Erwin-Schrödinger-Preis

Der Erwin-Schrödinger-Preis, den der Stifterverband auf Vorschlag der Helmholtz-Gemeinschaft vergibt, zeichnet wissenschaftliche oder technisch innovative Leistungen aus, die in Grenzgebieten zwischen verschiedenen Fächern der Medizin, Natur- und Ingenieurwissenschaften erzielt worden sind.

Vertreter von mindestens zwei Fachrichtungen müssen an den Arbeiten mitgewirkt haben. Der Namensgeber des Preises, Erwin Schrödinger (1887-1961) war Physik-Nobelpreisträger, hat aber gleichzeitig die Entwicklung der Biologie nachhaltig beeinflusst.

Der Preis wird jährlich im Rahmen der Helmholtz-Jahrestagung übergeben und abwechselnd vom Stifterverband und der Helmholtz-Gemeinschaft mit 50.000 Euro dotiert.

 

Preisträger 2018

  • Matthias Eder, Universität Freiburg, DKTK und DKFZ
  • Michael Eisenhut, DKFZ (emeritiert)
  • Uwe Haberkorn, Universitätsklinikum Heidelberg und DKFZ
  • Klaus Kopka, DKFZ

Prostatakrebs erkennen und therapieren

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Video zum Erwin-Schrödinger-Preis 2018

Dass die Entdeckung das Zeug zu einem großen Erfolg hat, merkte Uwe Haberkorn schon früh. "Wir testeten gerade einen neuen Wirkstoff, mit dem sich Prostatakrebs besser erkennen lassen sollte", erinnert sich der ärztliche Direktor der Abteilung Nuklearmedizin am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. "Und auf einmal sagten mir die Strahlentherapeuten und Urologen, dass sie für die Diagnostik nur noch mit diesem neuen Wirkstoff arbeiten wollen." Viel schärfer und klarer erkennbar waren die Aufnahmen von den Krebszellen auf ihren Bildschirmen als bei allen vorherigen Methoden. Gerade einmal sieben Jahre liegt dieser Moment zurück; heute haben weltweit bereits mehrere hunderttausend Patienten von der Heidelberger Erfindung profitiert.

Der Ausgangspunkt der Entdeckung: PSMA, das Prostata-spezifische Membran-Antigen, ist auf der Oberfläche gesunder Prostatazellen vorhanden, ein Vielfaches mehr aber auf Prostatakrebszellen. Im restlichen Körper kommt das Protein kaum vor. Diesen Umstand hat sich ein interdisziplinäres Forscherteam aus Heidelberg zunutze gemacht und ein kleines Molekül entwickelt, das einerseits an diesem Antigen andockt und sich andererseits mit verschiedenen schwach radioaktiven Substanzen, so genannten Radionukliden, markieren lässt. Injizieren die Forscher das Molekül in die Blutbahn eines Patienten, so bleibt es gewissermaßen an den Prostatakrebszellen hängen. Der radioaktive Anteil des Moleküls sorgt dafür, dass die Ansammlungen des Moleküls an den Krebszellen sichtbar werden. In sogenannter Positronen-Emissions-Tomographie (PET), erkennen die Ärzte dank dieser Markierungen selbst kleinste Herde von Prostatakrebszellen.

Neben dem Nuklearmediziner Uwe Haberkorn gehören zum Forscherteam auch zwei Chemiker und ein Biotechnologe. "Genau diese Kombination unterschiedlicher Fachrichtungen hat unsere Arbeit erst möglich gemacht – und den Durchbruch in dieser kurzen Zeit", sagt Klaus Kopka. Der Abteilungsleiter im Bereich Radiopharmazeutische Chemie am DKFZ spricht von einer "Erfindergemeinde", die hinter dem Projekt steht. Zu ihr zählen neben Kopka und Haberkorn auch der Chemiker Michael Eisenhut (DKFZ, emeritiert) sowie der Biotechnologe Matthias Eder (Universitätsklinikum Freiburg und DKTK).

Foto: Helmholtz/Boris Kramarić
Preisverleihung im Rahmen der Jahrestagung der Helmholtz Gemeinschaft am 11. September 2018

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist das Erfolgsrezept des Projekts: "Wir Radiopharmazeuten zum Beispiel sind natürlich weltweit auf Kongressen im Kontakt mit Nuklearmedizinern", sagt Matthias Eder – "aber entscheidend war bei diesem Projekt der Kontakt vor Ort. Wir haben gemeinsame Seminare veranstaltet, über unsere Ergebnisse diskutiert und waren so nah beieinander, dass wir uns problemlos auch zwischendurch einmal zusammensetzen konnten."

