Communicator-Preis

Der Communicator-Preis – Wissenschaftspreis des Stifterverbandes gilt in Deutschland als die wichtigste Auszeichnung für die Vermittlung von wissenschaftlichen Ergebnissen in die Öffentlichkeit.

Mit dem Preis zeichnen Stifterverband und Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) seit dem Jahr 2000 Wissenschaftler aus, die ihre Fachgebiete und Forschungsarbeiten einem breiten Publikum vielfältig, originell und kreativ nahebringen und sich darüber hinaus um den immer notwendigeren Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit verdient machen. Eine Jury aus Wissenschaftsjournalisten, Kommunikations- und PR-Fachleuten kürt die Preisträger. Die Auszeichnung ist mit 50.000 Euro dotiert.

Die wichtigsten Kriterien für die Vergabe des Preises sind die Breite und Vielfalt sowie die Originalität und Nachhaltigkeit der Vermittlungsleistung. Bewerbungen auf Grundlage nur eines Projekts sind nicht möglich. Zudem müssen die Bewerber im deutschen Sprachraum tätig sein. Der Preis kann sowohl an einzelne Wissenschaftler als auch an eine Gruppe von Forscherinnen und Forschern verliehen werden. Größere Einheiten wie Fakultäten oder ganze Universitäten mit ihren Kommunikationsstrategien können nicht berücksichtigt werden.

 

Ausschreibung 2017

Es sind sowohl Selbstbewerbungen als auch Vorschläge für Preisträger möglich. Die Bewerbungen sollen aussagefähige Unterlagen über die Vermittlungsleistung enthalten (maximal 50 Seiten als repräsentativer Querschnitt der Gesamtarbeit, bei audiovisuellen Beiträgen nur eine Kassette oder DVD, bei Online-Blogs und anderen Social-Media-Beiträgen Hinweise in Link-Form). Bei Selbstbewerbungen ist die schriftliche Einschätzung eines zweiten Wissenschaftlers erforderlich, die deutlich auf die Kommunikationsleistung abhebt. Zu jeder Bewerbung wird darüber hinaus ein Lebenslauf erbeten; wissenschaftliche Publikationsverzeichnisse sollen ausdrücklich nicht beigefügt werden.

Bewerbungen und Vorschläge können – möglichst in digitaler Form – bis spätestens 31. Dezember 2016 eingereicht werden bei:

Deutsche Forschungsgemeinschaft
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Kennedyallee 40
53175 Bonn

Über die Vergabe des Preises entscheidet eine Jury aus Kommunikationswissenschaftlern, Journalisten, PR-Fachleuten sowie ausgewählten Wissenschaftlern unter Vorsitz eines DFG-Vizepräsidenten. Die Auswahl und Bekanntgabe des Preisträgers erfolgt im Frühjahr 2017. Die Preisverleihung findet am 3. Juli 2017 im Rahmen der DFG-Jahresversammlung in Halle statt.

 

Preisträger 2016: Andreas Zick

Der 54 Jahre alte Sozialpsychologen und Konfliktforscher von der Universität Bielefeld erhält die Auszeichnung für die vielfältige, langjährige und besonders engagierte mediale und öffentliche Vermittlung seiner Forschungsergebnisse zu Ursachen, Formen und Folgen innergesellschaftlicher Konflikte, Diskriminierung und Gewalt.

Viele von Zicks Forschungsthemen sind von hoher Aktualität und stehen gerade in diesen Monaten im Mittelpunkt der gesellschaftlichen und politischen Debatte, so etwa die Diskriminierung von und Gewalt gegen ethnische oder religiöse Minderheiten oder radikale Einstellungen und Gewalt von Jugendlichen und Fußballfans. Zick selbst ist im Kontext der Flüchtlings-Debatte, aber auch der Pegida-Demonstrationen oder der gewalttätigen Übergriffe in der Silvesternacht in Köln derzeit in Medien und Öffentlichkeit besonders präsent und überdies ein gefragter Gesprächspartner von Politik und Behörden. Die Jury des Communicator-Preises schätzt bereits dies als ein ausgezeichnetes Beispiel für die Kommunikation wissenschaftlicher Expertise ein.

