Communicator-Preis

Der Communicator-Preis – Wissenschaftspreis des Stifterverbandes gilt in Deutschland als die wichtigste Auszeichnung für die Vermittlung von wissenschaftlichen Ergebnissen in die Öffentlichkeit.

Mit dem Preis zeichnen Stifterverband und Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) seit dem Jahr 2000 Wissenschaftler aus, die ihre Fachgebiete und Forschungsarbeiten einem breiten Publikum vielfältig, originell und kreativ nahebringen und sich darüber hinaus um den immer notwendigeren Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit verdient machen. Eine Jury aus Wissenschaftsjournalisten, Kommunikations- und PR-Fachleuten kürt die Preisträger. Die Auszeichnung ist mit 50.000 Euro dotiert.

Ausschreibung 2022

Der Preis richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus allen Fachgebieten, die an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Deutschland tätig sind und ihre Kommunikationsaktivitäten überwiegend im deutschsprachigen Raum umsetzen. Bewerben können sich sowohl Teams als auch Einzelpersonen. Nicht bewerbungsberechtigt sind Personen oder Teams, die in der Forschung nicht mehr aktiv sind oder Wissenschaftskommunikation hauptberuflich oder kommerziell betreiben.

Es sind sowohl Selbstbewerbungen als auch Vorschläge möglich, die gleichberechtigt behandelt werden. Vorschlagsberechtigt sind die Leitungen der Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie ehemalige Communicator-Preisträgerinnen und -Preisträger. Alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die die formalen Voraussetzungen erfüllen, können sich direkt bei der DFG für den Preis bewerben. Eine Vorauswahl an den Hochschulen ist im Verfahren nicht vorgesehen und keine Voraussetzung für eine Bewerbung.

Bewerbungen und Vorschläge nimmt ausschließlich die Deutsche Forschungsgemeinschaft an. Einsendeschluss ist der 7. Januar 2022. Ansprechpartnerin bei der DFG:

Jutta Höhn
Deutsche Forschungsgemeinschaft
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Stichwort "Communicator-Preis"
Kennedyallee 40
53175 Bonn
T 0228 885-2443
E-Mail senden

Preisträger 2021: Jürgen Richter-Gebert

Der Experte für Geometrie und Visualisierung von der Technischen Universität München erhält die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung für seine vielseitige Kommunikation, mit der er abstrakte mathematische Inhalte sichtbar, hörbar und begreiflich machen und sein Publikum in die Lage versetzen will, selbst zu experimentieren und zu forschen. Die Jury des Communicator-Preises würdigte bei ihrer Entscheidung, dass sich Richter-Gebert seit über 20 Jahren auf innovative und vielfältige Weise dafür engagiere, die Wirkmacht und Schönheit der Mathematik für unterschiedliche Zielgruppen erlebbar zu machen. Dafür habe er eine Vielzahl an Formaten entwickelt, die er immer wieder an neue Anforderungen anpasst, darunter interaktive Apps, Ausstellungen, TV-Formate, Performance-Workshops, Spiele, digitale Lerninhalte und Software für Visualisierungen. Mit nicht nachlassender Energie und Fantasie schaffe er in unterschiedlichen gesellschaftlichen und ästhetischen Kontexten immer wieder neue Zugänge zur Mathematik, so die Jury aus Wissenschaftsjournalisten, Kommunikations- und PR-Fachleuten unter dem Vorsitz von DFG-Vizepräsidentin Julika Griem.

Porträt des Communicator-Preisträgers Jürgen Richter-Gebert

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Foto: David Ausserhofer
Produktion: Deutsche Forschungsgemeinschaft