Mit ihrer Entwicklung, die mit einem Gedankenspiel unter Kollegen in Heidelberg begann, konnten Mediziner in aller Welt inzwischen ihren Patienten neue Hoffnung machen. Uwe Haberkorn kommentiert diese Erfolge in aller Bescheidenheit: "Natürlich freut man sich", sagt er, "wenn es etwas taugt, was man entwickelt hat."

Preisträger 2017

Riesige Datenmengen aus winzigen Zellen
Prof. Dr. Dr. Fabian Theis, Helmholtz Zentrum München und Technische Universität München
Prof. Dr. Timm Schroeder, ETH Zürich in Basel
Dr. Carsten Marr, ebenfalls Helmholtz Zentrum München
Dr. Laleh Haghverdi, EMBL-EBI Hinxton

Das Forscherteam hat mehrere Methoden entwickelt, um Zellpopulationen differenzierter zu beschreiben. Damit können sie unter anderem vorhersagen, wie sich einzelne Blutzellen entwickeln und erklären, warum sie das tun. Diese Erkenntnisse der grundlegenden Zellforschung erleichtern es beispielsweise, Autoimmunerkrankungen oder Leukämien besser zu verstehen und künftig optimal behandeln zu können. Dafür arbeitete das Team mit großen Datenmengen aus der zeitaufgelösten Einzelzellmikroskopie, mit genomischen oder proteomischen Daten einzelner Zellen sowie mit Algorithmen und Methoden aus der Mathematik und dem maschinellen Lernen.

Preisträger 2016

Revolution in der Petrischale
Martin Bastmeyer, Karlsruher Institut für Technologie
Christopher Barner-Kowollik, Karlsruher Institut für Technologie
Martin Wegener, Karlsruher Institut für Technologie

Der dreidimensionale Druck ist ein weltweiter Trend, der in immer mehr Anwendungsgebieten zum Einsatz kommt, etwa der Spielzeug- oder Automobilindustrie. Im Mikro- und Nanobereich könnte er vor allem bei der künstlichen Herstellung von biologischem Gewebe ("Tissue Engineering") neue Erkenntnisse bringen, zum Beispiel bei der Fertigung von 3-D-Designer-Petrischalen: Drei Wissenschaftler des KIT haben eine Methode entwickelt, um flexible und dreidimensionale Mikrogerüste aufzubauen, in denen sie Zellkulturen in einem maßgeschneidertem Milieu züchten und erforschen können.

Preisträger 2015

Quantenkryptographie hebt ab
Dipl.-Ing. Martin Brechtelsbauer, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Dr. Stefan Frick, Ludwig-Maximilians-Universität München
Christian Fuchs, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Dr.-Ing. Dirk Giggenbach, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Dipl.-Ing. Joachim Horwarth, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Dipl.-Ing. Florian Moll, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Dr. Sebastian Nauerth, Ludwig-Maximilians-Universität München
Bernd Oeste, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Dr. Markus Rau, Ludwig-Maximilians-Universität München
Prof. Dr. Harald Weinfurter, Ludwig-Maximilians-Universität München

Ein abhörsicherer Informationsaustausch rund um den Globus – das ist die Vision der beiden ausgezeichneten Forschergruppen. In dem Projekt "Air-ground Quantum Key Distribution" ist es den Teams gelungen, die Methode der Quantenkryptographie zum Fliegen zu bringen. Funktionierte diese Verschlüsselungstechnik bisher nur in der Glasfaser und damit mit begrenzter Reichweite, so konnten die Wissenschaftler das Verfahren mit fliegenden Objekten erfolgreich testen. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, um mit diesem Verfahren in einem nächsten Schritt eine sichere Datenübertragung über Satelliten und damit weltweit zu ermöglichen.

Preisträger 2014

Allein gegen das Fett
Prof. Dr. Matthias Tschöp, Helmholtz Zentrum München
Prof. Dr. Richard DiMarchi, Indiana University
Dr. Kerstin Stemmer, Helmholtz Zentrum München
Dr. Brian Finan, Helmholtz Zentrum München

Ein einzelnes Molekül kann Hoffnungsträger für Millionen Menschen werden: Forscher haben zwei Hormone, die im Darm gebildet werden, zu einem einzigen Molekül zusammenfügt. Diese Hormonkombination wirkt an den Rezeptoren der Insulin-stimulierenden Hormone und kann so bei Patienten mit Adipositas oder Typ-2-Diabetes den Blutzuckerwert senken. Durch den neuen therapeutischen Ansatz könnten in den kommenden Jahren beide Krankheiten, die die Vereinten Nationen und die WHO zu den größten medizinischen Herausforderungen für die moderne Gesellschaft zählen, erfolgreich behandelbar werden.

