Lehrkräftebildung für die Schule der Vielfalt

Professioneller Umgang mit Migration und Mehrsprachigkeit

Die kulturelle, religiöse und soziale Heterogenität von Schülerinnen und Schülern nimmt immer mehr zu. Sind angehende Lehrkräfte darauf hinreichend vorbereitet? Können sie diese Herausforderung vielleicht sogar als Chance für eine Schule der Vielfalt be- und ergreifen? Ein nachhaltig angelegtes Qualifizierungskonzept würde als Grundlage jeglicher pädagogischer Bildung vorsehen, sich mit den Folgen gesellschaftlicher Heterogenität für Erziehung und Bildung zu beschäftigen. Die Studie "Lehrerbildung in der Einwanderungsgesellschaft" des Sachverständigenrats
Deutscher Stiftungen für Integration und Migration aus dem Jahr 2016 stellt dagegen fest, dass angehende Lehrkräfte lediglich in fünf Bundesländern systematisch den Umgang mit sprachlicher und kultureller Vielfalt erlernen. Viele Lehrkräfte stehen infolgedessen vor Schulklassen, ohne hinreichend auf die Diversität der Schülerschaft vorbereitet zu sein. Das ist besorgniserregend angesichts der Tatsache, dass Schulen eine so wichtige Integrationsaufgabe zu bewältigen haben. Der Stifterverband, die Stiftung Mercator und die Schöpflin Stiftung haben deshalb gemeinsam das Netzwerk "Stark durch Diversität – Förderung interkultureller Kompetenzen in der Lehramtsausbildung" initiiert.

Neben der Förderung von Hochschulkonzepten, die Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache in die Lehrkräftebildung integrieren, wurden weitere Hochschulen ins Netzwerk eingeladen, die die Ausbildung interkultureller Kompetenzen angehender Lehrkräfte vorantreiben. 16 Hochschulen trafen sich zwischen 2017 und 2019, um ihre unterschiedlichen Ansätze zu diskutieren und im kollegialen Austausch die jeweiligen Herausforderungen zu beraten. Entsprechend der Zielsetzung des Netzwerks, Wissenschaft und (Schul-) Praxis miteinander zu vernetzen, fanden sich unter den Teilnehmenden sowohl Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Qualifikationsstufen, (abgeordnete) Lehrkräfte sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Institutionen mit hohem Praxisbezug (wie etwa die SchlaU-Schule aus München und Teach First Deutschland).

Auf der Basis konkreter Projekterfahrungen wurde der Theorie-Praxis-Transfer innerhalb des Lehramtsstudiums fokussiert. Die unterschiedlichen Projekte eröffneten angehenden Lehrkräften die Möglichkeit, sich für das Unterrichten von Schülerinnen und Schülern in kulturell und sprachlich diversen Klassen im Rahmen von Praxisphasen zu qualifizieren. Durch die Begleitung seitens der Hochschulen wurden regelmäßige Reflexionsangebote eröffnet, die die Studierenden für interkulturelle Lernkontexte weiter sensibilisierten. Die Netzwerkprojekte haben ihre jeweiligen Hochschulen durch neue und vor allem fassbare Konzepte der Verschränkung von Theorieanteilen und Praxisphasen bereichert.

Die im November 2019 veröffentlichte Handreichung ist aus der Arbeit des Netzwerks entstanden und versteht sich als Beitrag zur Diskussion über die Zukunftsfähigkeit der Lehrkräftebildung in der Migrationsgesellschaft. Die Mitglieder des Netzwerks "Stark durch Diversität" sind sich darin einig, dass die künftigen Lehrkräfte die Heterogenität ihrer Schülerschaft als Ressource begreifen müssen, um ihren Unterricht dementsprechend diversitätswertschätzend gestalten zu können. Denn nur wenn dies gelingt, wird die "Schule der Vielfalt" zur Selbstverständlichkeit und zu einem Ort der Potenzialförderung für alle Schülerinnen und Schüler.

Lehrkräftebildung für die Schule der Vielfalt
Edition Stifterverband: Essen 2019
ISBN: 978-3-92275-93-0
116 Seiten

Aus dem Inhalt:

  • Wahl oder Pflicht – Interkulturelle Bildung im Lehramtsstudium
  • Umgang mit sprachlicher Vielfalt im Fachunterricht
  • Angehende Lehrkräfte für religiöse und kulturelle Vielfalt sensibilisieren
  • Elternkooperation und Umfeldarbeit
  • Selbstreflexive Haltungen entwickeln
  • Von der DaZ-Klasse in den Regelunterricht

 

 

Kontakt

Pia Rojahn

ist Programmmanagerin im Bereich
"Programm und Förderung".

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