Wer sich für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, kurz MINT, interessiert, ist an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Morbach gut aufgehoben. Die rheinland-pfälzische Schule hat sich MINT-Förderung fest ins Schulkonzept geschrieben. Interessierte Schülerinnen und Schüler nehmen an Wettbewerben teil, besuchen Museen und Hochschulen oder bauen in AGs eigene Photovoltaikanlagen. Aktuell errichtet die Schule ihren eigenen Makerspace. Dass solche Angebote möglich sind, liegt auch an den starken Kooperationen der Schule: mit den MINT-Netzwerken des Bundeslandes, Stiftungen, Hochschulen. „Wir brauchen Fördergelder, um die Schule gut auszustatten. Und bei unseren MINT-Fahrten bekommen die Jugendlichen Einblicke, die wir ihnen hier nicht bieten können“, sagt Lehrerin Susanne Ruhk. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Christian Feil ist sie MINT-Koordinatorin an der Schule.
Noch vor vier Jahren spielte MINT kaum eine Rolle an der IGS Morbach. „Eine Praktikantin hat uns auf die Idee gebracht. Sie war vorher an einer Schule mit vielen MINT-Aktivitäten. So etwas wollten wir auch anbieten“, erzählt Ruhk. Das Beispiel zeigt, wie viel engagierte Lehrkräfte mithilfe von Kooperationen in wenigen Jahren aufbauen können. Es zeigt auch: Ob Schulen Kooperationen eingehen, hängt vom Zufall und von dem Einsatz einzelner Lehrkräfte ab.
Zukunftsmission Bildung · außerschulisches Lernen
Bildung als Teamaufgabe
Mit breiten Kompetenzen, Selbstvertrauen und Lust auf Teilhabe sollen junge Menschen die Schule verlassen. Außerschulische Kooperationspartner spielen eine entscheidende Rolle, damit das gelingt – aber die Zusammenarbeit birgt für Schulen und Partner auch Herausforderungen. Mit der Zukunftsmission Bildung will der Stifterverband erreichen, dass beide Seiten das Beste aus außerschulischen Kooperationen herausholen.
Wie außerschulische Kooperationen gelingen
In einem Modellprojekt in Rheinland-Pfalz hat die Allianz für Schule Plus zusammen mit dem Bildungsministerium des Landes ermittelt, welche Faktoren zum Gelingen außerschulischer MINT-Kooperationen beitragen. Auch die Erfahrungen der IGS Morbach sind in das Modellprojekt eingeflossen. Insgesamt zehn Gelingensbedingungen konnte das Projekt identifizieren. So sollten Kooperationen unter anderem in Schulkonzept und ‑organisation verankert sein und zielgruppengerecht, lebensweltorientiert und diversitätssensibel alle Schülerinnen und Schüler ansprechen. Sowohl Lehrkräfte und Schulleitungen als auch außerschulische Partner brauchen Kompetenzen, um Kooperationen einzugehen und Projekte zu entwickeln. Ebenfalls wichtig: Verlässlichkeit, langfristige Perspektiven und persönliche Beziehungen zwischen Lehrkräften und Partnern. Zentral sind außerdem die zeitlichen, personellen und organisatorischen Ressourcen an der Schule, um Kooperationen strategisch zu gestalten.
„Ich wünsche mir, dass Schulen zu Lebensknotenpunkten werden, an denen sich nicht nur Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler begegnen, sondern auch Eltern und andere engagierte Menschen aus dem Stadtteil.“
Bildung ist die gemeinsame Aufgabe von Schule und Zivilgesellschaft
Nicht nur in Osburg hängt viel davon ab, wie gut sich Schulen und außerschulische Partner abstimmen. Häufig gibt es an Schulen keine festen Ansprechpersonen für Kooperationen. Im stressigen Unterrichtsalltag bleibt nur wenig Zeit, um außerschulische Partner enger einzubinden und zum Beispiel über Unterrichtsthemen oder Schulentwicklungsziele zu informieren. Umgekehrt fällt es außerschulischen Partnern nicht immer leicht, passgenaue Angebote für die Kinder und Jugendlichen zu entwickeln. Sind sie nur punktuell an einer Schule aktiv, können sie den Wissensstand kaum einschätzen. Hinzu kommt: Pädagogisch sind sie häufig nicht so gut ausgebildet wie Lehrkräfte.
