Netzwerk "Stark durch Diversität"
Zweites Netzwerktreffen

Das gesamte Netzwerk traf sich zum zweiten Mal am 18. Mai 2018 im Ruhrturm in Essen.

Das Treffen diente erneut der gemeinsamen Arbeit in den Arbeitsgruppen, öffnete aber gleichzeitig zum ersten Mal den Kreis des Netzwerks für externe Gäste.

Eine Podiumsdiskussion, besetzt mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Bildungspraxis und Bildungspolitik, widmete sich der Frage nach der Rolle und Bedeutung von zentralen Begrifflichkeiten, die die Arbeit des Netzwerks ausmachen. Die Verständigung über Inhalte und Konzepte von Begriffen wie "Interkulturalität", "Multikulturalität", "Transkulturalität", "Heterogenität", "Diversität", "Vielfalt" etc. sowie von deren Praktikabilität in unterschiedlichen Kontexten wie der Lehramtsausbildung oder der Schulbildung trägt entscheidend zum gelingenden Austausch und der gemeinsamen Kooperation innerhalb des Netzwerks bei.

Foto: Simon Bierwald, INDEED Photography
Podium und Publikum beim zweiten Netzwerktreffen

Die Diskussion bot unterschiedliche Perspektiven aus Wissenschaft, Praxis und Politik auf die Verwendung von zentralen Begrifflichkeiten und widmete sich außerdem der Frage nach dem Stand der Verstetigung von interkultureller Bildung in Deutschland. Sie kam zu dem Ergebnis, dass die Bedeutung interkultureller Kompetenzen im Kontext der Lehramtsausbildung durchaus präsent sei, es bisher aber an verpflichtenden Studienanteilen fehle. Bislang sind befristete Projekte zur Vermittlung von Zusatzqualifikationen die Regel. Darüber hinaus hielten die Diskutierenden fest, dass Debatten um Begriffe produktiv seien und immer dazu dienen sollten, Theoretikerinnen und Theoretiker mit Praktikerinnen und Praktikern ins Gespräch zu bringen.

 

Foto: Simon Bierwald, INDEED Photography

Prof. Dr. Hans-Joachim Roth

Professor für Erziehungswissenschaft unter besonderer Berücksichtigung der Interkulturellen Pädagogik an der Universität zu Köln und stellvertretender Direktor des Mercator Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache

 

  • "Die vorschnelle Veränderung von Labels kann zu Bedeutungsverlust führen."
  • "Doch gerade die Begriffe, die so widerständig sind, haben auch den Vorteil, dass sie uns in die Gespräche bringen, und darüber kommt man oft an den Kern dessen, worum es eigentlich geht."
  • "Die Diskussionen um Begrifflichkeiten dürfen die Überlegungen zu Inhalten nicht überdecken. Wir müssen uns vor allem die Frage stellen: Was unterrichten wir eigentlich?"
  • "Ziel der Lehramtsausbildung muss auch ein entspannter Umgang mit der Unterschiedlichkeit von Menschen sein. Dies kann nur erreicht werden, wenn der Umgang mit Vielfalt obligatorischer Inhalt der Lehramtsausbildung wird."
  • "Projekte können zwar Innovation voranbringen, Nachhaltigkeit benötigt jedoch langfristige Planung. Etablierte Strukturen bieten die Möglichkeit auf Veränderungen kontinuierlich reagieren zu können."

 

Foto: Simon Bierwald, INDEED Photography

Irene Appiah

Beratungsstelle Interkulturelle Erziehung des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung, Hamburg

 

  • "Ob nun von Trans-, Multi- oder Interkulturalität gesprochen wird, ist für die Praxis letztendlich irrelevant, da es dort um konkrete Fälle geht. Trotzdem muss der Kulturbegriff in Fortbildungen natürlich weiterhin problematisiert werden – dies ist zumeist schon der Fall."
  • "Die Vielfalt auf Schüler*innenebene spiegelt sich noch nicht auf der Lehrer*innenebene wider."
  • "Wir haben das Problem nicht, weil wir Neuzuwanderung haben, wir haben das Problem, weil wir die längst eingesessenen Migrant*innen gar nicht abgeholt haben, und jetzt haben wir mehrfache Clashes, und das wird ganz oft ignoriert. Man stürzt sich immer nur auf die Neuzuwanderung."
  • "Interkulturelle Kompetenzen gelten noch als eine besondere Zusatzqualifikation in der Lehrerbildung, obwohl sie als ein Studieninhalt eigentlich obligatorisch sein müssten."

 

Foto: Simon Bierwald, INDEED Photography

Oberregierungsrat Dr. Burak Çopur

Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen

 

  • "'Terms matter!' – Die akademische Weiterentwicklung von Begriffen ist wichtig, bei der aber der Bezug zur praktischen Arbeit mitdiskutiert werden sollte."
  • "Wir müssen weg vom Generalisieren und uns besser mit konkreten Problemen auseinandersetzen und bei ihnen ansetzen."
  • "Wir brauchen einen Mentalitätswandel in allen Institutionen. Das Thema 'Vielfalt' muss zur Chefsache werden."

 

Foto: Simon Bierwald, INDEED Photography

Dorothee Kleinherbers-Boden

Schulleiterin der Gesamtschule Else Lasker-Schüler, Wuppertal

  • "Sprachförderung ist ganz wesentlich. Ohne Sprache sind Schülerinnen und Schüler nicht zu bilden."
  • "Sprachförderung und Wertevermittlung gehen Hand in Hand; hier ist der Toleranzbegriff zentral."
  • "Die Persönlichkeitsbildung ist in der Lehramtsausbildung von höchster Bedeutung. Die Wertschätzung von Menschen ist die wichtigste Kompetenz, die von angehenden Lehrkräften erlangt werden muss."

 

Foto: Simon Bierwald, INDEED Photography

Bernadette Thomas

Lehrerin an der Tulla-Realschule Kehl

 

  • "Die Kooperation und Vernetzung ist für Lehrpersonen zentral, um sich über Herausforderungen des Schulalltags austauschen zu können und handlungsleitende Konzepte zu entwickeln."
  • "Die Diversität in den Reihen der Lehrkräfte muss erhöht werden."