Communicator-Preis

Der Communicator-Preis – Wissenschaftspreis des Stifterverbandes gilt in Deutschland als die wichtigste Auszeichnung für die Vermittlung von wissenschaftlichen Ergebnissen in die Öffentlichkeit.

Mit dem Preis zeichnen Stifterverband und Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) seit dem Jahr 2000 Wissenschaftler aus, die ihre Fachgebiete und Forschungsarbeiten einem breiten Publikum vielfältig, originell und kreativ nahebringen und sich darüber hinaus um den immer notwendigeren Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit verdient machen. Eine Jury aus Wissenschaftsjournalisten, Kommunikations- und PR-Fachleuten kürt die Preisträger. Die Auszeichnung ist mit 50.000 Euro dotiert.

Preisträger 2022

Public-Philosophy-Projekt denXte

Foto: Christoph Sapp/Universität Düsseldorf
Das DenXte-Team: Berit Weiß, Prof. Dr. Markus Schrenk, Julia Frese, Christoph Sapp, Dr. David Löwenstein, David Niemann und Dr. Amrei Bahr (v.li.)

 
Der Communicator-Preis 2022 geht an das Public-Philosophy-Projekt denXte
 und damit an ein Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Dieses besteht neben Markus Schrenk, seit 2014 Professor für Theoretische Philosophie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, auch aus den beiden Postdocs Dr. Amrei Bahr und Dr. David Löwenstein sowie vier Studierenden der Philosophie: Julia Frese, David Niemann, Christoph Sapp und Berit Weiß. Sie erhalten gemeinsam die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung für ihre innovative und zukunftsweisende Wissenschaftskommunikation, mit der sie auf spielerische und zugleich anspruchsvolle Weise über ein sonst eher schwer zugängliches Fach wie die Philosophie kommunizieren. 

Die Jury des Communicator-Preises würdigte bei ihrer Entscheidung, dass es dem Projekt denXte mit einem partizipativen Ansatz gelinge, Bürgerinnen und Bürger unterschiedlichsten Alters und verschiedener Bildungshintergründe für philosophische Zusammenhänge zu begeistern. Das siebenköpfige Team mache es sich dabei zur Aufgabe, Menschen ohne philosophische Vorkenntnisse über das Format des philosophischen Gedankenexperiments zum Austausch über gesellschaftlich relevante Themen einzuladen. Dabei können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht nur ihre eigenen Fragestellungen und Argumente einbringen, sondern lernen nebenbei auch grundlegende Denkwerkzeuge der Philosophie kennen.

Philosophische Gedankenexperimente stehen im Mittelpunkt des Düsseldorfer Public-Philosophy-Projekts denXte

Video abspielen
Deutsche Forschungsgemeinschaft
Videoporträt des Preisträgers 2022

Wie die Jury aus Wissenschaftsjournalisten, Kommunikations- und PR-Fachleuten unter dem Vorsitz von DFG-Vizepräsidentin Professorin Dr. Julika Griem betonte, gehe das Projekt über die reine Vermittlung wissenschaftlicher Sachverhalte hinaus und stelle eine wenig beleuchtete Facette der Wissenschaftskommunikation in den Mittelpunkt: Es schule das Denken und die Fähigkeit, Probleme rational und systematisch zu verhandeln. Dies sei gerade in einer an Debatten und Konflikten reichen Zeit, in der die eigene Meinungsbildung immer schwieriger werde, von hoher Bedeutung. Mithilfe von partizipativ gestalteten und für verschiedene Zielgruppen organisierten Gedankenexperimenten vermag das Düsseldorfer Team klassische Dilemmata und Schlüsselprobleme ebenso in Gesprächssituationen zu übertragen wie die spezifischen Herausforderungen aktueller Krisensituationen.

