Stephan Balzer: Wir brauchen neue Business Schools

"Wir müssen an dem Wertemodell der Manager der Zukunft arbeiten."

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Auf Teufel komm raus das Ergebnis betriebswirtschaftlich optimieren? In Zukunft wird es sich kein Unternehmen leisten können, gesellschaftliche Verantwortung auf andere abzuschieben. Für den Entrepreneur Stephan Balzer, der die TEDx-Konferenzen über Technologe, Design und Innovation nach Berlin gebracht hat, steht fest: Eine neue Managergeneration muss weniger BWL, sondern mehr Ethik lernen. Und er weiß auch schon, wie und wo.
 

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Autor: Timur Diehn
Produktion: Webclip Medien Berlin
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Transkript des Videos

Wir haben die Challenge, und das bleibt auch erstmal so, dass wir die Führungskräfte der Zukunft ausbilden müssen.

Die müssen eine Ausbildung bekommen, und es geht eigentlich los schon im Kindesalter, dass wir im Moment nicht die richtigen Angebote haben für unsere Schüler, für unsere Studenten, weil wir noch mit einem System arbeiten, das eben über Jahrzehnte entwickelt wurde und nach dem Krieg auch gut funktioniert hat, aber das eigentlich für die Zukunft nicht mehr das richtige ist. Wir müssen es verändern und öffnen. Ich glaube, die Impulse werden privat kommen. Auch wir werden Impulse setzen, eher natürlich privat, und nicht in den öffentlichen Sektor gehen, weil der überreguliert ist in Deutschland und auch nicht so richtig Spaß macht unternehmerisch. Aber da, wo wir Unternehmen weiterbilden und ausbilden können, da ist, glaube ich, das Wichtige, ich nenne das immer das new curriculum. Und ein new curriculum heißt: Wir müssen tatsächlich an dem Wertemodell der Manager der Zukunft auch arbeiten. Dass die Technologie-Know-how haben müssen, das ist dann sozusagen Fakt. Ich glaube, man kommt gar nicht mehr daran vorbei, dass ich ein Basiswissen haben muss, wie Technologie funktioniert. Aber was uns fehlt und was, finde ich, auch, und das haben die letzten Jahrzehnte der Wirtschaft gezeigt, dass wir auf dem Rücken von Planet und von Gruppen auf unserem Planeten sozusagen Profite erwirtschaftet haben, ein Wachstum produziert haben, der uns in Deutschland extrem zugute kommt, aber auch anderen Ländern, der eben zu einer sozusagen fehlenden Balance geführt hat. Und das ist eben nicht nur Geld, sondern das ist auch Teilhabe. Das ist Teilhabe im Sinne von Bildung. Es ist eine Teilhabe im Sinne von natürlich auch Wachstum, Teilhabe auch an Mitbestimmung. Und daran zu arbeiten, diese nächste Generation an Führungskräften zu entwickeln, die bewusster sind. Und ich rede tatsächlich, es geht gar nicht darum, dass sie jetzt, das hört sich so esoterisch an, mir geht es darum, dass sie bewusster werden in dem Sinne von ihrer Verantwortung, die sie haben im Unternehmen. Weil Unternehmen haben einen Riesenhebel. Ein Unternehmen mit 100.000, 200.000 Mitarbeitern, mit vielleicht 80 Standorten in der Welt, hat einen Riesenhebel. Wenn wir 100 solcher Unternehmen dazu bringen, dass sie etwas verändern, verantwortlich werden, etwas sich mehr darum kümmern, was auf dem Planeten passiert, Initiativen unterstützen wie zum Beispiel Impact-Initiativen oder auch Impact-Start-ups, dann ist das der Weg, glaube ich, in die gemeinsame positive und auch faire Zukunft.

