Skip to main content

Bildungspolitik in
Rheinland-Pfalz:
Analyse der Wahlprogramme 2026

Zitate aus den Wahlprogrammen der Parteien zur Landtagswahl am 22. März 2026

Welche Ziele verfolgen die Parteien in der Lehrkräftebildung?

 

SPD
SPD
  • Wir bilden kontinuierlich neue Lehrkräfte aus und konnten so trotz des bundesweiten Fachkräftemangels jährlich mehr als 1.000 neue Lehrerinnen und Lehrer einstellen. (S. 21)
  • Lehrkräfte werden zu Lernbegleitern und Talentförderern, die individuell unterstützen, Lernfreude wecken und Kompetenzen stärken. Neben der Fachkompetenz rücken die pädagogische Begleitung und die Förderung selbstständigen Lernens in den Mittelpunkt. So wird jede Lehrkraft in der Rolle und Persönlichkeit weiter gestärkt. Vor diesem Hintergrund ent-wickeln wir die Lehramtsausbildung weiter. Zudem stärken wir gezielt, praxisnah und bedarfsorientiert Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Lehrkräfte. (S. 21)
  • Wir haben Lehrkräftebedarfe im Blick und schaffen gezielt Anreize: Ausbildungskapazitäten bauen wir bedarfsgerecht aus und vereinfachen Wechselmöglichkeiten zwischen den Schularten. (S. 21)

 

Bündnis 90/Die Grünen
Bündnis 90/Die Grünen
  • Unsere Schulen brauchen motivierte, gut aus- und fortgebildete Lehrkräfte in ausreichender Zahl. (S. 45)
  • Deshalb wollen wir sie von Verwaltungsaufgaben entlasten und  multiprofessionelle Teams ausbauen. Dazu gehört der Ausbau der Schulsozialarbeit und des schulpsychologischen Dienstes, orientiert an Sozialraumindikatoren. (S. 45)
  • A/E13 als Einstiegsgehalt für alle Lehrkräfte in Rheinland-Pfalz ist längst überfällig. (S. 46)
  • Gleichzeitig wollen wir eine inklusive, moderne und praxisnahe Lehramtsausbildung: Wer unterrichtet, soll fachlich und pädagogisch gut vorbereitet sein. Daher wollen wir Studium und Schulalltag im Rahmen eines praxisnahen Stufenlehramts zukünftig eng miteinander verzahnen. (S. 46)
  • Damit politische Bildung ihren Anspruch erfüllen kann, Querschnittsaufgabe aller Unterrichtsfächer zu sein, wollen wir den bildungswissenschaftlichen Teil des Lehramtsstudiums um entsprechende Elemente erweitern. Das Angebot von Fortbildungen in diesem Bereich für Lehrer:innen soll ausgebaut werden. (S. 47)

 

FDP
FDP
  • Eine gute Lehrerversorgung ist Grundvoraussetzung für Unterricht. Wir Freie Demokraten setzen uns dafür ein, dass an allen Schularten mindestens eine 100-prozentige Unterrichtsversorgung sichergestellt wird. (S. 12)
  • Da Unterrichtsausfälle durch Erkrankung, Weiterbildung und dienstliche Veranstaltungen eintreten, wird es auch in Zukunft erst bei einer Stellenzuweisung von 105 Prozent zu einer optimalen Versorgung kommen, was angestrebt werden muss (S. 12)

 

CDU
CDU
  • In der Schule setzen wir auf Verlässlichkeit und Qualität: Unterrichtsgarantie von 8 bis 14 Uhr an allen Grundschulen (S. 6)
  • Hinzu kommen mehr Personal, mehr Autonomie und eine bessere Ausstattung in unserem gegliederten Schulsystem (S. 6)
  • Wir sorgen dafür, dass Unterricht verlässlich stattfindet, Leistung wieder im Mittelpunkt steht und Erfolge auch gefeiert werden dürfen. (S. 13)

 

