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Studie zu MINT-Fächern: Hohe interna­tionale Attrakti­vität, Nachhol­bedarf bei interna­tionaler Lehre

05.06.2018

Ein MINT-Studium in Deutschland zieht weltweit überdurchschnittlich viele Studierende an. Gleichzeitig haben die entsprechenden Fachbereiche in den letzten fünf Jahren zahlreiche Maßnahmen zur Internationalisierung umgesetzt.

Trotzdem besteht bei der Betreuung von Studierenden aus dem Ausland und der Mobilität einheimischer Studierender teilweise großer Handlungsbedarf. Das zeigt eine aktuelle Studie auf Basis einer Befragung der MINT-Fachbereiche.

MINT-Absolventen arbeiten vorrangig in Bereichen, die besonders auf globale Märkte und Forschungsfragen ausgerichtet sind. Internationale Erfahrungen und interkulturelle Kompetenzen gehören deshalb zu den wesentlichen Anforderungen des Arbeitsmarktes für MINT-Fachkräfte. Dafür ist mehr Internationalität im MINT-Studium dringend notwendig. Welcher Handlungsbedarf besteht, zeigt die von Stifterverband, Daimler-Fonds und der Daimler und Benz-Stiftung aufgelegte Studie "Wie international ist MINT?".

Positiv ist, dass im Durchschnitt die Hälfte aller Bildungsausländer (46,4 Prozent) in Deutschland Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik (MINT) studieren. In diesem Bereich ist ihr Anteil höher als der Anteil unter den einheimischen Studierenden (37 Prozent). Vor allem die Ingenieurswissenschaften genießen eine hohe Attraktivität. Hier erweist sich Deutschland als Spitzenreiter in Europa bei der Gewinnung ausländischer Studierender.

Um den Anteil ausländischer Studierender weiter zu steigern, gibt es eine Reihe an Maßnahmen, die allerdings bisher unzureichend eingesetzt werden. Zwar haben fast alle Hochschulen (89 Prozent) Informationen zu Studium und Bewerbung auf ihren Internetseiten, aber Social-Media-Kanäle spielen mit rund 58 Prozent nur eine geringere Rolle. Ebenfalls wenig genutzt werden Kooperationen mit Schulen im Ausland, digitale internationale Lehrangebote oder Kooperationen mit deutschen Partnern im Ausland. Hier besteht großer Nachholbedarf. Denn genau diese Instrumente sind sehr erfolgreich, sagen jene Hochschulen, die sie bereits einsetzen.

"Studierende und Wissenschaftler aus dem Ausland stärken den Forschungs- und Innovationsstandort Deutschland. Wir benötigen sie auch, um den digitalen Wandel und die Transformation unserer traditionellen Technologiebranchen voranzutreiben. Viele bestehende Geschäftsmodelle werden aktuell herausgefordert. Hier brauchen wir mehr Verständnis der globalen Entwicklungen durch Internationalität insbesondere in der MINT-Ausbildung", fasst Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes, die Ergebnisse der Studie zusammen.

Alarmierend ist, wie wenig mobil einheimische MINT-Studierende sind. Obwohl gerade in diesen Bereichen internationale Erfahrungen von Unternehmen als vorteilhaft geschätzt werden, ist der Anteil derer, die zeitweise ins Ausland gehen, so gering wie in keiner anderen Fächergruppe. Verpflichtende Auslandssemester (4 Prozent der Fachbereiche) oder Praktika (3 Prozent der Fachbereiche) sind nur selten im Studienplan verankert. Auch bei der weiteren Internationalisierung der Lehrinhalte und des Personals besteht Nachholbedarf.

Dazu kommt, dass digitale Instrumente noch wenig verbreitet sind. Die Möglichkeiten einer aktiven Onlinebetreuung sowie digitale Vorlesungen, Seminare oder Prüfungen werden nicht einmal von jedem zweiten Fachbereich genutzt. Gute Erfahrungen machen die Fachbereiche hingegen mit der Kooperation mit Unternehmen bei der Schaffung von Praxisbezügen im Studium, um den Übergang in den Arbeitsmarkt gerade für ausländische Studierende zu erleichtern. So haben 84 Prozent der Fachbereiche gemeinsame Aktivitäten mit Unternehmen und betrachten diese Zusammenarbeit ebenso häufig als Erfolg.

 
Eine große Herausforderung der Internationalisierung ist, laut 68 Prozent der Fachbereichsleiter, die Finanzierung von Projekten und Maßnahmen. Denn Willkommens- und Austauschprogramme, Kontaktpflege mit ausländischen Hochschulen oder internationales Hochschulmarketing müssen finanziert werden. Fast alle Hochschulen, 85 Prozent der Fachhochschulen und 88 Prozent der Universitäten, sind hier von Drittmitteln, also von externen Fördermitteln, abhängig. Im Durchschnitt wirbt jeder Fachbereich knapp 332.000 Euro für Maßnahmen ein.

Der Förderung von Internationalität in den MINT-Fächern widmet sich auch das Nationale MINT Forum (NMF). Hier haben sich 30 Organisationen zusammengeschlossen, darunter der Stifterverband, um sich für die Förderung der MINT-Bildung entlang der gesamten Bildungskette einzusetzen. NMF-Co-Sprecherin Nathalie von Siemens kommentiert die Studienergebnisse wie folgt: "Hochschulen und andere Bildungseinrichtungen leisten bereits viel für eine gute MINT-Ausbildung. Wir müssen aber mehr darüber lernen, wie Maßnahmen und Projekte ihre Wirkung entfalten und wie sie erfolgreich umgesetzt werden können." Auf seinem Nationalen MINT Gipfel am 7. Juni 2018 in Berlin stellt das NMF das Thema Qualitätssicherung und Wirkung von MINT-Aktivitäten in den Mittelpunkt, "denn wir wollen gemeinsam mit allen Akteuren aus Politik und Zivilgesellschaft konkrete Maßnahmen diskutieren und beschließen", erklärt NMF-Co-Sprecher Ekkehard Winter.

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Die Studie "Wie international ist MINT?" wurde im Rahmen der Initiative MINTernational vom Stifterverband, Daimler-Fonds und Daimler und Benz Stiftung zur Verbesserung der Internationalität in den MINT-Fächern durchgeführt. Für die Studie befragte der Stifterverband im November und Dezember 2017 die Dekane der MINT-Fachbereiche und –Fakultäten nach ihrer Einschätzung. Die Studie erreichte einen Rücklauf von 143 Dekanen.

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ist Kommunikationsmanagerin im Stifterverband.

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"Analysen und Innovationspolitik".

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