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Jens Claus Brüning erhält den Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Preis 2018

01.11.2018

Der Stifterverband und die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina zeichnen den Kölner Hormonforscher und Molekularbiologen Jens Claus Brüning mit dem Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Preis aus. Der Wissenschaftler wird für seine Forschungen zu den Grundlagen zweier Volkskrankheiten geehrt: Adipositas (sehr starkes Übergewicht) und Diabetes mellitus ("Zuckerkrankheit").

Brünings Untersuchungen zur Regulation des menschlichen Stoffwechsels, insbesondere zur Rolle des Hormons Insulin, tragen dazu bei, die Entstehung von starkem Übergewicht und Diabetes besser zu verstehen.

Der mit 50.000 Euro dotierte Wissenschaftspreis des Stifterverbandes wird für Beiträge zur wissenschaftlichen Bearbeitung gesellschaftlich wichtiger Herausforderungen verliehen. Er ist damit die deutsche Auszeichnung für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf dem Gebiet der wissenschaftsbasierten Politikberatung.

"Mit Jens Claus Brüning wird ein Wissenschaftler mit dem Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Preis ausgezeichnet, der entscheidende Erkenntnisse in der Erforschung der Volkskrankheiten Adipositas und Diabetes erlangen konnte", sagt der Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, Jörg Hacker. "Diese Erkenntnisse können künftig die Prävention und Behandlung dieser Krankheiten verbessern", fügt Hacker hinzu.

"Der Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Preis ist eine Auszeichnung für wissenschaftsbasierte Politikberatung, ehrt also Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die mit ihren Forschungsarbeiten Lösungen zum Umgang mit drängenden Problemen entwickeln und diese der Politik und der Öffentlichkeit aktiv vermitteln. Jens Claus Brünings Beiträge zur neuroendokrinologischen Grundlagenforschung könnten die Lebensqualität und -erwartung sehr vieler Menschen, die an Adipositas oder Diabetes Typ 2 erkrankt sind – etwa 30 Prozent der westlichen Erdbevölkerung sind betroffen – verbessern", sagt Andreas Barner, Präsident des Stifterverbandes.

Foto: Markus Scholz/Leopoldina
Jens Claus Brüning, Direktor der Poliklinik für Endokrinologie, Diabetologie und Präventivmedizin der Universitätsklinik Köln

 
In der Medizin ist seit längerem bekannt, dass Stoffwechselstörungen in der Schwangerschaft das Risiko der ungeborenen Kinder erhöht, an Diabetes oder Übergewicht zu erkranken. Jens Claus Brüning gelang es, diese Zusammenhänge zu erklären. Er konnte erstmalig in Mausmodellen zeigen, dass eine fettreiche Ernährung von Müttern während der Stillzeit – welche entwicklungsbiologisch dem letzten Drittel der Schwangerschaft bei Menschen entspricht – die Entwicklung bestimmter Nervenzellen (POMC-Neurone) im Gehirn der Nachkommen hemmt und sich in der Folge ein gestörter Stoffwechsel entwickelt. Diese Erkenntnis ermöglicht Fortschritte in der Diagnostik und Therapie von Stoffwechselstörungen bei Schwangeren. Brüning identifizierte zudem Nervenzellen in einem Bereich des Zwischenhirns, im Hypothalamus, die daran beteiligt sind, die Nahrungsaufnahme und den Zuckerstoffwechsel zu steuern. Er erforschte chemische Reaktionen in Körperzellen, die bei Übergewicht zu einer verminderten Wirkung des blutzuckersenkenden Hormons Insulin und damit zur Insulinresistenz führen, also zu einer Diabetes-Erkrankung.

Jens Claus Brüning studierte Humanmedizin an der Universität zu Köln und wurde 1993 promoviert. Im Jahr 2001 beendete er die Weiterbildung zum Facharzt für Innere Medizin und Endokrinologie. Er habilitierte sich 2002 für Innere Medizin und ist seit 2003 Professor für Genetik an der Universität Köln. Seit 2011 ist er Direktor der Poliklinik für Endokrinologie, Diabetologie und Präventivmedizin (PEDP) der Universitätsklinik Köln. Im gleichen Jahr wurde er zum Direktor am Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung, Köln berufen. Die Leopoldina wählte Brüning 2017 zu ihrem Mitglied in die Sektion Genetik/Molekularbiologie und Zellbiologie. Jens Claus Brüning wurde für seine Forschung vielfach ausgezeichnet: Unter anderem erhielt er 2007 den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), er wurde 2008 mit dem Minkowski-Preis der European Association for the Study of Diabetes (EASD) ausgezeichnet und 2013 mit dem Outstanding Scientific Achievement Award der American Diabetes Association (ADA) geehrt.

 

Der Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Preis – Wissenschaftspreis des Stifterverbandes ist mit 50.000 Euro dotiert. Er wird gemeinsam mit der Leopoldina alle zwei Jahre an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler oder Forscherteams vergeben, die einen Beitrag zur wissenschaftlichen Bearbeitung gesellschaftlich wichtiger Probleme geleistet haben. Im Jahr 2012 wurde der Bildungsforscher Jürgen Baumert ausgezeichnet, 2014 Ferdi Schüth, 2016 wurden die beiden Psychologen Maggie Schauer und Thomas Elbert geehrt. Den ersten Weizsäcker-Preis erhielt im Jahr 2009 der Wissenschaftler und Bürgerrechtler Jens Reich.

Die Preisverleihung findet am am 11. Dezember 2018 in Halle (Saale) statt. Der Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Preis wird Jens Claus Brüning durch Jörg Hacker, Präsident der Leopoldina, und den Präsidenten des Stifterverbandes, Andreas Barner, überreicht. Die Ehrung findet im Rahmen der traditionellen Weihnachtsvorlesung der Leopoldina statt, die der Preisträger zum Thema "Kontrolle von Energiehaushalt und Stoffwechsel durch das Gehirn" hält.

Pressekontakt

Peggy Groß

ist Kommunikationsmanagerin im Stifterverband.

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