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Sicherheits­relevante Forschung im Stifterverband

Cybersecurity (Symbolbild) (Foto: Tima Miroshnichenko/Pexels)
Cybersecurity (Symbolbild) (Foto: Tima Miroshnichenko/Pexels)
Missionsorientierung
Schlüsseltechnologien
Einblick
Text
Maik Gebert (Foto: Marcel Schwickerath)
Maik Gebert (Foto: Marcel Schwickerath)
Maik Gebert
Veröffentlicht
03.11.2025

Sicherheitsrelevante Forschung ist weit mehr als militärische Technologieentwicklung – sie ist ein Schlüssel für Resilienz und Innovation. 
Sie verbindet gesellschaftliche Verantwortung, technologische Souveränität und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und ist damit ein zentrales Element moderner Innovationspolitik. Hochschulen tragen dazu bei, Gesellschaft und Technologie sicherer zu machen – von Cybersicherheit bis Krisenprävention.

Der Stifterverband stärkt diesen Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Mit Studien, Fachgesprächen und Handlungsempfehlungen zeigt er Wege, wie Verantwortung, Ethik und Innovation zusammenwirken können – für eine Sicherheitsforschung, die Zukunft gestaltet.

Sicherheit als Innovationsaufgabe

 
Deutschland steht an einem Wendepunkt. Geopolitische Spannungen, technologische Abhängigkeiten und neue Bedrohungslagen verändern die Erwartungen an Wissenschaft und Innovation. Hochschulen sind gefordert, Verantwortung zu übernehmen – als Orte, an denen Wissen für Sicherheit entsteht.

Sie forschen an Cybersicherheit, kritischen Infrastrukturen, Krisentechnologien oder Frühwarnsystemen – nicht als militärische Akteure, sondern als gesellschaftliche Instanzen. Doch veraltete Strukturen und überbordende Bürokratie hemmen das Potenzial:

  • Zwei Drittel der Hochschulen verfügen nicht über ausreichende Sicherheitsinfrastruktur.
  • Sieben von zehn nennen administrative Hürden wie Exportkontrollen, Datenschutz oder Drittmittelverfahren als größte Hemmnisse.
  • Zivilklauseln, ursprünglich als ethische Selbstverpflichtung gedacht, sind oft zu pauschal formuliert und bremsen Forschung, die eigentlich zur zivilen Sicherheit beitragen könnte.

 

Wie der Stifterverband wirkt

 
Vor diesem Hintergrund hat der Stifterverband 2024 und 2025 eine Reihe von Fachgesprächen, Analysen und Dialogformaten initiiert. In zwei digitalen Diskussionsrunden mit Vertreterinnen und Vertretern aus Hochschulen, Wirtschaft, Wissenschaftsorganisationen und Politik wurden die Chancen und Herausforderungen sicherheitsrelevanter Forschung intensiv diskutiert: Der zweite Länder-Roundtable Innovation fand am 7. April 2025 in Berlin statt.

Dabei zeigte sich: Die Grenzen zwischen ziviler und sicherheitsrelevanter Forschung verschwimmen zunehmend. Innovationen in Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz, Robotik oder Materialforschung haben meist sowohl zivile als auch sicherheitsnahe Anwendungen. Entscheidend ist nicht die Abgrenzung, sondern eine verantwortungsvolle Steuerung.

Ein zentrales Ergebnis: Akzeptanz für sicherheitsrelevante Forschung entsteht nur durch Offenheit und Dialog. Hochschulen brauchen ethische Leitplanken, Governance-Strukturen und Transparenz, um Vertrauen zu schaffen – und politische Rahmenbedingungen, die Rechtssicherheit geben, anstatt Innovation zu bremsen.

Wer in Sicherheit investiert, muss auch in das Wissen investieren, das sie möglich macht.

Andrea Frank (Foto: Marcel Schwickerath)
Andrea Frank (Foto: Marcel Schwickerath)

Andrea Frank

Stellvertretende Generalsekretärin des Stifterverbandes

Internationale Perspektive: Austausch bei Falling Walls 2024

 
Im November 2024 war der Stifterverband mit dem Thema "The Role of Science & Innovation in Defense and Security" beim Falling Walls Summit in Berlin vertreten. In einem internationalen Executive Table unter Leitung des Stifterverbands-Generalsekretärs Volker Meyer-Guckel diskutierten führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, politische Entscheidungstragende und Innovationsstrateginnen und -strategen aus Europa, Nordamerika und Israel über die Rolle von Forschung im sicherheitspolitischen Kontext.

Zu den Teilnehmenden zählten unter anderem Robbert Dijkgraaf (Niederlande), Patricia Gruber (US State Department) und Ursula Staudinger (TU Dresden). Die Diskussion machte deutlich: Sicherheit ist kein nationales Thema, sondern eine europäische Gemeinschaftsaufgabe.

Deutschland steht vor der Aufgabe, seine Förder- und Governance-Strukturen für sicherheitsrelevante Forschung neu auszurichten – im europäischen und internationalen Kontext. Es gilt, von erfolgreichen Modellen aus anderen Ländern zu lernen, ohne sie zu kopieren. Der internationale Austausch bei Falling Walls war zugleich Impulsgeber für die anschließende Fachgesprächsreihe des Stifterverbandes in Deutschland.

 

Policy Paper: Mit Sicherheit zu mehr Innovationen

 
Das im Juni 2025 veröffentlichte Policy Paper "Mit Sicherheit zu mehr Innovationen" bündelt die Erkenntnisse aus dem aktuellen Hochschul-Barometer und den Fachgesprächen. Mehr als die Hälfte der deutschen Hochschulleitungen misst sicherheitsrelevanter Forschung wachsende Bedeutung bei. Diese Themen gelten nicht als Risiko, sondern als Chance für technologische Entwicklung, zusätzliche Ressourcen und gesellschaftliche Sicherheit.

Das Policy Paper benennt drei zentrale Handlungsfelder:

  1. Governance modernisieren – Verantwortung ermöglichen statt blockieren 
    Zivilklauseln und langwierige Prüfverfahren sollen durch klare, differenzierte Bewertungsmaßstäbe ersetzt werden, die Risiken und gesellschaftlichen Nutzen gleichermaßen berücksichtigen.
     
  2. Infrastruktur und Ressourcen gezielt ausbauen 
    Sicherheitsrelevante Forschung braucht angemessene Ausstattung. Der Stifterverband schlägt einen Defence Science Infrastructure Fonds vor, um Labore, IT-Sicherheitszentren und Zertifizierungskapazitäten zu fördern.
     
  3. Transfer und Ausbildung stärken 
    Neue Lehrinhalte und Reallabore sollen Ethik, Technologie und Sicherheitsfragen verbinden – und so die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung intensivieren.

 

Kontakt

Maik Gebert (Foto: Marcel Schwickerath)
Maik Gebert (Foto: Marcel Schwickerath)

Maik Gebert

ist Referent für Forschungs- und Innovationspolitik im Stifterverband.

T 030 322982-364

Svetoslava Antonova-Baumann (Foto: Marcel Schwickerath)
Svetoslava Antonova-Baumann (Foto: Marcel Schwickerath)

Dr. Svetoslava Antonova-Baumann

ist Teamleiterin im Fokusthema "Forschung und Innovation systemisch gestalten".

T 030 322982-575

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