Zitate aus den Wahlprogrammen der Parteien zur Landtagswahl am 22. März 2026
Wie können Schulen dabei unterstützt werden, Unterricht und Kooperationen besser zu verzahnen, damit alle Schülerinnen und Schüler ihre Bildungspotenziale bestmöglich entwickeln?
- Familiengrundschulzentren zeigen erfolgreich, wie Schule mit dem sozialen Umfeld zusammenwirken kann, etwa mit Vereinen, Eltern oder außerschulischen Betreuungs- und Bildungsangeboten – und davon profitieren alle. Wir wollen die Schule noch stärker mit der Gesellschaft, mit dem Dorf oder der Stadt, in der sie steht, vernetzen und Synergieeffekte schaffen, beispielsweise mit Angeboten des Breitensports oder anderen Nachmittags- und Ferienangeboten. Schulentwicklung ist für uns somit auch ein Bestandteil einer Sozialraumplanung. Durch diese Vernetzung gelingt es, Schulen für alle zum Anlaufpunkt zu machen und gleichzeitig die Netzwerke so auszubauen, dass Lehrkräfte in ihrer Professionalität gestärkt werden und durch andere Fachkräfte Unterstützung erfahren. (S. 19)
- Wir wollen den Ganztag im Klassenverband durch die Einrichtung von Ganztagsklassen zum Standard machen. Diese Schulen sollen den Rhythmus bestimmen und die Möglichkeit erhalten, Schulunterricht, freie Arbeitsphasen, Bewegung und freie Zeiten über den ganzen Tag zu verteilen. (S. 45)
- Wir werden die Lehrpläne entschlacken und auf zukunftsrelevante Fachinhalte und Kompetenzen fokussieren. So schaffen wir Freiräume für vielfältige pädagogische Ideen und Schwerpunkte so wie neue innovative Unterrichtsformen. (S. 46)
- Gleichzeitig wollen wir die außerschulischen Träger:innen der Politischen Bildung stärken und im Schulalltag Räume für deren Angebote schaffen. Die Landeszentrale für Politische Bildung spielt dabei eine zentrale Rolle. Wir wollen die Landeszentrale weiter stärken und Kooperationen mit Schulen, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen ausbauen. (S. 47)
- Kulturelle Bildung soll fester Teil im schulischen Ganztag werden. Gemeinsam mit den Trägern wollen wir Bibliotheken, Musikschulen, junge Kunstschulen, Theater und Museen als niedrigschwellige, Generationenübergreifende Orte der Begegnung, des Lernens und der sozialen Teilhabe stärker fördern. Wir fördern Kooperationen von Kulturinstitutionen und Kulturschaffenden mit Schulen und Kitas. Programme wie "Jedem Kind seine Kunst", Kulturwandertage und kommunale Jugendkulturangebote wollen wir fördern, denn sie machen junge Menschen neugierig auf Theater, Literatur, Film oder Musik. Wir wollen ein Förderprogramm für Kulturbusse einführen, damit Schulen wieder mehr Fahrten zu Kultureinrichtungen unternehmen. (S. 90)
- Mit der erfolgreichen Einbindung der Jugendmusikschulen in das Nachmittagsprogramm von Ganztagsschulen konnte auch die kulturelle Bildung deutlich profitieren. (S. 4)
- Die Sportfachverbände und ihre Sportvereine in Rheinland-Pfalz haben qualifizierte Sport- und Bewegungsangebote und besitzen ein Alleinstellungsmerkmal durch ihre Multiplikatoren. Seit vielen Jahren haben bereits Sportfachverbände und ihre Vereine durch Programme der Landesregierung die Möglichkeit erhalten, Sportangebote in Ganztagsschulen und Kitas mitzugestalten. (S. 6)
- Wir wollen eine Kooperation mit Sportvereinen ermöglichen, die junge Menschen auch für außerschulischen Sport begeistern. (S. 6)