Wenn ich an einer Business School nur trainiere, auf meinem Excel-Sheet zu optimieren, meine Supply Chain zu optimieren, zu gucken, wo kann ich im Einkauf noch mehr Punkte herausholen und meinen Zulieferer noch mehr sozusagen unter Druck setzen, dass er noch billiger wird, und ich mich gar nicht darum kümmere, was das heißt. Weil wenn der das tut, dann muss der das wiederum weitergeben an den nächsten und an den nächsten. Wenn ich so ein Mindset produziere und so ein Mindset auch produziere in Business Schools, was wir im Extrembeispiel in der Fnanzindustrie gesehen haben, sehr Ego-getrieben, sehr Testosteron-getrieben, überwiegend sehr männlich, selbstoptimiert, selbstoptimiert auch in großen Unternehmen. Also, auch die Erlaubnis quasi, sich dort zu nehmen zu sagen: Ich optimiere für mich und für meinen Bonus auf Kosten des Unternehmens und auch auf Kosten anderer Dritter. So ein Mindset ist das Mindset, was wir nicht mehr brauchen. Und ich glaube, die Aufgabe von Gesellschaft ist es, dass wir dafür sorgen, dass wir dieses Mindset in Unternehmen nicht mehr haben, weil es ist aus einer Shareholder-Perspektive unverantwortlich, weil auch Unternehmen müssen langfristig denken, und so eine Denke, die muss weg. Und, wie gesagt, die Business Schools sind da noch nicht. Das wird eine Weile auch dauern. Aber auch die stehen unter Druck mit ihrem klassischen Modell. Aber ich glaube, darum geht es, genau dieses neue Curriculum zu bauen. Das wird eine andere Business School sein wahrscheinlich, die wir erst noch machen müssen.

Berlin ist als Stadt mehrfach disrupted worden, wenn wir den Begriff ausleihen aus der Start-up-Welt, und musste sich immer wieder neu aufstellen. Und ich glaube, dieses Learning in einer Stadt, das ist sehr einzigartig, das haben wir in Deutschland gar nicht. Gleichzeitig haben wir diese Offenheit. Berlin steht auch für diesen Spirit, für diesen Freiheitsgrad, für die Freiheit, auch neue Dinge ausprobieren zu können. Und das ist eine unglaubliche Chance. Weil wir müssen in die Richtung gehen, und wir müssen hier das Neue erfinden, weil wir haben nichts Altes. Wir dürfen nicht vergessen: Wir haben keine industrielle Basis. Die haben wir verloren durch den Mauerbau. Die ist weg. Und wir haben sozusagen in den Jahrzehnten dazwischen haben wir, ich sage jetzt mal, im klassischen Sinne fast Sozialismus gehabt, wo ja im Grunde die Stadt der Arbeitgeber war. Nur die Stadt. Weil wir hatten ja kaum Unternehmer hier, vielleicht ein bisschen Bauwirtschaft, das war das einzige, was noch ab und zu ein paar Skandale hatte in den 80ern und so. Aber wir hatten jetzt nicht in dem Sinne tatsächlich innovative Wirtschaft im Vergleich zur Bundesrepublik. Und das heißt, wenn ich auf dem nicht aufbauen kann, dann ist es zumindest eine Chance, das als Einladung zu nehmen, neu zu erfinden. Und ich glaube, da haben wir hier die Chance schlechthin. Wir können das Lab sein für Deutschland, vielleicht für Europa. Wir sehen das mit dem Zuzug von allen möglichen Talenten im Bereich AI, Blockchain, all diese Themenfelder, die funktionieren hier hervorragend. Und wir sehen es auch an solchen Phänomenen wie TOA, solchen Festivals, die im Grunde auch eine völlig neue Kultur der Kreativität erlauben, was man sich auch in keiner anderen deutschen Stadt vorstellen kann. Das heißt also, wenn man damit jetzt richtig arbeitet, und da will man die Politik ja eher einladen, nichts zu tun, weil meistens je mehr Politik versucht, umso schlimmer wird es. Das heißt, einfach laufen lassen und gutes Framework zur Verfügung stellen. Ich glaube, da haben wir hier eine unglaubliche Möglichkeit, sozusagen der Standort und das Vorzeigebeispiel zu sein für dieses Neue, was wir entwickeln.