätigkeit im südlichen Afrika und in Lateinamerika widmet sich Jörg Overmann seit geraumer Zeit der Anwendung der Prinzipien von CBD und Nagoya-Protokoll auf Mikroorganismen. Im Fokus steht hier das Ziel, den offenen Zugang zu lebenswissenschaftlichen Daten wie etwa digitalen Sequenzinformationen weltweit aufrecht zu erhalten und negative Umwälzungen in den Lebenswissenschaften abzuwenden. Hier hat Jörg Overmann zusammen mit einer Gruppe internationaler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 18 Ländern mit der Einrichtung eines multilateralen Fonds zum Vorteilsausgleich bei gleichzeitig beibehaltenem freiem Datenzugang eine Lösung vorgeschlagen.

Forschung in Verantwortung: Preisverleihung 2022 an Jörg Overmann (Foto: Peter Himsel)
Foto: Peter Himsel
Dankesworte von Jörg Overmann bei der Preisverleihung im Rahmen der Jahrestagung der Leibniz-Gemeinschaft am 23. November 2022 in Berlin
Forschung in Verantwortung: Preisverleihung 2022 (Foto: Peter Himsel)
Foto: Peter Himsel
Ansprache von Volker Meyer-Guckel, Generalsekretär des Stifterverbandes, der den Preis offiziell überreichte
Forschung in Verantwortung: Preisverleihung 2022 an Jörg Overmann (Foto: Peter Himsel)
Foto: Peter Himsel
Martina Brockmeier (Präsidentin der Leibniz-Gemeinschaft), Preisträger Jörg Overmann, Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger und Volker Meyer-Guckel (Stifterverband) (v.li.)

Prof. Dr. Jörg Overmann studierte Biologie an den Universitäten Bochum und Freiburg. Er wurde 1991 an der Universität Konstanz im Fach Mikrobiologie promoviert. Es folgten wissenschaftliche Stationen als Post-Doc in Vancouver (Kanada), als wissenschaftlicher Assistent in Oldenburg, wo sich Overmann 1999 habilitierte, sowie als Professor für Mikrobiologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Seit dem Jahr 2010 ist Jörg Overmann wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts DSMZ – Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen in Braunschweig und ordentlicher Professor für Mikrobiologie an der Technischen Universität Braunschweig. Zum vielfältigen Engagement Overmanns zählen unter anderem die Mitgliedschaft in der Ständigen Senatskommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft für Grundsatzfragen der biologischen Vielfalt, die Funktion des Präsidiumsbeauftragten der Leibniz-Gemeinschaft für Ethik der Forschung sowie des stellvertretenden Sprechers des Leibniz-Forschungsnetzwerks Biodiversität.

Esther-Maria Vidal (Foto: Christian Bierwagen)
Foto: TIB/Christian Bierwagen

Preisträgerin 2020: Esther-Maria Vidal
Die Leiterin der Forschungsgruppe "Scientific Data Management" an der TIB – Leibniz-Informationszentrum für Technik und Naturwissenschaften in Hannover wurde für ihre Arbeiten zum wissenschaftlichen Datenmanagement ausgezeichnet. Die Informatikerin widmet sich diesem Thema mit Forschungen zur Optimierung von Datenbankabfragen, zur Visualisierung von Daten durch Wissensgraphen zum Semantic Web, einer Anreicherung von Webdaten mit strukturierten Daten sowie zur Big-Data-Analyse.

Der Wissenschaftspreis "Gesellschaft braucht Wissenschaft" wurde von 2002 bis 2018 vom Stifterverband und der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL) alle zwei Jahre für hervorragende Forschungsleistungen verliehen, die durch ihre gesellschaftliche Relevanz und gute Umsetzbarkeit hervorstechen. Der Wissenschaftspreis "Forschung in Verantwortung" ersetzt ihn von 2020 an.