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Wirtschaft senkt Forschungsausgaben in 2020

12.11.2021

Im Coronajahr 2020 haben die Unternehmen in Deutschland deutlich weniger für Forschung und Entwicklung (FuE) ausgegeben als im Jahr zuvor. Dies zeigen die neuen Daten aus der FuE-Erhebung, die der Stifterverband jährlich im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung durchführt. Auch das Forschungspersonal wurde leicht reduziert. Die Auftragsforschung verzeichnet dagegen ein leichtes Plus.

Während der Corona-Pandemie im Jahr 2020 wurde in den Unternehmen weniger geforscht und entwickelt als in den Jahren zuvor. Erstmals seit sieben Jahren gingen die Ausgaben der Wirtschaft für Forschung und Entwicklung (FuE) zurück. Die Unternehmen in Deutschland investierten 71 Milliarden Euro in ihre eigene Forschung – ein Rückgang von 6,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Lediglich die Ausgaben für Forschungsaufträge an andere Partner konnten ein leichtes Plus von 200 Millionen Euro verzeichnen (plus 1,0 Prozent). Sie erreichen mit 22,9 Milliarden Euro sogar einen neuen Höchstwert.

Die FuE-Ausgaben von Staat und Hochschulenbetrugen nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes 34,6 Milliarden Euro. Zusammen mit der Wirtschaft wurden damit in Deutschland im Jahr 2020 knapp 106 Milliarden Euro für interne Forschung und Entwicklung ausgegeben. Der Anteil des Bruttoinlandsproduktes (BIP), der auf FuE entfällt, reduzierte sich trotz sinkenden BIPs von 3,17 Prozent (2019) auf 3,14 Prozent (2020).

Zur Entwicklung der FuE-Ausgaben erklärt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek:

"Die Corona-Pandemie hat die Unternehmen in Deutschland hart getroffen. Die Zahlen des Stifterverbandes zeigen, dass die Wirtschaft im Krisenjahr ihre Forschungsaktivitäten deutlich zurückgefahren hat. Mit dem Konjunktur- und Zukunftspaket hat die Bundesregierung ein starkes Signal gesetzt, damit Unternehmen nach den Einschränkungen möglichst schnell wieder auf einen Wachstumspfad zurückfinden.

Der Bund hat seine Ausgaben für Forschung und Entwicklung im Corona-Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 1,9 Milliarden Euro erhöht. Das Bundesforschungsministerium hat seine Ausgaben dabei allein um 1,3 Milliarden Euro angehoben. Als ein weiteres Instrument haben wir die steuerliche Forschungszulage auf den Weg gebracht, die ihre Wirkung in der Zukunft noch weiter entfalten wird. Mit dieser Förderung haben wir den Forschungsstandort Deutschland maßgeblich gestärkt. Dennoch bedarf es weiterer Anstrengungen: Die Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung müssen auch zukünftig so gestaltet werden, dass die Corona-Folgen schnell überwunden werden können. Auch müssen wir an unserem Ziel festhalten, bis 2025 für Forschung und Entwicklung 3,5 Prozent des BIP zu investieren.

In der Corona-Krise hat sich gezeigt, wie wichtig Forschung und Entwicklung sind. Ich appelliere daher an die nächste Bundesregierung, das Innovationsland Deutschland weiterhin mit Leidenschaft zu stärken."

Gerade die Branche, die als Motor des deutschen Innovationssystems gilt, reduzierte die FuE-Aufwendungen am stärksten: Im Kfz-Bau wurden von 2019 auf 2020 die internen FuE-Aufwendungen um fast vier Milliarden Euro gekürzt – ein Verlust von 13,6 Prozent. Im Maschinenbau wurden die Ausgaben um knapp sieben Prozent, in der chemischen und in der pharmazeutischen Industrie jeweils um gut drei Prozent – und damit unterdurchschnittlich reduziert. Die Zurückhaltung, in die interne Forschung zu investieren, hat verschiedene Gründe: Umsatzrückgänge, unterbrochene Lieferketten oder Lockdown-Regelungen. Um interne Kosten und Risiken zu mindern, haben vor allem Kfz- und Maschinenbau verstärkt auf externes Wissen zurückgegriffen und Forschungsaufträge an andere Unternehmen vergeben.

Verschiedene Branchen haben dagegen von der schwierigen Lage in 2020 profitieren können: Die Informations- und Kommunikationstechnik hat ihre FuE-Aufwendungen deutlich gesteigert. Darunter sind insbesondere Programmiertätigkeiten zu nennen. Hierfür haben die Unternehmen intern 6,5 Prozent mehr als im Vorjahr ausgegeben. Auch wissenschaftliche FuE-Dienstleistungen in den Ingenieur- und Naturwissenschaften, aber auch im medizinischen und biotechnologischen Bereich haben sich positiv entwickelt. Sie profitierten von der Stabilität der Forschungsaufträge aus der Industrie. Zudem hat diese Gruppe der Dienstleistungsunternehmen ihre Ausgaben für externe FuE um 50 Prozent erhöht – ein Anzeichen für verstärke Kooperationen und den weiteren Ausbau von Innovationsnetzwerken.

"Die Corona-Pandemie hat starke Auswirkungen auf die Forschungsabteilungen der deutschen Unternehmen", fasst Martin Brudermüller, Vizepräsident des Stifterverbandes und Vorstandvorsitzender der BASF SE, die vorläufigen Ergebnisse der FuE-Erhebung zusammen. "Umso wichtiger sind starke politische Signale und Anreize, damit die Unternehmen wieder mehr in FuE investieren. Denn ganz besonders die großen Herausforderungen rund um Nachhaltigkeit – Klimaschutz und Gesundheitsschutz – erfordern große Anstrengungen in Forschung und Entwicklung."

Die aufgrund der Corona-Pandemie eingeführte Kurzarbeit über alle Branchen hinweg hat dazu beigetragen, dass sich die Personalkosten in den Unternehmen verringern und damit die internen FuE-Aufwendungen reduzieren, die Zahl der Forscherinnen und Forscher in den Unternehmen aber kaum abnahm. Berücksichtigt man alle Voll- und Teilzeitbeschäftigte in den Forschungsabteilungen der Unternehmen, kommt man 2020 rechnerisch auf 467.400 Vollzeitstellen. Dies sind 8.200 weniger als im Jahr 2019 (minus 1,7 Prozent). Allein in der Automobilindustrie wurden rund 5.000 Vollzeitstellen im FuE-Bereich abgebaut – Zulieferer nicht berücksichtigt. Der geringe Stellenaufbau bei forschungsintensiven Dienstleistern um knapp 900 Vollzeitstellen konnte dies nicht kompensieren. Vor dem Hintergrund der extremen Herausforderungen, mit denen Unternehmen im Coronajahr 2020 konfrontiert waren, ist der Abbau beim FuE-Personal als äußerst moderat zu werten.

 

Pressekontakt

Peggy Groß

ist Pressesprecherin des Stifterverbandes.

T 030 322982-530

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Dr. Thu-Van Nguyen

ist Leiterin der Erhebung zu Forschung und Entwicklung und Leiterin des Forschungsdatenzentrums in der Wissenschaftsstatistik des Stifterverbandes.

T 0201 8401-424

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