Preisträger 2013

Viehhaltung in Steppen- und Präriegebieten reduziert die Emission von Treibhausgas
Forscherteam um Klaus Butterbach-Bahl vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass großflächige Beweidung zur stetig wachsenden Lachgaskonzentration in der Atmosphäre und damit zur globalen Erderwärmung beiträgt. Doch im Gegenteil: Dass Viehhaltung in Steppen- und Präriegebieten die Emission des Treibhausgases verringert, konnte ein fünfköpfiges Forscherteam um Klaus Butterbach-Bahl in einer Langzeitstudie nachweisen.

Preisträger 2012

Entwicklung eines gedankengesteuerten Roboter-Arms
Prof. Dr. Patrick van der Smagt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Prof. Dr. John P. Donoghue von der Brown University, USA

Das von van der Smagt und Donoghue entwickelte Assistenz-System ist weltweit einzigartig: Querschnittsgelähmte Patienten können allein durch ihre Gedanken einen Greifarm steuern. Dafür haben die Forscher eine lernende Software entwickelt, die Signale aus dem Gehirn des Patienten in Steuerungssignale für den Greifarm übersetzt. 2011 gelang es einer Patientin, die seit 15 Jahren vom Hals abwärts gelähmt ist, mit der neuen Armprothese einen Strohhalm zum Mund zu führen. So konnte die Patientin erstmals seit ihrem Schlaganfall wieder selbstständig trinken. Zur Steuerung des Greifarms musste sie kein aufwendiges Training absolvieren, sondern sich nur vorstellen, ihren eigenen Arm entsprechend zu bewegen. Diese Vorstellung erzeugte Signale im motorischen Kortex, dem Bereich des Gehirns, der für die Steuerung der Bewegung zuständig ist. Ein kleines, mit der Brown University entwickeltes Implantat im Schädel der Patientin leitete diese Signale weiter. 

Preisträger 2011

Molekulares Echtzeit-Bildgebungsverfahren für Tumorzellen
Prof. Vasilis Ntziachristos, Institut für biologische und medizinische Bildgebung am Helmholtz Zentrum München
Prof. Gooitzen Michell van Dam, University Medical Center Groningen

Operationen und endoskopische Eingriffe werden bis heute größtenteils vom menschlichen Auge geleitet. Die Sicht in den Körper ist dabei sehr begrenzt, denn selbst mit modernen Techniken kann der Chirurg nur in obere Gewebeschichten schauen. Sehr kleine, verborgene Tumore bleiben praktisch unsichtbar. Die neue Technik basiert auf einer Echtzeitkamera, die Fluoreszenz im Gewebe erfassen kann. Dadurch lassen sich winzige Tumore im Innern des Körpers aufspüren, ohne dabei umliegendes Gewebe zu verletzen. Nun können die Chirurgen schon während der Operation die Ergebnisse auswerten.

Preisträger 2010

Entwicklung eines Arsendetektors
Professor Dr. Hauke Harms, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ
Dr. Mona C. Wells, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ
Professor Dr. Jan-Roelof van der Meer, Universität Lausanne (Schweiz)

Arsen ist hochgiftig und gerät in manchen Regionen der Erde durch die geologischen Verhältnisse oder Bergbauaktivitäten ins Trinkwasser. Bisher waren aufwändige chemische Analysen nötig, um die Arsenbelastung zu ermitteln, aber nun gibt es ein neues biologisches Testverfahren, das preiswert zuverlässige Aussagen trifft und auch von Laien fachgerecht angewendet werden kann. Das Verfahren basiert auf Erkenntnissen aus der Mikrobiologie und nutzt gentechnisch veränderte Bakterien als so genannte Bioreporter. In den letzten Jahren haben die Wissenschaftler das Verfahren in Messkampagnen in Vietnam und Bangladesch erprobt und gezeigt, dass der sogenannte ARSOlux-Test auch im Einsatz robuste Ergebnisse zeigt. Die Wissenschaftler haben das patentierte Verfahren nun bis zur Marktreife weiterentwickelt und planen ein Unternehmen zu gründen, das ab 2011 die Messgeräte und dazu passenden Testkits produzieren und vertreiben wird.

