Future Lab
Kooperations­governance

Wie gelingen Kooperationen in Forschung, Lehre und Transfer zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft? Der Stifterverband und die Heinz Nixdorf Stiftung möchten diese Frage gemeinsam mit sechs Hochschulen sowie Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik bearbeiten.

Herausforderung Kooperation

Wesentliche Leistungen in Forschung, Lehre und Transfer erbringen Hochschulen heute in Kooperationen mit Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Die Partner bilden dafür Kooperationsstrukturen wie beispielsweise gemeinsam getragene Institute, Verbünde, Cluster, Netzwerke, Vereine oder Unternehmen. In den vergangenen Jahren entstanden vermehrt auch agilere Formen der Zusammenarbeit, beispielswiese auf digitalen Plattformen und in Innovation Hubs.

Die Schaffung funktionierender und effizienter organisatorischer Abläufe und Entscheidungsstrukturen als auch tragfähiger Kulturen stellt die beteiligten Partner häufig vor gravierende Herausforderungen. Sie betreffen sowohl die Leitung und Organisation der Kooperationsstrukturen selbst wie auch die Steuerung der Kooperation durch die Partner.

Leitfragen in dem Programm sind unter anderem:

  • Wie konkretisieren sich Herausforderungen in den unterschiedlichen Formen der Zusammenarbeit? 
  • Wie fließen die Strategien der jeweiligen Partner in die Zielbildung und Steuerung der jeweiligen Kooperationsstruktur ein? 
  • Wie funktioniert der Interessensausgleich zwischen der Kooperationsstruktur und der sie tragenden Partner?

Hintergrund zum Thema Kooperationsgovernance

In den vergangenen Jahren hat sich die Kooperation als Leitmotiv der Hochschulentwicklung etabliert. Wesentliche Leistungen von Hochschulen in Lehre, Forschung, wissenschaftlicher Nachwuchs, Transfer und Weiterbildung werden heute in Verbünden organisiert, häufig mit externen Partnern. Von regionalen Wissensallianzen über Verbundcluster, Forschungscampi, kooperativen Transfer- und Gründerzentren, Industry-on-Campus-Projekten bis hin zu kooperativen Studiengängen und Graduiertenschulen, gemeinsamen digitalen Lernplattformen, internationalen Verbundfakultäten und geteilten Kollegstrukturen reichen die Kooperationsformen, die gegenwärtig im Hochschulkontext zu finden sind. Partner sind außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, andere Hochschulen aus dem In- und Ausland, Unternehmen und zivilgesellschaftliche Akteure.

Die Kooperationsstrukturen gehorchen dabei eigenen, von der jeweiligen Zusammensetzung abhängigen Logiken und Steuerungsmechanismen, die in der Regel auf Partnerschaft und nicht auf Hierarchie basieren, neue Dynamiken und Rollen einfordern und quer zu den Organisationslogiken der beteiligten Akteure liegen können. Folglich sind die Partner gefordert, gemeinsame Ziele zu definieren, geeignete Organisationsstrukturen und effiziente Entscheidungswege zu etablieren. Für nachhaltig erfolgreiche Kooperationsstrukturen erscheinen ein paritätisches Rollenverständnis der Beteiligten genauso zwingend wie eine funktionierende Rückbindung an die Trägerorganisationen. Es ist zu beobachten, das organisatorische Fragen häufig schwieriger zu klären sind, als inhaltliche.

Nicht zuletzt ist es auch der digitale Wandel, der die Art, wie gelernt, geforscht und gearbeitet wird, verändert. Um der wachsenden Geschwindigkeit des Wandels und der Komplexität von Herausforderungen gerecht zu werden, öffnen Akteure ihre Forschungs- und Innovationsprozessen. Dadurch verändern sich bestehende Aufgaben, Prozesse und Strukturen innerhalb von Organisationen und Kooperationen.