AfD
AfD

Keine Zitate gefunden

Freie Wähler
Freie Wähler
  • Wir benötigen eine 110%ige Unterrichtsversorgung an unseren Schulen um die zunehmende Heterogenität der Kinder abzudecken, Unterrichtsausfall zu vermeiden und somit Chancengleichheit zu gewährleisten. Schule darf nicht länger ein Ort pädagogischer Experimente sein, sondern muss wieder ein Ort des Lernens werden. (S. 9)
  • Unterrichtsqualität sichern wir über klare Standards und Fortbildungspflichten: Didaktik der Grundkompetenzen (Lesen, Schreiben, Rechnen), evidenzbasierte Methoden und digitale Didaktik inkl. KI-Assistenz – als Werkzeug im Unterricht, nicht als Ersatz für Leistung. (S. 11)
  • Entscheidend ist das Ergebnis im Klassenzimmer: verlässlicher Fachunterricht statt Stundenausfall, Disziplinrahmen, und Förderung nach Leistung – für Schwächere wie für Starke. (S. 11)

 

Die Linke
Die Linke
  • Insbesondere im Bereich der Lehrer*innenbildung braucht es praxis- und lebensrealitätsnahe Rahmenbedingungen. Wenn man gute Bildung für Schüler*innen gewährleisten möchte, müssen auch entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden. Daher setzen wir uns neben der Schule für alle auch für eine bessere Ausbildung der Lehrer*innen an den aktuell noch bestehenden Schulformen ein, um Schüler*innen eine angemessene Bildung zu gewährleisten. (S. 21-22)

 

 
EINE EINORDNUNG AUS SICHT DES STIFTERVERBANDES

Gemäß der Prognose der Kultusministerkonferenz (KMK) ist das Verhältnis von  Lehrkräftebedarf und Lehrkräfteangebot für Rheinland-Pfalz bis 2035 zwar rechnerisch weitgehend ausgeglichen. Während aber für das Grundschullehramt und Sonderpädagogik voraussichtlich mehr als doppelt so viele Lehrkräfte zur Verfügung stehen als benötigt werden, ist für die Sekundarstufe I und die beruflichen Fachrichtungen davon auszugehen, dass nur ca. 30 bis 40 Prozent des Bedarfs gedeckt werden können. Aus Sicht des Stifterverbandes muss deshalb die Schließung dieser Lehrkräftelücke oberste bildungspolitische Priorität haben. Darüber hinaus müssen Zukunftskompetenzen – insbesondere digitale und KI-Kompetenzen – stärker curricular verankert werden, um die Lehrkräfte von morgen zu befähigen, Schule in einer Welt im Wandel erfolgreich zu gestalten.

Über fast alle Parteien hinweg zeigt sich in den Wahlprogrammen zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz ein Konsens darüber, dass die Sicherung der Unterrichtsversorgung und die Qualität der Lehrkräfteausbildung zentrale bildungspolitische Aufgaben sind. Allerdings unterscheiden sich Umfang und Konkretheit der vorgeschlagenen Maßnahmen deutlich.

SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN formulieren vergleichsweise konkrete Ansatzpunkte in der Aus- und Fortbildung – etwa durch eine engere Theorie-Praxis-Verzahnung oder die Stärkung der 3. Phase – und greifen damit Reformhebel auf, die aus Sicht des Stifterverbandes zu befürworten sind. Demgegenüber betonen CDU, FDP und FREIE WÄHLER zwar nachdrücklich die Notwendigkeit einer verbesserten bzw. vollständigen Lehrkräfteversorgung, bleiben jedoch weitgehend vage, welche strukturellen Reformen oder Instrumente zur Schließung der Lehrkräftelücke  vorgesehen sind. Bei der Fraktion DIE LINKE bleiben die Zielsetzungen ebenfalls sehr allgemein, während sich im Programm der AfD gar keine erkennbaren Aussagen zur Lehrkräftebildung finden.

Insgesamt dominieren damit programmatisch eher Absichtserklärungen als systematische Strategien zur Bewältigung des Lehrkräftemangels. Nur einzelne Parteien benennen konkrete Reformansätze in der Lehrkräftebildung; vielfach bleibt offen, wie der steigende Bedarf mittel- und langfristig gedeckt und welche strukturellen Veränderungen vorgenommen werden sollen.
 

Back to top