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Bildungspolitik in
Rheinland-Pfalz:
Analyse der Wahlprogramme 2026

Zitate aus den Wahlprogrammen der Parteien zur Landtagswahl am 22. März 2026

Welche Prioritäten setzen die Parteien für die schulische MINT-Bildung?

 

SPD
SPD
  • Mit Lesen, Schreiben und Rechnen sowie gezielter Sprachförderung setzen wir von Anfang an den Fokus auf die Fähigkeiten, die es für ein starkes Leben braucht. Unsere dafür entwickelten Programme wie „First Class“ setzen wir fort und ermöglichen so noch mehr Zeit für Bindung und Arbeit mit den Kindern. (S. 15)
  • Wir befähigen Schülerinnen und Schüler zur aktiven digitalen Teilhabe. (…) Sie verlassen die Schule mit echter Medienkompetenz und der Fähigkeit, die zunehmend digitale Gesellschaft aktiv zu prägen. Mit der Einführung des Pflichtfachs Informatik stärken wir unsere Schülerinnen und Schüler dabei. Zudem entwickeln wir das Landesprogramm "Medienkompetenz macht Schule" weiter. (S. 16)
  • MINT-Förderung ist und bleibt ein zentraler Baustein unserer Bildungspolitik. Wir wecken Neugier, fördern Talente und stärken den Forschergeist in jedem Alter. Gemeinsam mit Schulen, Hochschulen, Wirtschaft und außerschulischen Partnern begeistern wir Kinder und Jugendliche früh für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Unsere MINT-Strategie eröffnet berufliche Perspektiven, sichert Fachkräfte und stärkt die Innovationskraft in Rheinland-Pfalz. Wir fördern Talente von Anfang an und eröffnen neue Wege: MINT-Förderung setzt künftig noch stärker in Kita und Grund-schule an, Fach- und Lehrkräfte erhalten passgenaue Fortbildungen. Geschlechterunterschiede und -stereotype bauen wir weiter ab. (S. 18-19)
  • Mit unserer Fachkräftestrategie, die wir 2022 (...) fortgeschrieben haben, sichern und gewinnen wir die Fachkräfte, die unser Land heute und morgen stark machen. (...) Wir fördern MINT-Bildung von der Kita bis zur Hochschule, bauen die Angebote der Berufsorientierung an allen Schulen weiter aus, stärken die Übergänge von der Schule in den Beruf und setzen die Modernisierung der dualen Ausbildung fort. (S. 21)

 

Bündnis 90/Die Grünen
Bündnis 90/Die Grünen

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FDP
FDP
  • Im Bereich der Digitalisierung ist es uns gelungen, das Fach Informatik zum Pflichtfach zu machen (S. 3)
  • Darüber hinaus setzen wir uns für den Ausbau der Informations- und Beratungsangebote im Kontext der MINT-Berufe ein. Wir wollen eine nachhaltige Initiative starten und insbesondere Mädchen und junge Frauen ansprechen. (S. 27)
  • Wir werden die Fortbildungsmöglichkeiten für Erzieherinnen und Erzieher im Bereich Musik, Sprache und MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) ausbauen. (S. 5)
  • Wir wollen die bisherigen Wahlpflichtfächer (Wirtschaft und Verwaltung; Technik und Naturwissenschaft; Hauswirtschaft und Sozialwesen; Franzö-sisch) an allen Schulen als vollwertige Hauptfächer verankern (...). So können Schulen ein stärkeres Profil entwickeln und Schülerinnen und Schüler einen individuelleren Weg durch das Schulsystem wählen. (S. 14)
  • Wir werden in Zusammenarbeit mit den Kammern und den Schülern pilotieren, wie ein berufliches Gymnasialangebot mit Handwerks- und Technikprofil ("Handwerkergymnasium") entstehen kann, das gezielt talentierte junge Menschen an das Handwerk heranführt. (S. 18)

 