Die klassischen Steuerungsmechanismen sowohl einer Gruppenuniversität wie eines New Public Management greifen für solche Kooperationsstrukturen nur ungenügend. Länder können nur begrenzt über Zielvereinbarungen steuern, da sich Chancen aus gemeinsamen Zielsetzungen und einem koordinierten Vorgehen unabhängiger Akteure ergeben, die in der Regel förderbar, aber nicht planbar sind. Hochschulleitungen haben weniger die Pflicht, institutionelle Ziele vorzugeben und deren Einhaltung zu überprüfen, als die Hochschulen als attraktiven Netzwerkpartner aufzubauen und dezentrale Aktivitäten zu fördern, zu koordinieren und auch zu beenden. Die Wissenschaftsadministration muss sich durch ein agiles Management auszeichnen, geprägt durch Flexibilität und Beweglichkeit bei der Verfolgung mittelfristiger Ziele an der Schnittstelle zwischen unterschiedlichen Akteuren. 

 

Herausforderungen für die Governance ergeben sich auf Ebene der Kooperationen selbst, auf Ebene der Partner, welche die Kooperationen arrangieren und die Schnittstellen organisieren, und auf Ebene der Träger, also den Ländern, welchen die Hochschulentwicklung des Landes obliegt. Leitend für das Programm ist dabei die Frage, wie die Governance von Kooperationen und Hochschulen verbessert werden kann. 

Mögliche Themen und Fragestellungen des Programms:

  • Welche Formen der hochschulübergreifenden Kooperation finden sich? Welche sind in dynamischen Innovationslandschaften erstrebenswert, um für die Zukunft gerüstet zu sein? Welche Herausforderungen bei der Steuerung dieser häufig neuartigen Kooperationen – in Bezug auf die Partner wie auch die Formate der Zusammenarbeit – gibt es?
  • Wo ergeben sich Spannungsfelder? Wie funktioniert der Interessensausgleich in Kooperationen und zwischen Kooperationen und den tragenden Organisationen? 
  • Welche Organisations- und Rechtsformen eignen sich für Kooperationen zwischen akademischen und nicht-akademischen Partnern? 
  • Wie kann das Verhältnis zwischen den häufig temporären Kooperationsstrukturen und den dauerhaften Organisationsstrukturen (Fakultäten, zentrale Administration) gestaltet werden? Wie können Kooperationsstrukturen an die Hochschulsteuerung angekoppelt werden, ohne an Dynamik und Kreativität einzubüßen?
  • Welche Steuerungsprozesse eignen sich für agile Formen der Zusammenarbeit? 
  • Welche vertraglichen Rahmenbedingungen tragen zu guter Governance bei?
  • Welche Leitungs- und Entscheidungsstrukturen benötigen Hochschulen als Plattformen für mittel- und langfristige Kooperationsaktivitäten?
  • Wie können Hochschulstrategien unter Einbeziehung von externen Partnern entwickelt werden? 
  • Bedarf es kultureller Veränderungen – zum Beispiel der Führungskultur –, um einer guten Governance gerecht zu werden?

Das Future Lab

Das Future Lab bietet eine geschützte, innovative Arbeitsumgebung. Hier kommen die Programmteilnehmer mit externen Wissensgebern zu gemeinsamem Lernen und Entwickeln in vertraulicher Atmosphäre zusammen. Mit kollaborativen und agilen Arbeitsmethoden erarbeiten die Teilnehmenden konkrete Umsetzungsschritte und Maßnahmen für eine gute Kooperationsgovernance. Dabei sind die Hochschulen mit ihren jeweiligen Governance-Herausforderungen sowie einzelne Experten Fallgeber. Nach der Entwicklung von Lösungen im Future Lab folgt bei Interesse die Begleitung des Lösungstransfers an die teilnehmenden Institutionen.

Der Stifterverband strebt an, Ergebnisse des Programms in die wissenschafts- und hochschulpolitische Debatte einzubringen. Die Formulierung von Erfolgsfaktoren einer guten Kooperationsgovernance und die Darstellung von Fallbeispielen erfolgt unter Mitarbeit und nur mit Zustimmung der Beteiligten.