Preisträger 2009

Werkstoff zur Herstellung von Wirbelsäulenimplantaten
Dr. Martin Bram, Forschungszentrum Jülich
Dr. Hans-Peter Buchkremer, Forschungszentrum Jülich
Prof. Dr. Detlev Stöver, Forschungszentrum Jülich
Dr. Thomas Imwinkelried, Synthes (Schweiz)

Die Jülicher Experten haben ein patentiertes Herstellungsverfahren entwickelt, um maßgeschneiderte Poren in High-Tech-Werkstoffen zu erzeugen. In enger Zusammenarbeit mit Dr. Thomas Imwinkelried vom Schweizer Unternehmen Synthes haben die Wissenschaftler das Verfahren für Titan optimiert, bis die Poren genau die richtige Größe hatten, um die Besiedelung mit Knochenzellen und das Einwachsen des Knochens zu ermöglichen. Auf diese Weise wird das Implantat binnen kurzer Zeit fest im Körper verankert und sorgt für Stabilität und Schmerzfreiheit. Trotz der hohen Porosität erfüllt das Implantat alle Anforderungen, die unter starken, dauerhaften und wiederholten Belastungen im menschlichen Bewegungsablauf auftreten. Die Firma Synthes, der Weltmarktführer in Osteosynthese sowie Kiefer- und Wirbelsäulenchirurgie, übernahm die für die Markteinführung notwendigen Tests ausgehend von Zellkulturversuchen bis hin zu den klinischen Vorstudien. Synthes vertreibt die Implantate mit dem Jülicher Know-how unter dem Markennamen "PlivioPore".

Preisträger 2008

"Schaltplan" für Proteine des Menschen entwickelt
Prof. Dr. Erich E. Wanker, Max-Delbrück-Centrum für molekulare Medizin (MDC)
Dr. Ulrich Stelzl, Max-Planck-Institut für molekulare Genetik
Dipl.-Ing. Christian Hänig, Max-Delbrück-Centrum für molekulare Medizin (MDC)
M.Sc. Gautam Chaurasia, Humboldt-Universität zu Berlin
Dr. Matthias Futschik, Humboldt-Universität zu Berlin

Den Forschern war es gelungen eine Karte aufzubauen, auf der 3 200 Proteinwechselwirkungen zwischen 1 700 Proteinen dargestellt sind. Außerdem konnten sie 195 Proteine und ihre Kooperationspartner identifizieren, die mit verschiedenen Krankheiten in Verbindung gebracht werden und 342 bisher nicht charakterisierte Proteine bekannten Signalwegen zuordnen.

Die umfangreichen Untersuchungen zu menschlichen Proteinwechselwirkungen waren nur mit einer speziell entwickelten Technik möglich, dem so genannten automatisierten Hefe-2-Hybrid-System. Bei dieser Methode werden Hefezellen eingesetzt, um die Bindungspartner der Proteine zu identifizieren. "Was früher mühsam mit der Hand durchgeführt werden musste, wird jetzt durch ein Robotersystem blitzschnell abgearbeitet", erklärt Wanker. "Wir hätten es sonst niemals geschafft, über 25 Millionen einzelne Experimente durchzuführen, um zu
überprüfen, ob bestimmte Proteinpaare miteinander zusammenarbeiten."

Preisträger 2007

Analyse der Strategien von Bakterien in komplexen, natürlichen Umgebungen
Dr. Burkhard A. Hense, Helmholtz Zentrum München
Dr. Christina Kuttler, Helmholtz Zentrum München
Prof. Dr. Johannes Müller, Helmholtz Zentrum München und TU München
Dr. Michael Rothballer, Helmholtz Zentrum München
Prof. Dr. Anton Hartmann, Helmholtz Zentrum München
Dr. Jan-Ulrich Kreft, Universität Bonn