CDU
CDU
  • Wir fördern MINT-Schulen (S. 6)
  • Deshalb setzen wir auf gezielte Förderprogramme in den Klassenstufen 5 bis 7 für Lesen, Schreiben und Rechnen, (...). (S. 14)
  • Die Förderung von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) ist uns ein besonderes Anliegen. Schülerlabore, Wettbewerbe und Projekte in Zusammenarbeit mit Unternehmen, Verbänden, Stiftungen und Hochschulen machen Wissenschaft erlebbar und stärken den Mut sowie die Begeisterung für den weiteren Weg im MINT-Bereich. Lehrkräfte bilden wir gezielt fort, um den MINT-Unterricht lebendig zu gestalten. Schulen unterstützen wir dabei, wenn sie sich als MINT-Schule profilieren wollen. (S. 15)

 

AfD
AfD
  • Insbesondere mathematische Fähigkeiten sowie Textverständnis sind zu fördern. Zweitens werden die Berufsschulen besser ausgestattet; es werden Technische Gymnasien eingerichtet. (S. 32)

 

Freie Wähler
Freie Wähler
  • Unterrichtsqualität sichern wir über klare Standards und Fortbildungspflichten: Didaktik der Grundkompetenzen (Lesen, Schreiben, Rechnen), evidenzbasierte Methoden und digitale Didaktik inklusive KI-Assistenz (...) Talente für MINT-Fächer müssen gezielt gefördert werden. (S. 11)
  • Schülerlabore, Hochschulkurse für Lehrkräfte und MINT‑Förderprogramme sollen den Nachwuchs für Technik und Naturwissenschaften begeistern. (S. 33)

 

Die Linke
Die Linke

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EINE EINORDNUNG AUS SICHT DES STIFTERVERBANDES

Die Landesregierung in Rheinland-Pfalz setzt seit 2016 eine umfangreiche MINT-Strategie um, die Maßnahmen entlang der gesamten Bildungskette implementiert und zudem auch mit einer MINT-Geschäftsstelle personelle Ressourcen gebunden hat. Im aktuellen IQB-Bildungstrend 2024 lag Rheinland-Pfalz im mathematisch-naturwissenschaftlichen Kompetenzbereich dennoch im unteren Drittel. Die Entwicklung ist insofern problematisch, da zum einen der Leistungsabfall seit dem letzten Bildungstrend 2018 sehr stark war und zum anderen jeder dritte Schüler bzw. jede dritte Schülerin die Mindeststandards für die mittlere Reife in MINT verpasst. Gleichzeitig erreichen immer weniger Schülerinnen und Schüler die Optimalstandards in MINT. In der Folge sinkt seit Jahren sowohl die Zahl der Studienanfängerinnen und Studienanfänger in MINT-Studiengängen als auch die Zahl der Auszubildenen in MINT-Berufen. Trotz der umfangreichen Maßnahmen der Landesregierung im MINT-Bereich ist keine Trendwende bei der MINT-Bildung zu sehen.

Insgesamt zeigt sich, dass MINT‑Bildung in fast allen Wahlprogrammen – mit Ausnahme von GRÜNEN und LINKEN – eine gewisse Rolle spielt, jedoch sehr unterschiedlich gewichtet wird. Auffällig ist, dass die Parteien meist nur einzelne Aspekte schulischer MINT‑Bildung aufgreifen, ohne einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen. So wird etwa häufig die Förderung leistungsstarker Schülerinnen und Schüler betont, während Konzepte fehlen, wie alle Lernenden in allen Bildungsstufen profitieren können. Zudem bleiben konkrete Antworten auf das Wie meist aus: Weder werden überzeugende Umsetzungsstrategien präsentiert, noch wird systematisch darauf eingegangen, wie unterrepräsentierte Gruppen – insbesondere Mädchen und Kinder mit Zuwanderungsgeschichte – gezielt unterstützt werden sollen.

Aus Sicht des Stifterverbandes ist es zwar positiv, dass MINT‑Bildung einen Stellenwert in den Programmen erhält, jedoch mangelt es überwiegend an inhaltlicher Tiefe und an klaren, praktikablen Lösungsvorschlägen.
 

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