Peer-to-Peer-Beratung zu Strategien für Hochschulbildung im digitalen Zeitalter in Baden-Württemberg (STRADI-BW)

Mit dem neuen Peer-to-Peer-Beratungsprogramm unterstützt das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg in Kooperation mit dem Stifterverband die Hochschulen des Landes mit einem strukturierten Beratungsprozess dabei, digitale Angebote strategisch und nachhaltig unter Berücksichtigung landesspezifischer Rahmenbedingungen in Studium und Lehre zu verankern.

Bewerbungsschluss war der 15. November 2018.

Vier Hochschulen können an dem neuen Beratungsprogramm teilnehmen.

Der digitale Wandel eröffnet Hochschulen neue Potenziale zur Weiterentwicklung ihrer Profile, Strukturen und Angebote und dabei ganz besonders auch des hochschulischen Lehrens und Lernens. Hochschulen brauchen daher übergeordnete Strategien für das digitale Zeitalter, um zeitgemäße Lehr- und Lernangebote sowie bedarfsgerechte Studienstrukturen, Curricula und Unterstützungsangebote an den Zielen der Hochschulentwicklung, den Zielgruppen der Hochschule und ihren Kooperationsstrategien auszurichten. Einen einheitlichen Weg, dem digitalen Wandel zu begegnen, kann es aufgrund der Heterogenität der deutschen Hochschulen und der Vielfalt digital gestützter Lehr- und Lernszenarien dabei kaum geben.

Auf dieser Grundlage und zur gezielten Unterstützung einzelner Hochschulen bei ihrer strategischen Auseinandersetzung mit Hochschulbildung im digitalen Zeitalter wurde 2017 ein bundesweites Angebot der Peer-to-Peer-Beratung des Hochschulforums Digitalisierung (HFD), eines Gemeinschaftsprojekts von Stifterverband, Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), geschaffen. Auf Basis einer Interessensbekundung werden jährlich sechs Hochschulen ausgewählt und begleitet.

Die bisherigen beiden Ausschreibungsrunden fanden eine breite Resonanz unter den Hochschulen. Das Konzept der deutschlandweiten Peer-to-Peer-Beratung des Hochschulforums Digitalisierung wird unter Berücksichtigung landesspezifischer Rahmenbedingungen auf das Hochschulsystem in Baden-Württemberg transferiert.

 

Peer-to-Peer-Beratung

Die Strategiebegleitung des Hochschulforums Digitalisierung ist ein Entwicklungsinstrument für Hochschulen, die den digitalen Wandel in der Hochschulbildung aktiv gestalten und insbesondere Lehren und Lernen mit digitalen Medien in ihren institutionellen Strategien stärken möchten. Als solches richtet es sich gezielt an Hochschulleitungen als zentrale Akteure in einem von der gesamten Hochschule getragenen und gestalteten Prozess. Das Verfahren richtet sich am Profil und der Zielsetzung der jeweiligen Hochschule aus.

Anhand eines strukturierten Leitfadens führen die Hochschulen in einer Selbstreflexion eine ausführliche Soll-Ist-Analyse ihrer Aktivitäten, Ziele und Strategieentwicklung durch, welche die Grundlage für den weiteren Prozess bildet. Anschließend bietet ein auf die Herausforderungen und Ziele der Hochschule zugeschnittener, zweitägiger Workshop an der Hochschule die Möglichkeit, Ziele und Prozesse gemeinsam mit einem Team aus Peers von jeweils drei externen Expertinnen und Experten zu entwickeln, konkretisieren und zu reflektieren.

Die externen Expertinnen und Experten bringen als Peers in der Rolle von Critical Friends ihre eigenen Erfahrungen ein und unterstützen die Hochschule konstruktiv in der Weiterentwicklung ihrer Strategien. Die direkte Beteiligung der Hochschulleitung ist in diesem Verfahren unerlässlich, da die angestoßenen Prozesse hochschulweit getragen werden müssen. Der abschließende Empfehlungsbericht des begleitenden Teams der Expertinnen und Experten hält die Ergebnisse des Verfahrens strukturiert fest und führt Handlungsempfehlungen für die hochschulspezifische Weiterentwicklung der Hochschulbildung im digitalen Zeitalter auf. Darüber hinaus erfolgt der übergreifende Austausch zu den im Rahmen der Strategieberatung gesammelten Erfahrungen zwischen den baden-württembergischen Hochschulen über das Hochschulnetzwerk Digitalisierung der Lehre Baden-Württemberg (HND BW).

Die Reise- und Übernachtungskosten der begleitenden Expertinnen und Experten sowie eine angemessene Aufwandsentschädigung werden im Rahmen der Projektförderung übernommen. Die Hochschulen übernehmen die Kosten für den zweitägigen Workshop an der Hochschule (inklusive eines gemeinsamen Abendessens) sowie den entsprechenden Personalaufwand für die internen Prozesse des Verfahrens. Darüber hinaus tragen sie eventuelle Reisekosten der Hochschulvertreterinnen und -vertreter zu übergreifenden Austauschformaten des Hochschulforums Digitalisierung.