Foto: DFG/Stefan Strussione
Verleihung des Communicator-Preises am 4. Juli 2016 an Andreas Zick durch DFG-Präsident Peter Strohschneider (li.) und Stifterverband-Präsident Andreas Barner (re.)
Foto: Universität Bielefeld
Communicator-Preisträger 2016: Andreas Zick

Andreas Zick ist, nach der Promotion in Marburg und Stationen in Wuppertal, Bielefeld, Dresden und Jena sowie der Habilitation in Halle-Wittenberg seit 2008 Professor für Sozialisation und Konfliktforschung in Bielefeld. Dort war er Co-Leiter des DFG-Graduiertenkollegs "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" und wirkt an der in der Exzellenzinitiative geförderten Bielefeld Graduate School in History and Sociology mit. Seit 2013 ist Zick Direktor des Instituts für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Bielefelder Universität.

Zick hat sich nicht erst im Zuge der aktuellen Ereignisse, sondern bereits weitaus früher und über einen längeren Zeitraum mit diesen Fragen befasst – und die Kommunikation seiner Forschungen dabei von Beginn an als wichtigen Teil seiner Arbeit betrachtet. Bereits in den 1990er-Jahren thematisierte er in Buchveröffentlichungen, Zeitungs- und Zeitschriftbeiträgen die zunehmende Ausländerfeindlichkeit in Deutschland ("Den Türken geht es besser als uns – Wie Fremde zu Feinden werden", "Kann der Solinger Brandanschlag etwas lehren?") oder die Entstehung und Erscheinungsformen von Vorurteilen, Rassismus und Rechtsextremismus. Ebenso früh vermittelte er seine Forschungen auch in die breitere Öffentlichkeit und an betroffene Zielgruppen, etwa mit der Entwicklung interkultureller und antirassistischer Trainingsprogramme.

Einem größeren Publikum ist Andreas Zick auch durch die "ARD-Themenwoche Toleranz" bekannt, bei der er 2014 an über 30 Sendungen mitwirkte. Über die Medienarbeit und seine intensive öffentliche Vortrags- und Veranstaltungstätigkeit hinaus bringt er seine Expertise zudem in zahlreiche Gremien, Kommissionen und Organisationen ein, unter anderem in den Expertenkreis der Bundeskanzlerin zum Dialog über Deutschlands Zukunft, den Rat für Migration oder den Expertenbeirat des Deutschen Forums Kriminalprävention. An der Bielefelder Universität hat Zick eine Fachstelle für die Beratung bei Konflikten und Gewalt im Fußball eingerichtet und ist am Projekt "Universität ohne Vorurteile" beteiligt. Aktuell entwickelt er für die Amadeu-Antonio-Stiftung ein "Science to Action-Workshop-Konzept", mit dem Nachwuchswissenschaftler und Praktiker gemeinsam Konzepte für eine bessere Prävention und Intervention bei Diskriminierung, Gewalt und Kriminalität erarbeiten sollen.

Zick selbst versteht die Vermittlung seiner wissenschaftlichen Arbeit, ebenso wie diese selbst, nicht zuletzt als Eintreten für die Demokratie, die "kein Selbstläufer" sei. Auch diesen zivilgesellschaftlichen Antrieb – für den sich Zick auch persönlichen Anfeindungen und Bedrohungen ausgesetzt sieht – würdigt die Jury des Communicator-Preises mit der Auszeichnung ausdrücklich.