Es zeichnet die kommunikative Leitung von Jürgen Richter-Gebert aus, dass er seine Zielgruppen differenziert einbindet und sie zu eigenständigem Experimentieren, Gestalten und Erforschen motiviert. Er versteht es, auf großen Bühnen zu faszinieren, aber er spürt immer wieder auch Gelegenheiten auf, in denen sich Mathematik ebenso unspektakulär wie wirkungsvoll im Alltag verstehen lässt. Dies hat Richter-Gebert im letzten Jahr eindrucksvoll bewiesen, indem er die Pandemie als Chance nutzte: Er entwickelte früh digitale Angebote für Familien im Lockdown, um Kindern auf spielerische und niedrigschwellige Weise den Zugang zu Mathematik und Physik zu ermöglichen. Er nahm die Umstellung auf die digitale Lehre aber auch zum Anlass, mit seiner Erfahrung als Wissenschaftskommunikator hochwertige Lehrformate zu entwickeln, die nun öffentlich zugänglich sind und nachhaltig in die Breite wirken können. Mit diesem Ansatz zeige der diesjährige Preisträger beispielhaft, so die Jury, welchen Beitrag Wissenschaftskommunikation in der aktuellen digitalen Transformation der Gesellschaft leisten kann.

Als vorbildlich unterstrich die Jury auch die Zusammenarbeit Richter-Geberts mit jüngeren Kolleginnen und Kollegen und sein Engagement für die Einbindung und Förderung der Kommunikationskompetenzen junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Foto: David Ausserhofer

Jürgen Richter-Gebert wurde sowohl an der Technischen Hochschule Darmstadt als auch an der Königlich Technischen Hochschule Stockholm in Schweden promoviert. Im Anschluss war er unter anderem als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik in Berlin und als Privatdozent an der TU Berlin tätig, bevor er nach seiner Habilitation als Assistenzprofessor an die ETH Zürich wechselte. Seit 2001 ist Richter-Gebert Professor und Lehrstuhlinhaber am Zentrum Mathematik der Technischen Universität München. Er wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, darunter 2011 mit dem Ars legendi-Preis des Stifterverbandes für exzellente Hochschullehre sowie im Jahr 2016 als MINT Botschafter des Jahres von der Initiative "MINT Zukunft schaffen". 

Richter-Gebert ist Gründer und Leiter der Mathematikausstellung ix-quadrat an der TU München, Co-Autor des Mathematik-Visualisierungsprogramms Cinderella (gemeinsam mit Ulrich Kortenkamp) und betreibt das Internet-Portal Mathe-Vital. Zudem ist er maßgeblich an der Wanderausstellung Imaginary beteiligt. Die von ihm entwickelten digitalen Formate, etwa die kostenfreie App "TUM Interaktiv" und "Math to Touch" wurden tausendfach heruntergeladen, ebenso die digitale Ausgabe seines Buches zum Bruchrechnen. Die App iOrnament, erhältlich im Apple-Store, zählt dort international zu den besten im Bereich Mathematik.

In einem mehrstufigen Auswahlprozess hat die Jury aus 37 Bewerbungen und Vorschlägen den Preisträger ausgewählt. Verliehen wird der diesjährige Communicator-Preis im Rahmen der virtuellen Jahresversammlung der DFG am 7. Juli 2021 von DFG-Präsidentin Katja Becker und dem Präsidenten des Stifterverbandes, Andreas Barner.

 

 

Weitere Preisträger

2007: Arbeitsgruppe Glaziologie
2006: Friedemann Schrenk
2005: Harald Lesch
2004: Hubert Wolf
2003: Wolf Singer
2002: Wolfgang Heckl
2001: Gerold Wefer
2000: Albrecht Beutelspacher

 

Was haben die Meeresbiologin Antje Boetius, der Wüstenforscher Stefan Kröpelin und der Verhaltenspsychologe Onur Güntürkün gemeinsam? Sie sind nicht nur Koryphäen auf ihrem Gebiet, sondern können meisterhaft über ihre Forschung reden. Seit 20 Jahren zeichnen Stifterverband und DFG solche Forscher mit dem Communicator-Preis aus. Das MERTON-Magazin des Stifterverbandes bringt eine Reihe über außergewöhnliche Wissenschaftler und ihre Mission.
Übersicht auf der MERTON-Website

 

Foto: Christian Bohnenkamp

Ausstellung: 20 Jahre Communicator-Preis
Noch bis zum 21. Januar 2022 ist im Wissenschaftszentrum Bonn eine Ausstellung mit Fotos von Christian Bohnenkamp zu sehen. Er hatte für das MERTON-Magazin Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler porträtiert, die während der letzten 20 Jahre mit dem Communicator-Preis ausgezeichnet worden waren. Die Bilder zeigen sie an ihren Wirkungsorten – besonders in Szene gesetzt.