 

Auswahl der Hochschulen

Alle staatlichen und staatlich anerkannten Hochschulen in Baden-Württemberg können eine Interessenbekundung zur Teilnahme an der Peer-to-Peer-Beratung einreichen. Auch Hochschulen, die bereits in einer Ausschreibungsrunde des bundesweiten Peer-to-Peer-Verfahrens eine Interessenbekundung eingereicht haben und nicht ausgewählt wurden, können sich erneut bewerben. Der Stifterverband führt die Ausschreibung in Abstimmung mit dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg durch und wählt auf der Grundlage der Interessenbekundungen der Hochschulen vier Institutionen aus. Die Auswahl trifft eine Jury aus Vertreterinnen und Vertretern des Lenkungskreises des Hochschulforums Digitalisierung und externen Expertinnen und Experten. Bei der Auswahl der Hochschulen wird besonders auch Wert auf eine Vielfalt an Hochschultypen und strategischen Herausforderungen gelegt.

Wesentliche Kriterien bei der Auswahl sind:

  • Die Hochschule benennt konkrete Herausforderungen im Kontext der Digitalisierung von Hochschulbildung, die im Rahmen des Peer-to-Peer-Verfahrens aufgegriffen werden sollen.
  • Sie stellt überzeugend dar, dass und wie die Ergebnisse des Prozesses nachhaltig in die hochschulinterne Weiterentwicklung institutioneller Strategien einfließen.
  • Sie formuliert klare Ziele für die (ggf. bereichsspezifische) Weiterentwicklung der Lehre mit digitalen Medien entsprechend der strategischen Ausrichtung und Profilbildung der Hochschule.
  • Sie kann Vorüberlegungen oder Vorarbeiten zu digital gestütztem Lehren und Lernen vorweisen und ggf. bestehende Aktivitäten sowohl bereichsspezifisch als auch hochschulweit darstellen.
  • Sie stellt die Rolle der Hochschulleitung sowie auch anderer relevanter Akteure in der Durchführung des Beratungsprozesses sowie der anschließenden (Weiter-) Entwicklung der Hochschulstrategien klar und überzeugend dar.

 

Inhalte und Umfang der Interessenbekundung

Die Interessenbekundung sollte folgende Aspekte beinhalten:

  • Kurzüberblick über den Entwicklungsstand einer Strategie für die Hochschulbildung im digitalen Zeitalter bzw. der Auseinandersetzung damit sowie über bestehende Aktivitäten im Bereich des digital gestützten Lehrens und Lernens (ggf. Strukturen und institutionelle Verortung, beteiligte Organe und Gremien, vorhandene Ressourcen, Schwerpunkte, wesentliche Partner)
  • Identifikation und Erläuterung von zwei strategischen Handlungsfeldern sowie von den konkreten Zielen je Handlungsfeld, die die Hochschule mit digital gestütztem Lehren und Lernen verfolgt
  • Definition einer konkreten strategischen Herausforderung, die sich aus den Zielen der Hochschule für die Weiterentwicklung der Hochschulbildung im digitalen Zeitalter ableitet und die im Rahmen des Peer-to-Peer-Verfahrens bearbeitet werden soll, sowie die Ebene der Hochschule, auf welche sich diese bezieht (gesamte Hochschule, einzelne Fakultäten/Fachbereiche, Studiengänge etc.)
  • Kurzdarstellung zur Einbettung der Peer-to-Peer-Beratung in bestehende Prozesse und Strukturen der Hochschulentwicklung, aus der hervorgeht, wie eine nachhaltige Einbindung der Ergebnisse zur Weiterentwicklung von (ggf. sowohl gesamthochschulischen als auch bereichsspezifischen) Hochschulstrategien im digitalen Zeitalter gelingt
  • Erwartungen an die Peer-to-Peer-Beratung
  • Vorschläge zu möglichen Kompetenzfeldern/beruflichen Hintergründen der externen Beraterinnen und Berater

Die Interessenbekundung wird vertraulich behandelt. Die Interessenbekundung sollte maximal fünf Seiten umfassen (formlos) und muss auf der letzten Seite von der Hochschulleitung unterschrieben sein. Die Interessenbekundungen müssen bis zum 15. November 2018 online abgegeben werden.

 

Aktuelle Publikation

Hochschulstrategien für den Bereich Lehre im digitalen Zeitalter sind nicht mit "Digitalisierungsstrategien" gleichzusetzen, so das Fazit des Arbeitspapiers "Keine Strategie wie jede andere – Handlungsempfehlungen für Hochschulen zur Lehre im digitalen Zeitalter". Die Erkenntnisse der Pilotphase 2017/18 des Peer-to-Peer-Beratungsprozesses fasst die im September 2018 veröffentlichte Publikation zusammen.

PDF-Download

 

Kontakt

Ronny Röwert

ist Programmmanager im Stifterverband.

T 030 322982-521
F 030 322982-123

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