 

Preisträger 2015: Boris Zernikow

Ausgezeichnet wurde ein Mediziner für seine engagierte und vielfältige öffentliche Vermittlung der Themen Schmerz, Schmerztherapie und Palliativversorgung bei Kindern: Für die Jury verknüpft Boris Zernikow Wissenschaft und Kommunikation in besonders enger und wirkungsvoller Weise, und das auf einem sensiblen Gebiet, das medizinisch und gesellschaftlich von großer Bedeutung ist. Er gilt sowohl mit seiner wissenschaftlichen und klinischen Arbeit als auch mit deren öffentlicher Vermittlung als Wegbereiter einer adäquaten Schmerztherapie und Palliativversorgung für Kinder und Jugendliche in Deutschland.

1964 geboren, wurde Zernikow nach seinem Medizinstudium in Münster und an der Harvard Medical School sowie der Promotion zum Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin mit dem Schwerpunkt Kinderonkologie ausgebildet. Nach ersten klinisch-ärztlichen Tätigkeiten baute er an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln, die zugleich eine Klinik der privaten Universität Witten/Herdecke ist, das Vodafone Stiftungsinstitut für Kinderschmerztherapie und Pädriatische Palliativmedizin auf, das er als Chefarzt leitet. Aus diesem Institut sind inzwischen das Deutsche Kinderschmerzzentrum und das Kinderpalliativzentrum Datteln hervorgegangen. 2008 wurde Zernikow von der Universität Witten/Herdecke auf den europaweit ersten Lehrstuhl für Kinderschmerztherapie und pädriatische Palliativversorgung berufen. Die dortigen Forschungsschwerpunkte reichen von der multidimensionalen Diagnostik und den neurowissenschaftlichen Grundlagen chronischer Schmerzen bei Kindern über Therapiestudien zur multimodalen Behandlung bis zur Versorgung von Kindern mit Krebserkrankungen zum Lebensende.

Forschergestalten: Boris Zernikow

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Schützt Fußball vor chronischen Schmerzen?

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Den Schmerz verstehen - und was zu tun ist

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Die Themen und Ergebnisse dieser bereits mehrfach fachlich ausgezeichneten klinischen Forschungen – und damit nicht zuletzt die Notwendigkeit einer speziellen Behandlung und Versorgung chronisch und lebenslimitierend erkrankter Kinder – öffentlich zu vermitteln, war für Zernikow von Beginn an zentraler Bestandteil seiner Arbeit. Dabei kommuniziert er sowohl mit der breiten Öffentlichkeit und in den Medien als auch mit einzelnen Zielgruppen wie gesunden und kranken Kindern und deren Familien sowie mit Repräsentanten von Gesundheitspolitik und Gesundheitssystem. Ihnen allen gegenüber sieht er sich als "Botschafter" der Bedürfnisse schwerst- und todkranker Kinder und Jugendlicher, von denen es in Deutschland etwa 400.000 gibt.

Neben dieser besonders engagierten Vermittlungsleistung beeindruckte die Jury des Communicator-Preises nun auch die Vielfalt und Kreativität, mit der Zernikow kommuniziert, so etwa mit dem Zeichentrickfilm "Den Schmerz verstehen – und was zu tun ist", mit leicht verständlichen Ratgebern ("Rote Karte für den Schmerz") oder mit den Internetauftritten des Deutschen Kinderschmerzzentrums und des Kinderpalliativzentrums Datteln. Mit diesen Kommunikationsformen, aber auch mit zahlreichen Beiträgen und Interviews in den Medien habe Zernikow dafür gesorgt, dass die Themen Schmerz, Schmerztherapie und Palliativversorgung für Kinder und Jugendliche in Deutschland überhaupt erst öffentlich wahrgenommen und angegangen wurden.

Foto: DFG/Damian Gorczany
Verleihung des Communicator-Preises am 30. Juni 2015 in Bochum: Preisträger Boris Zernikow (Mitte) mit den Präsidenten des Stifterverbandes, Andreas Barner (li.), und der DFG, Peter Strohschneider