- Wir werden in Zusammenarbeit mit Vereinen und Verbänden Nachmittagsangebote in der Ganztagsschule schaffen. (S. 6)
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- Beginnend im 7. Schuljahr, könnten im weiteren Verlauf der schulischen Ausbildung nach und nach Kooperationen mit Betrieben und Hochschulen folgen. (S. 11)
- Berufsorientierung muss früher beginnen, verbindlich in den Lehrplänen verankert und praxisnah gestaltet werden: mit Praxistagen, Betriebsbesichtigungen, Mentoring und regionalen Ausbildungscamps. (S. 12)
- Besseres Lernen durch kleinere Klassen erreichen, mehr Lehrer*innen und multiprofessionelle Teams. Zusätzlich dazu fordern wir einen flächendeckenden Ausbau von Ganztagsschulen. (S. 19)
EINE EINORDNUNG AUS SICHT DES STIFTERVERBANDES
Für eine bessere Verzahnung von außerschulischen Kooperationen in der Schule sind bessere Rahmenbedingungen für Planungssicherheit, eine Flexibilisierung von Lehrplänen und Prüfungsordnungen sowie die Verankerung von Kooperationen in der Schulorganisation und im pädagogischen Konzept erforderlich. Darüber hinaus sind Unterstützung bei der Suche nach passenden außerschulischen Partnern sowie Fortbildungen für Schulleitungen und Lehrkräfte notwendig.
Aus Sicht des Stifterverbandes zeigen die Wahlprogramme jedoch nur sehr begrenzte Ansätze, um diese strukturellen Voraussetzungen zu stärken. Die AfD und DIE LINKE greifen die Rolle außerschulischer Kooperationen für die Unterrichtsentwicklung kaum auf. Eine systematische Verbindung zu zentralen Bildungszielen wie Basiskompetenzen, MINT, Demokratieförderung oder Berufsorientierung fehlt bei allen Parteien weitgehend. Stattdessen setzen sie meist auf einzelne Bereiche: BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN betonen politische und kulturelle Angebote, die FREIEN WÄHLER die Berufsorientierung, die CDU MINT‑Kooperationen und die FDP die Einbindung von Sportvereinen und Musikschulen. Positiv hervorzuheben sind strukturelle Ansätze wie Familiengrundschulzentren und sozialräumliche Vernetzung bei der SPD, die Entschlackung von Lehrplänen bei den Grünen, eine früh verankerte Berufsorientierung bei den FREIEN WÄHLERN sowie der Ausbau multiprofessioneller Teams bei SPD und DIE LINKE. Insgesamt bleiben die Parteien jedoch hinter den Möglichkeiten einer konsequenten curricularen Verzahnung deutlich zurück.
DIE WEITEREN THEMEN DER WAHLPROGRAMM-ANALYSE
- Welche Ziele verfolgen die Parteien in der Lehrkräftebildung?
- Welche Maßnahmen zur Erreichung neuer Zielgruppen und zur Weiterentwicklung des dualen Lehramtsstudiums sind geplant?
- Welche Maßnahmen planen die Parteien, um Schwund während des Lehramtsstudiums und Vorbereitungsdienstes zu reduzieren und die Attraktivität beider Phasen zu steigern – insbesondere in Mangelfächern?
- Wie wollen die Parteien auf Chancen und Herausforderungen von Künstlicher Intelligenz in der Lehrkräftebildung reagieren?
- Welche Maßnahmen planen die Parteien, um die Probleme beim Einsatz von sogenannten studentischen "PES-Lehrkräften" (als Lehrkräfte eingesetzte Lehramtsstudierende) zu adressieren?
- Wie sollen Kooperationen zwischen Schulen und außerschulischen Akteuren flächendeckend gestärkt und systematisiert werden?
- Wie wird die Schulaufsicht auf ihre neue Rolle gemäß KMK-Beschluss vom 16. Oktober 2025 vorbereitet?
- Welche Prioritäten setzen die Parteien für die schulische MINT-Bildung?