Allerdings sei es auch gar nicht ihr Anspruch, Lehrkräfte zu ersetzen, sagt Oliver Beddies, Bereichsleiter Bildungslandschaft und Sprachbildung bei der Stiftung Polytechnische Gesellschaft (SPTG). Dafür seien Lernangebote außerschulischer Partner häufig spielerischer und dadurch besonders motivierend. Die SPTG fördert Bildungs- und Teilhabeprojekte in Frankfurt, zum Beispiel ein Sommercamp zur Deutschförderung oder ein Stipendium, das begabte Kinder und ihre Eltern bei dem Übergang auf die weiterführende Schule begleitet. „Wir verstehen Bildung als Gemeinschaftsaufgabe von Schulen und Zivilgesellschaft – heute mehr denn je, weil die Bedarfe der Kinder sehr gestiegen sind“, sagt Beddies. „Als Frankfurter Stiftung verfolgen wir das Ziel, dass sich Menschen für diese Stadt engagieren. Unsere Projekte sollen sie dazu befähigen. Zum Beispiel nehmen wir Sprachförderung so ernst, weil ohne Sprachkenntnisse Kommunikation und Teilhabe sehr schwierig sind.“
Beddies ist Mitglied im Sounding Board der Allianz für Schule Plus, zusammen mit 29 weiteren Vertreterinnen und Vertretern von Stiftungen, Verbänden und Unternehmen. Das Gremium tauscht sich zu den Aktivitäten der Allianz aus und bestimmt zusammen mit einer Impulsgruppe die Marschrichtung. Gemeinsam mit dem Stifterverband und weiteren Partnern haben alle Beteiligten eine Charta verabschiedet, die die Ziele und Arbeitsweisen der Allianz für Schule Plus beschreibt. Dort heißt es: „Zum Bildungssystem gehören unserem Verständnis nach Schulen und außerschulische Bildungsakteure gleichermaßen – sie leisten eigenständige und gleichwertige Beiträge dafür, dass jedes Kind bestmöglich und frühestmöglich entsprechend seinen Interessen und Stärken gefördert werden kann, um sein individuelles Potenzial voll ausschöpfen zu können.“ Diversität und Vielfalt gelten laut der Charta als Normalität, die Förderung von Chancengerechtigkeit gehört zu den Grundprinzipien der Allianz. Beddies möchte mit seinem Einsatz erreichen, dass Schulen und außerschulische Partner enger zusammenwachsen. „Ich wünsche mir, dass Schulen zu Lebensknotenpunkten werden, an denen sich nicht nur Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler begegnen, sondern auch Eltern und andere engagierte Menschen aus dem Stadtteil“, beschreibt Beddies seine Vision. „Schulen sollen Orte sein, an denen eine vielfältige und ganzheitliche Bildungsarbeit für Geist und Körper stattfindet.“
Warum das wichtig ist
Mit der Zukunftsmission Bildung will der Stifterverband ein Bildungssystem für eine Welt im Wandel gestalten, das schnell mehr Menschen mit den notwendigen Kompetenzen aus- und weiterbildet. Dazu bringt er relevante Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft in einer Gemeinschaftsinitiative zusammen und entwickelt gemeinsam mit ihnen Aktivitäten in vier starken Allianzen. Denn um die großen Herausforderungen im Bildungssystem zu lösen, braucht es wirkungsvolle Umsetzungspartnerschaften – die gegenüber der Politik mit einer Stimme sprechen, gemeinsame Ziele verfolgen und die Rahmenbedingungen so förderlich gestalten, dass langfristige Verbesserungen im Bildungssystem wirksam werden.