Für die diesjährige Preisrunde hatten DFG und Stifterverband vor dem Hintergrund sich ändernder Arbeitsformen und vermehrter Zusammenarbeit auch in der Wissenschaftskommunikation im Vorfeld ausdrücklich auch Teams zur Bewerbung ermuntert. Die Jury zeigte sich nun besonders beeindruckt von der arbeitsteiligen und gleichberechtigten Zusammenarbeit innerhalb des Projektteams von denXte. Neben der engen Arbeit untereinander sind die Projektmitglieder auch integraler Bestandteil ihrer Universität sowie über die eigene Hochschule hinaus gut vernetzt. Auf diese Weise leiste denXte auch einen wichtigen Beitrag zum Profil der Universität Düsseldorf als Bürgeruniversität.

Foto: Andreas Gerhardt/DFG
Preisverleihung bei der Jahresversammlung der DFG am 27. Juni 2022 in Freiburg
Foto: Andreas Gerhardt/DFG
Preisverleihung bei der Jahresversammlung der DFG am 27. Juni 2022 in Freiburg

Das Team hinter denXte nutzt ein ganzes Bündel von Aktivitäten, um mit verschiedenen Zielgruppen philosophisch in Austausch zu treten, darunter Livechats, soziale Medien, Videos, Umfragen und Veranstaltungen. Kern der Formate sind dabei jeweils philosophische Gedankenexperimente, also Szenarien, die der Plausibilisierung oder Widerlegung philosophischer Thesen, Argumente und Theorien dienen. So gab es 2019 etwa eine Veranstaltung zum Thema Organspende, eine weitere beschäftigte sich mit der Frage "Was sind Fake News?", und eine in diesem Jahr geplante Veranstaltung soll sich mit der Frage befassen: "Wie wäre es, die eigene Zukunft zu kennen?". In kurzen Videoclips werden wiederum aktuelle ethische Fragen aufgegriffen, etwa zur Lockdown-Politik. Daneben wurden bislang fünf Livestreams mit Livechat veranstaltet, ein eigener Podcast ist derzeit in Planung, ebenso wie das denXte-Lab, ein Versuchslabor für philosophische Gedankenexperimente für Studierende. 

Dabei überzeugte die Jury insbesondere die Orchestrierung der verschiedenen Formate, die nicht nebeneinander existierten, sondern zu einzelnen Themen gebündelt beitrügen und so im besten Sinne multimedial seien.

Die Jury wählte das nun ausgezeichnete Team in einem mehrstufigen Auswahlprozess aus 35 Bewerbungen und Vorschlägen aus. Verliehen wurde der Communicator-Preis im Rahmen der Jahresversammlung der DFG am 27. Juni 2022 in Freiburg von DFG-Präsidentin Prof. Dr. Katja Becker sowie dem ehemaligen Präsidenten und Ehrenmitglied des Stifterverbandes, Prof. Dr. Dr. Andreas Barner.

 

 

Weitere Preisträger

2007: Arbeitsgruppe Glaziologie
2006: Friedemann Schrenk
2005: Harald Lesch
2004: Hubert Wolf
2003: Wolf Singer
2002: Wolfgang Heckl
2001: Gerold Wefer
2000: Albrecht Beutelspacher

 

Was haben die Meeresbiologin Antje Boetius, der Wüstenforscher Stefan Kröpelin und der Verhaltenspsychologe Onur Güntürkün gemeinsam? Sie sind nicht nur Koryphäen auf ihrem Gebiet, sondern können meisterhaft über ihre Forschung reden. Seit 20 Jahren zeichnen Stifterverband und DFG solche Forscher mit dem Communicator-Preis aus. Das MERTON-Magazin des Stifterverbandes bringt eine Reihe über außergewöhnliche Wissenschaftler und ihre Mission.
Übersicht auf der MERTON-Website

 

Foto: Christian Bohnenkamp

Ausstellung: 20 Jahre Communicator-Preis
Noch bis zum 21. Januar 2022 ist im Wissenschaftszentrum Bonn eine Ausstellung mit Fotos von Christian Bohnenkamp zu sehen. Er hatte für das MERTON-Magazin Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler porträtiert, die während der letzten 20 Jahre mit dem Communicator-Preis ausgezeichnet worden waren. Die Bilder zeigen sie an ihren Wirkungsorten – besonders in Szene gesetzt.