Am Future Lab können Interessierte auf zwei Arten teilnehmen:
●  institutionell als geförderte Hochschule oder
●  individuell als Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik

 

Ausschreibung für Hochschulen

Für die Teilnahme am Programm werden sechs Hochschulen ausgewählt. Sie erhalten Unterstützung bei der Lösung spezifischer Herausforderungen einer von ihr mitgetragenen Kooperationsstruktur. Dabei sollen wissenschaftsinterne Kooperationen (Kooperationen von Hochschulen mit anderen Hochschulen oder außeruniversitären Forschungseinrichtungen) ebenso vertreten sein wie Kooperationen zwischen Hochschulen und Unternehmen.

Die ausgewählten Hochschulen erhalten folgende Förderung:

  • die Teilnahme am Future Lab des Stifterverbands zur Entwicklung einer guten Kooperationsgovernance
  • die Unterstützung durch ein Expertennetzwerk im Entwicklungsprozess
  • eine finanzielle Förderung der teilnehmenden Institutionen in Höhe von 25.000 Euro zur Deckung der entstehenden Kosten
  • fakultativ eine Umsetzungsbegleitung der entwickelten Ansätze

Die Auswahl der sechs Hochschulen wird auf Basis einer Interessensbekundung getroffen. In dieser sollen die Governance-Herausforderungen einer spezifischen Kooperationseinrichtung dargestellt werden. Die Interessensbekundung ist von der Hochschulleitung einzureichen. Sie kann gemeinsam mit den an der Kooperationsstruktur beteiligten Partnern eingereicht werden.

Der Stifterverband wird aus den Interessensbekundungen eine möglichst breite Auswahl an Kooperationstypen und Herausforderungen treffen. Dabei wird eine mögliche Übertragbarkeit der Fälle auf andere Kooperationen bei der Auswahl berücksichtigt. 

Bewerbungsschluss war der 30. Juli 2018.

Die Teilnahme setzt eine Offenheit für die Arbeitsweise des Future Labs und die Bereitschaft voraus, als Beispielgeber aufzutreten. Es wird erwartet, dass bei entsprechenden Themenstellungen Hochschulleitung und externe Partner an einzelnen Veranstaltungen mitwirken. Die Interessensbekundungen werden nicht veröffentlicht und vertraulich behandelt.

 

Call for Experts

Im Rahmen des Programms werden Experten bei der Definition und Priorisierung von Handlungsfeldern, Entwicklung von Lösungsansätzen im Rahmen des Future Labs oder 
dem Lösungstransfer eingebunden. Interessierte Einzelpersonen aus allen Sektoren (Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft) können sich über den Call for Experts als externe Wissensgeber registrieren. Der Call ist weiterhin offen.
Zur Bewerbung als Experte

 

Call for Problems

Um das Future Lab inhaltlich auszugestalten und ein genaues Problemverständnis zu entwickeln, soll externes Wissen möglichst breit einbezogen werden. Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen bei der Gestaltung und Umsetzung von Kooperationen mit: Wo sehen Sie gegenwärtig und zukünftig Herausforderungen? Welche konkreten Themen und Fragestellungen sollen das Future Lab Kooperationsgovernance bearbeiten? Die Einsendungen fließen in die inhaltliche Ausgestaltung des Future Labs ein.
Zum Formular für Fragen und Anregungen

 

Zeitplan

Bis 30. Juli 2018 Einreichung der Interessensbekundungen
Bis 28. September 2018 Auswahl der teilnehmenden Hochschulen
Dezember 2018/Januar 2019 Auftakt und Future Lab #1
2019 Future Labs #2 bis #4
31. Dezember 2019 Abschluss des Programms

Kontakt

Dr. Mathias Winde

leitet den Programmbereich "Hochschulpolitik und 
-organisation".

T 030 322982-501
F 030 322982-515

E-Mail senden

Nick Wagner

ist Programmmanager im Hauptstadtbüro des Stifterverbandes.

T 030 322982-509
F 030 322982-569

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