Auch Bakterien "reden" miteinander: Sie senden chemische Botenstoffe aus, die von Artgenossen aufgenommen werden. Doch was haben sie sich zu sagen? Und wie leiten sie daraus ab, was sie tun müssen? Denn bakterielle Gemeinschaften sind zu erstaunlich komplexen, kollektiven Handlungen imstande. Sie können zum Beispiel einen Biofilm bilden oder Stoffe produzieren, um unter widrigen Bedingungen zu überleben. Entdeckt wurde die mikrobielle Kommunikation zunächst unter stark vereinfachten Bedingungen im Labor. So begannen Kulturen des Leuchtbakteriums Vibrio fischeri stets ab einer bestimmten Zelldichte zu leuchten. Dieser Schwellenwert - Quorum - wurde offensichtlich als Startschuss für die chemische Leucht-Reaktion verstanden (Quorum Sensing). Allerdings hatte diese Erklärung einen Schwachpunkt: Von der Leucht-Reaktion ihrer Artgenossen profitierten eben auch solche Bakterien, die ihren Stoffwechsel schonten. Solche "Schmarotzer" würden sich jedoch über kurz oder lang stärker vermehren und damit das kooperative Phänomen zum Erliegen bringen.

Die andere Erklärung kommt ohne Kooperation aus: Denn die Bakterien könnten auch einfach aus der Konzentration der Signalmoleküle ableiten, wie viel freier Raum in ihrer unmittelbaren Umgebung zur Verfügung steht (Diffusion Sensing). Allerdings vernachlässigt diese Theorie die Bedeutung der räumlichen Verteilung der Bakterien in ihrem Lebensraum.

Nun hat eine Gruppe aus Biomathematikern und Biologen vom Helmholtz-Zentrum GSF und der Universität Bonn gezeigt, dass Bakterien in natürlichen Umgebungen, die weitaus komplexer sind, eine Gesamtstrategie nutzen, die sich nur in einfachen Extremfällen auf Diffusion Sensing oder Quorum Sensing reduzieren lässt. Erst mit dieser Gesamtstrategie, dem "Efficiency Sensing" können Bakterien feststellen, ob sich in ihrer Umwelt der Energieaufwand lohnt, um Antibiotika zu produzieren oder einen Biofilm zu bilden. Die Wissenschaftler untersuchten dafür den Lebensraum an Wurzeloberflächen im Boden, die so genannte Rhizosphäre. Hier findet sich ein hochkomplexes und kleinräumig verzahntes Gemisch aus Feststoffen, Gelen, Flüssigkeiten und Gasen, in denen zahllose Organismen und Lebensgemeinschaften kreuz und quer miteinander "palavern".

Preisträger 2006

Zehnmal heißer als das Innere der Sonne: Wissenschaftler entwickeln neuartige Heizung für den Fusionstestreaktor ITER
Dr. Hans-Dieter Falter, Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP)
Dr. Werner Kraus, Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP)
Dr. habil. Ursel Fantz, Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP)
Dr. Peter Franzen, Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP)
Dr. Eckehart Speth, Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP)

Bei der Kernfusion soll die Energie gewonnen werden, die bei der Verschmelzung von zwei Wasserstoffatomen zu Helium frei wird - ein Prozess, der auf der Sonne schon seit Ewigkeiten funktioniert. Dazu muss der Brennstoff - ein Wasserstoff-Plasma - zunächst auf über 100 Millionen Grad aufgeheizt werden. Um diese technische Herausforderung zu meistern, werden schnelle Wasserstoffatome in das Plasma geschossen, wo sie beim Zusammenstoßen ihre Energie abgeben. Die Atome werden zunächst als geladene Teilchen beschleunigt und vor dem Eintritt in das Plasma wieder neutralisiert.

Die internationale Testanlage ITER (lat. "der Weg"), die in Cadarache/Südfrankreich gebaut wird, ist der nächste große Schritt der weltweiten Fusionsforschung. Mit 500 Megawatt erzeugter Fusionsleistung soll ITER erstmals zeigen, dass ein Energie lieferndes Fusionsfeuer möglich ist. Damit verbunden sind neue Anforderungen an das Heizverfahren: Zum Beispiel müssen für die Großanlage die Teilchen noch drei- bis viermal schneller sein als bisher, damit sie tief genug in das Plasma hinein fliegen können. Deshalb kann man nicht mehr mit positiv geladenen Ionen arbeiten. Diese lassen sich umso schlechter neutralisieren, je schneller sie sind - bei den für ITER gewünschten Geschwindigkeiten von 9000 Kilometern pro Sekunde fast gar nicht mehr. Möglich ist dies nur mit negativen Ionen, die jedoch sehr schwierig zu handhaben sind. Gelungen ist das dem ausgezeichneten Wissenschaftlerteam aus den Disziplinen Plasmaphysik, Oberflächenphysik und Elektrotechnik mit der Entwicklung einer Hochfrequenz-Ionenquelle zur Plasmaheizung mit negativen Ionen.

