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Studie: Hochschulräte wünschen klare Rollenfestlegung und mehr Unterstützung für ihre Arbeit

30.10.2019

Hochschulräte kommen vorrangig aus der Wissenschaft und sehen sich vor allem als strategische Berater der Hochschulleitungen. Die Mehrheit ist mit den Rahmenbedingungen einverstanden, wünscht sich aber klar definierte Aufgaben und Entscheidungsrechte. Das sind Ergebnisse einer Umfrage unter allen Hochschulräten in Deutschland.

Hochschulräte – auch Aufsichtsräte, Kuratorium, Stiftungsrat oder Universitätsrat genannt – gibt es seit Ende der 1990er-Jahre. Sie sind als Steuerungs- und Kontrollgremium für Hochschulleitungen in fast allen Bundesländern etabliert.

Die Umfrage unter den Mitgliedern der Hochschulräte hat ergeben: Die Mehrheit der Hochschulratsmitglieder kommt aus der Wissenschaft (52 Prozent), 30 Prozent kommen aus der Wirtschaft und 18 Prozent aus den Bereichen Politik und Gesellschaft.

Zu ihren Hauptaufgaben zählen sie die Beratung der Hochschulleitung (90 Prozent) und das Mitgestalten der Hochschulstrategie (87 Prozent). Drei Viertel der Befragten (74 Prozent) geben die Aufsicht und Kontrolle der Hochschulleitung als weitere wichtige Aufgabe an. Unterschiedliche Rückmeldungen zum Aufgabenspektrum von Hochschulratsmitgliedern aus gleichen Gremien deuten darauf hin, dass Mitglieder ihre Aufgaben unterschiedlich interpretieren. Eine deutliche Mehrheit der Hochschulräte ist beteiligt an der Wahl der Hochschulleitung, an der Entwicklung der Hochschulstrategie sowie an der Prüfung der Rechenschaftsberichte. Die Mehrheit (68 Prozent) der Hochschulräte ist mit den politischen Rahmenbedingungen zufrieden. Die Ergebnisse variieren allerdings je nach Umfang der Aufgaben und Kompetenzen der Hochschulräte in den einzelnen Bundesländern.

"Die Studie verdeutlicht, dass sich Hochschulräte, auch wenn sie anfangs nicht unumstritten waren, als Teil der Hochschulgovernance etabliert haben", resümiert Horst Nasko, Vorstand der Heinz Nixdorf Stiftung. "Die Einführung der Hochschulräte war ein entscheidender Schritt für den Autonomiegewinn von Hochschulen. Sie haben die Kontrollaufgaben des Staates erfolgreich übernommen."

"Diesen Paradigmenwechsel hat das Forum Hochschulräte begleitet", erklärt Andreas Schlüter, Generalsekretär des Stifterverbandes. "Das Forum ist eine Initiative des Stifterverbandes und der Heinz Nixdorf Stiftung in Kooperation mit dem CHE Gemeinnütziges Centrum für Hochschulentwicklung. Es ist die einzige bundesweite Plattform in Deutschland, die den Hochschulräten eine Stimme gibt."

Die Studie macht allerdings auch Veränderungsbedarfe deutlich: Hochschulräte wünschen sich eindeutigere Entscheidungsrechte, gesetzlich klar definierte Zuteilung ihrer Rollen und Aufgaben und bessere Unterstützung für ihre Arbeit. Die Geschäftsstellen von Hochschulräten übernehmen vor allem organisatorische Aufgaben von zeitlich sehr begrenztem Umfang. 70 Prozent der Hochschulräte erhalten keine Aufwandsentschädigung, nur sechs Prozent haben ein eigenes Budget zur Verfügung.

Nach den großen Herausforderungen in den nächsten fünf Jahren gefragt, nennen die Mitglieder der Hochschulräte mit Abstand vor allem den Digitalisierungsprozess in allen Bereichen der Hochschulen: Forschung, Lehre, Administration. Das Gewinnen von herausragenden Wissenschaftlern wird ebenfalls als wichtige Aufgabe gesehen. Die Steigerung der Grundfinanzierung ist für sie bedeutsamer als der Erfolg im Drittmittelwettbewerb.

 

Pressekontakt

Peggy Groß

ist Kommunikationsmanagerin im Stifterverband.

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Dr. Mathias Winde

leitet im Stifterverband den Programmbereich "Hochschulpolitik und -organisation".

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