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Künftige Lehrkräfte sind nicht gut auf aktuelle Herausforderungen vorbereitet

21.01.2022

Umfrage von Stifterverband und McKinsey: Abiturienten mit Interesse am Lehramt mangelt es oft an digitalen und transformativen Fähigkeiten. Es besteht großer Bedarf an Weiterbildung bereits tätiger Lehrkräfte. Der Lehrerberuf muss attraktiver werden, um Top-Abiturienten für ein Studium zu gewinnen. Nur elf Prozent der Top-Abiturienten wollen Lehrer werden. Genauso viele von ihnen geben "Influencer" als Berufswunsch an.

Komplexe digitale und gesellschaftliche Herausforderungen verändern in unseren Schulen auch die Anforderungen an Lehrkräfte. Benötigt werden zunehmend nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern auch überfachliche Kompetenzen wie personale, digitale und transformative Fähigkeiten. Eine aktuelle Umfrage unter mehr als 400 Abiturienten an deutschen Schulen zeigt jetzt: Schüler mit Interesse am Lehramt bringen – mit Ausnahme der personalen – nur selten diese Kompetenzen mit. Das Problem: Die Lehramtslaufbahn ist immer noch zu unattraktiv. Die nach Noten besten Abiturienten, die über die benötigten Kompetenzen verfügen, gehen eher in die Wirtschaft und wollen nur selten den Lehrberuf ergreifen. Das sind zentrale Ergebnisse einer aktuellen Studie von Stifterverband und McKinsey & Company mit dem Titel "Schule im Wandel. Welche Lehrkräfte braucht das Land?".

Der Umfrage zufolge wertschätzen zwar die Abiturienten mit den besten Noten das Lehramt am meisten, doch entscheiden sich die wenigsten von ihnen letztlich für den Beruf. "Wir brauchen aber exzellente Lehrkräfte, um alle Schüler und Schülerinnen auf die künftige Arbeits- und Lebenswelt vorzubereiten", sagt Volker Meyer-Guckel, Generalsekretär des Stifterverbandes. Um auch die besten Abiturienten für das Lehramt zu interessieren, müsse die Lehrerlaufbahn wieder attraktiver werden. "Im Moment wollen nur elf Prozent der Top-Abiturienten Lehrer werden. Genauso viele von ihnen geben Influencer als Berufswunsch an, das kann uns als Gesellschaft nicht gefallen", so Volker Meyer-Guckel.

Die Ausbildung zukünftiger Lehrerinnen und Lehrer sollte auf zwei Säulen beruhen – auf fachlichen und überfachlichen Kompetenzen
Vergleich des Interesses am Lehrerberuf und der Wertschätzung des Lehrerberufs in Abhängigkeit von der Note
Rangfolge der Attribute, die sich Schülerinnen und Schüler mit Abiturnotenschnitt 1,9 oder besser bei der Berufswahl wünschen und ihre Erwartungen an den Lehrerberuf
Selbsteinschätzung hinsichtlich besonderer Stärken von Abiturientinnen und Abiturienten mit Interesse am Lehrerberuf (in Prozent)
Selbsteinschätzung hinsichtlich besonderer Stärken von Abiturientinnen und Abiturienten mit Interesse am Lehrerberuf (in Prozent)

 
Für das geringe Interesse der Top-Schüler am Lehramt gibt es verschiedene Gründe. Ihnen sind "Spaß an der Arbeit", "Einkommen" und "Aufstiegsmöglichkeiten" besonders wichtig – Aspekte, die sie eher mit einer Karriere in der Wirtschaft und nur bedingt mit dem Lehrerberuf verbinden. Bedenklich auch: Lag die Abiturnote der Lehramts-Studienanfänger im Jahr 2014 noch bei 2,1 rutschte sie im Jahr 2021 auf 2,5. Meyer-Guckel: "Gute Abiturnoten allein befähigen zwar nicht zwangsläufig zum Lehrerberuf, sind aber ein guter Indikator für fachliche Versiertheit."

Die heutigen Lehramtsanwärter bringen der Umfrage zufolge aber gute personale Kompetenzen mit. Sie zählen sehr häufig Empathie und den Umgang mit jungen Menschen zu ihren besonderen Stärken. Großen Nachholbedarf gibt es allerdings bei den digitalen Kompetenzen. Zwar zählt noch jeder vierte Befragte diese zu seinen besonderen Stärken, aber nur jeder Achte hat großen Spaß daran, sich mit Technologien auseinanderzusetzen. Noch seltener genannt werden transformative Kompetenzen, also Schlüsselkompetenzen, die für die Bewältigung von gesellschaftlichen Herausforderungen benötigt werden. Für den Lehrerberuf bedeutet dies beispielsweise in der Lage zu sein, Schulen zu digitalen und zu nachhaltigen Institutionen weiterzuentwickeln. Dafür werden Veränderungsbereitschaft und Innovationsstärke benötigt. Aber nur zehn bis 13 Prozent der Befragten zählen die für den Modernisierungsprozess notwendige Resilienz gegenüber Rückschlägen oder auch das Sprechen vor größeren Gruppen zu ihren besonderen Stärken.

Bei der Transformation zur "Schule der Zukunft" benötigen die Einrichtungen nach Ansicht von Stifterverband und McKinsey mehr Entscheidungshoheit bei Personalentscheidungen und flexiblere Zugangskriterien in den Lehrerberuf. Ebenfalls notwendig: Ausbildende Universitäten sollten verstärkt digitale Kompetenzen vermitteln. Grundsätzlich müsse der Lehrerberuf aber auch durch bessere Aufstiegsmöglichkeiten attraktiver werden, um noch mehr gute Schüler für ein Studium zu gewinnen. Gleichzeitig müssen für Schulen Standards zur technischen Ausrüstung durch die Länder festgelegt werden. Der Lehrerberuf würde von einer Öffnung für Quereinsteiger aber auch von einem systematischem Qualifizierungssystem profitieren sowie durch die Möglichkeit für ein Jahr Arbeitserfahrungen in anderen Systemen und Bereichen sammeln zu können.

 

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Peggy Groß

ist Pressesprecherin des Stifterverbandes.

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