Preisträger 2005

Hirnschrittmacher bringt Nervenzellen zur Vernunft
Prof. Dr. Dr. Peter A. Tass, Forschungszentrum Jülich
Prof. Dr. Volker Sturm, Universität Köln

Preisträger 2004

Trennung von Nanoröhren unterschiedlichen Typs
Marcel Mayor, Chemiker, FZK
Frank Hennrich, Chemiker, FZK
Ralph Krupke, Physiker, FZK
Heiko Weber, Physiker, FZK

Die Preisträger entwickelten ein seit langer Zeit gesuchtes Verfahren zur Trennung von winzigen Kohlenstoffröhrchen, die in der Nanotechnologie eine wichtige Rolle spielen. Und: Es gelang ihnen, den elektrischen Strom durch einzelne organische Moleküle zu vermessen. Durch systematische Zusammenarbeit hat das Karlsruher Team damit zwei grundsätzliche Probleme gelöst, die das gesamte Arbeitsgebiet der Nanotechnologie betreffen. Zusammen ebnen ihre Arbeiten den Weg zu einer künftigen Nanoelektronik, bei der winzige Schaltkreise in der Größe von Millionstel Millimetern gebaut werden könnten. Dieser Elektronik im kleinsten Maßstab wird etwa in der Computer-, Satelliten- oder Medizintechnik eine wichtige Rolle vorausgesagt. Sie würde es ermöglichen, winzige Chips zu bauen und damit die Rechenleistung auf kleinstem Raum entscheidend zu verbessern. Die Kohlenstoffröhrchen der Karlsruher könnten dabei als "Drähte" fungieren und die organischen Moleküle als Speichermedien dienen.

Preisträger 2003

The dynamics of Ca2+ in living cells
Dr. Martin Falke, HMI
Prof. Dr. Patricia Camacho, University of Texas, San Antonio
Prof. Dr. James Lechleitner, University of Texas, San Antonio

Kalzium spielt eine Schlüsselrolle in der Zellkommunikation. Wellen von Kalzium übertragen je nach ihrer Frequenz unterschiedliche Signale in der Zelle. Ihr periodisches Auftreten kann zu komplexen Mustern wie Spiralen führen. Damit ist Kalzium einer der wichtigsten intrazellulären Botenstoffe. Kalziumsignale steuern auch Vorgänge am Anfang und am Ende des Lebens, von der Befruchtung von Eizellen und bis hin zum Zelltod; sie steuern die Wundheilung und synchronisieren Leberzellen. Durch die Arbeiten von Falcke, Camacho und Lechleiter lässt sich die Entstehung der Wellenmuster mathematisch fassen, was zu einem neuen Verständnis der Funktionsweise einzelner Zellbestandteile führt. Ein Zusammenhang zwischen Mustern von Kalziumkonzentrationen und intrazellulärer Signalübertragung war Biologen schon längere Zeit bekannt. Doch erst durch die Einbindung des theoretischen Physikers wurde es möglich, die Beziehung zwischen den Mustern und dem Verhalten von Zellbestandteilen aufzuklären.

Preisträger 2002

Effizienzsteigerung bei der Herstellung von Öl-Wasser-Mischungen
Dr. Jürgen Allgaier, Forschungszentrum Jülich
Prof. Dr. Gerhard Gompper, Forschungszentrum Jülich
Prof. Dr. Dieter Richter, Forschungszentrum Jülich
Dr. Thomas Sottmann, Universität Köln
Prof. Dr. Reinhard Strey, Universität Köln

Preisträger 2001

Mikrobielle Quecksilberentfernung
Dr. Irene Wagner-Döbler, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung
Prof. Dr. Wolf-Dieter Deckwer, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung
Prof. Dr. Kenneth Nigel Timmis, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Preisträger 2000

Wegweiser der Immunabwehr
Prof. Dr. Reinhold Förster, Max-Delbrück-Centrum für molekulare Medizin (MDC)
Dr. Elisabeth Kremmer, Helmholtz Zentrum München
PD Dr. Dr. Martin Lipp, Max-Delbrück-Centrum für molekulare Medizin (MDC)
Prof. Dr. Eckhard Wilhelm Wolf, Universität München

Preisträger 1999

Vorbereitung, Entwicklung und klinische Einführung der Krebstherapie mit Ionenstrahlen
Prof. Dr. Gerhard Kraft, GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung
Dr. Wolfgang Enghardt, Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR)
PD Dr. Dr. Jürgen Debus, Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ)